Schuierer tourt schon länger mit Wolfgang Nowak, dem lebenden Archiv des Kampfs gegen die Wiederaufbereitungsanlage, durch die Lande, seit der Film „Wackersdorf“ ins Kino gekommen ist. Der Saal im Café Mitte ist voll, als der Schwandorfer Altlandrat auf Einladung des SPD-Bürgermeisterkandidaten Jens Meyer den Spielfilm über den Widerstand gegen die einst als Segen für die Region verkaufte WAA kommentiert. Schuierer, der in wenigen Tagen seinen 89. Geburtstag feiert, spricht davon, dass er bei seinen Besuchen in Schulen in ganz Bayern feststellen müsse, dass den jungen Leuten die WAA „überhaupt kein Begriff“ sei, ein Fremdwort, mit dem diese überhaupt nichts anfangen könnten. Dabei seien das damals nicht etwa nur bürgerkriegsähnliche Zustände gewesen, „das war Bürgerkrieg“, sagt Schuierer.
Das sei nicht nur eine Gefahr gewesen für die Menschen am Bauzaun, vielmehr sei der Rechtsstaat in Gefahr gewesen, „den hat man damals mit Füßen getreten“. Die WAA-Zeit sei ein Lehrbeispiel dafür, was in einem demokratischen Rechtsstaat nicht passieren dürfe. Sie sei aber gleichzeitig ein Lehrbeispiel dafür, was die Demokratie möglich machen könne: „Denn hätten wir keine Demokratie gehabt, dann stünde heute eine Wiederaufbereitungsanlage mit all den Gefahren, die wir kennen.“ Eine Anlage, die nach Meinung der Fachleute noch gefährlicher sei als ein Atomkraftwerk.
Nicht er sei die Symbolfigur des Widerstands, das seien die tausende Frauen und Familien, die jedes Wochenende am Bauzaun gestanden seien. „Das sind die Symbolfiguren, die haben es erreicht, dass die WAA nicht gebaut werden konnte.“ Es werde immer gesagt, die WAA sei aus wirtschaftlichen Gründen nicht gebaut worden, es sei „das Ende des ganzen Lügenpaketes“ gewesen, sagt Schuierer.
Damals seien in Wackersdorf Pflöcke eingeschlagen worden, die die Demokratie und den Rechtsstaat gerettet hätten. Schuierer erinnert an das Disziplinarverfahren der Staatsregierung gegen ihn. „Die wollten mich einfach des Amts entheben“, sagt er und man merkt ihm die Empörung heute noch an. Die Polizeieinsätze, die Hausdurchsuchungen, er habe damals stark gezweifelt am Rechtsstaat. Als er dann jedoch das Disziplinarverfahren gewonnen habe, habe er gewusst: „Die Justiz funktioniert offenbar doch noch.“ Das sei für ihn ein entscheidender Punkt gewesen.
Schuierer bricht unter großem Beifall eine Lanze für den allgemeinen Kampf für Demokratie, soziale Gerechtigkeit, Freiheit. Wenn der Film ein klein wenig dazu beitrage, dann habe er seinen Sinn erfüllt.
Bürgermeister Jens Meyer fragt Schuierer, was dessen Motivation gewesen sei, sich so in den Kampf zu werfen gegen die WAA. Er habe schnell gemerkt, sagt Schuierer, welch gefährliche Anlage man ihm da als Segen habe verkaufen wollen. „Also nicht so harmlos wie eine Fahrradspeichenfabrik, wie es immer hieß?“, fragt Meyer. Und Schuierer antwortet: „Mit Sicherheit nicht.“ Und statt einer verödeten Region mit WAA habe man heute eine aufstrebende Region, die ihresgleichen in ganz Bayern suche. Worauf Meyer konstatiert: „Der Kampf hat sich also gelohnt.“
ONETZ: Wie oft haben Sie den Film schon gesehen?
Hans Schuierer: So circa zwanzig Mal.
ONETZ: Gefällt er Ihnen?
Hans Schuierer: Der Film ist relativ gut, wobei auch viel Unsinn dabei ist. Aber der Regisseur hat gesagt, er braucht natürlich auch Material, damit eine Spannung da ist. Es ist keine Dokumentation, wobei sehr viel Dokumentarmaterial dabei ist.
ONETZ: Stört es Sie, dass der Film so aufgemacht ist?
Hans Schuierer: Ganz im Gegenteil. Mir gefällt der Film sehr gut. Er kommt auch überall sehr gut an. Bloß gefällt mir einiges nicht, das hätte ich natürlich gern nicht so. Wie zum Beispiel der Streit mit dem Bürgermeister Ebner aus Wackersdorf, der überhaupt nie stattgefunden hat. Bis zum Tod vom Ebner Sepp haben wir ein sehr freundschaftliches Verhältnis gehabt. Wir haben nie ein böses Wort gewechselt miteinander. Und im Film wird es so gezeigt, als ob wir nur gestritten hätten. Das ärgert mich natürlich. Aber naja, ich hab´ keinen Einfluss gehabt auf die Gestaltung des Films.
ONETZ: Sie konnten nicht sagen, nehmt den Streit aus dem Drehbuch?
Hans Schuierer: Das hab ich schon gesagt, aber die meinten, sie brauchen das, damit eine Spannung drin ist im Film. (lacht) Was willst da macha?













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