19.07.2019 - 13:16 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Apfelkuchen: "Zwischendrin-mal-wieder-Konzert" zum 40. Geburtstag

Ihr erstes Abschiedskonzert gaben sie bereits 1983. Insofern keine Selbstverständlichkeit, dass die Weidener Band "Apfelkuchen" nun den 40. Geburtstag feiert. Im Interview blickt Band-Chef Hubert Treml zurück.

Heimspiel im Juni 2013: Im Pfarrheim St. Konrad am Hammerweg – Schauplatz des ersten „Apfelkuchen“-Auftritts 1980 – spielt die Band um Hubert Treml (Mitte) für einen guten Zweck. An gleicher Stelle geben sie 1983 auch ihr erstes Abschiedskonzert.
von Ralph Gammanick Kontakt Profil

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Weiden in der Oberpfalz

Soll man es Comeback nennen? Reunion? Wiedervereinigung? Hubert Treml winkt ab. Er will es nicht so hoch hängen, dass er wieder mal seine alte Crew zusammengetrommelt hat. "Wir sind ja eher eine Band, die anstatt alle 5 Tage oder alle 5 Wochen so im Schnitt alle 5 Jahre einen Auftritt macht ..." "Apfelkuchen" gibt es also nicht wieder, sondern immer noch. Und das seit 40 Jahren. Den "Runden" feiern die Weidener Mundart-Rocker um Treml mit einem Konzert am 27. Juli auf dem Burggelände in Obermurach (Karten: 09671/923535), wo sie auch schon mal im Vorprogramm von STS aufgetreten sind. Ein Interview mit dem "Apfelkuchen"-Boss über die Anfänge am Hammerweg, über Jubiläumsvorbereitungen und Abschiedskonzerte, die bei "Apfelkuchen" auch schon Tradition haben.

ONETZ: 40 Jahre "Apfelkuchen". Warum schmeckt er Ihnen noch?

Hubert Treml: Apfelkuchen bleibt weiterhin mein Lieblingskuchen. Saftig, voll und so g'sund!

ONETZ: Und in diesem Fall so selten. Warum nur dieser eine Auftritt – und dann noch nicht mal in Weiden?

Hubert Treml: Vor zwei Jahren kamen von Harald (Gitarrist, Würzburg) und Bernie (Bass, Vohenstrauß) Signale, ob man nicht mal wieder das schöne "Apfelkuchen"-Songmaterial auf die Bühne bringen könnte. Und ich habe dann geschaut, einen Veranstalter dafür zu gewinnen. Es sollte halt alles recht unkomplizert laufen. Und letztes Jahr hat sich das in einem Gespräch mit Alfons Wittmann von der KLB Niedermurach ergeben. Ich wollte gerne eben auch Open-Air spielen. Und so haben wir es nun gemeinsam gewagt. Ich bin sehr dankbar, dass es die KLB in die Hand genommen hat. Und: Unser dereinstiger Auftritt in Obermurach war ja einer unserer größten Erfolge! Wir durften dort in den 80ern vor STS spielen und haben einen sehr guten Eindruck hinterlassen.

ONETZ: Wie ausgiebig probt ihr für das Konzert? Oder ist Apfelkuchen wie Radfahren - man verlernt's nicht?

Hubert Treml: Das ist sehr gut beschrieben. Es ist erstaunlich, wie sich die Lieder in uns festgesetzt haben. Dennoch bereitet sich natürlich jeder gut auf den Auftritt vor. Und dann wird vorher gemeinsam zumindest einmal wieder alles durchgespielt.

ONETZ: Wer zählt aktuell zur Band – und wer von der aktuellen Besetzung war schon 1979 dabei?

Hubert Treml: Von den Gründungsmitgliedern ist aktuell außer mir keiner mehr dabei. Aber es gab ja mehrere "Apfelkuchen"-Phasen. Die Band, die am 27. Juli spielt, ist gewissermaßen aus der dritten Phase, wobei Wolfgang "Hirsch" Dirscherl schon sehr früh dazu kam. In Obermurach dabei sind Wolfgang Dirscherl (Tasten), Bernhard Helmstreit (Bass), Harald Neudert (Gitarre), Johannes Schüßlbauer (Schlagzeug) und ich. Johannes ist übrigens der Sohn von Martin "Olaf" Schüßlbauer, dem Gründungsmitglied und ersten Sologitarristen von "Apfelkuchen", der vor fast 30 Jahren bei einem Autounfall verstarb.

ONETZ: Wie habt ihr einst zusammengefunden?

Hubert Treml: Wir waren alle Teil einer Clique vom Hammerweg und Rockmusik-narrisch. Meine ersten Lieder hatte ich ja schon mit 12 oder so geschrieben. Auch in Mundart. Und so stand es irgendwann unweigerlich im Raum, dass wir auch selber was machen. Mein Bruder Jonny (Johannes Treml) kannte sich etwas an der Orgel aus. Olaf konnte, wie ich, etwas Gitarre und wurde zum Sologitarristen auserwählt. Und Igor (Wolfgang Schüßlbauer) besorgte sich einen Bass und begann zu spielen. Wir probten immer wieder mal am Samstagnachmittag bei uns im Zimmer – in der Wohnung! Noch heute gilt der Dank meinen Eltern und den sehr verständnisvollen Nachbarn! Wir spielten eigene Sachen und viele Rock-'n'-Roll-Klassiker. Und Igor brachte dann irgendwann mal Schlagzeuger Hannes Nied mit, der nun seit langem schon Drumset an der Hochschule für Musik in Nürnberg unterrichtet. Als Hannes dabei war, hat sich unser Niveau auf einen Schlag um 100 Prozent gehoben. Ich kann mich noch sehr gut an unsere erste gemeinsame Probe erinnern. Plötzlich waren wir ein starke Band.

ONETZ: Warst du damals schon so ein großer Springsteen-Fan? Wie groß war sein Einfluss auf die Apfelkuchen-Musik?

Hubert Treml: Ich hatte zwar 1979 schon einige Songs von "Born to run" auf Kassette, die hatten aber damals noch nicht diese Bedeutung für mich. Da musste wohl erst noch ein bisschen was in der Pubertät mit mir passieren... So richtig entdeckt habe ich Bruce für mich dann erst 1981. Und da sollte dann natürlich fast jedes zweite Lied wie Bruce klingen. Was aber nie wirklich gelang. So Sachen wie "Aoubnd im August" oder "Vollmondnacht" sind schon stark von Springsteen beeinflusst. Die ersten Einflüsse aber waren eher Elvis, J. Geils Band, ZZTop, The Who und natürlich Spider Murphy Gang und so Sachen. Auch Pink Floyd, Supertramp, Fleetwood Mac, und, und, und ...

ONETZ: Warum dieser Name: "Apfelkuchen"?

Hubert Treml: Natürlich – wie jede Band – suchten wir einen außergewöhnlichen Namen. Und "Apfelkuchen" als Band-Name, das war genau unser Humor. Vielleicht auch etwas beeinflusst, weil wir in den Proben-Pausen Samstag Nachmittag immer wieder Mutters leckeren Apfelkuchen verzehren durften...

ONETZ: Aber müsste es nicht eigentlich "Opflkouchn" heißen?

Hubert Treml: In den frühen Jahren sangen wir Englisch, Hochdeutsch und Mundart. Deshalb anfangs das internationale "Apfelkuchen". Als wir später dann nur noch Mundart und eigene Sachen spielten, war es schon zu spät für eine Namensänderung, weil uns die ganze Welt (!) ja schon unter "Apfelkuchen" kannte.

ONETZ: Sind die "Apfelkuchen"-Tonträger noch auf irgendeinem Weg erhältlich? Warum kommen zum Jubiläum keine remasterten Deluxe-Editions?

Hubert Treml: Tonträger verkaufst du ja nur, wenn du "tourst". Von daher stehen keine Neuauflagen an. "Fia Eich" (1986) und "daham" (1990) waren ja alle bald ausverkauft. Als ich mich vor 20 Jahren mit meinem künstlerischen Treiben selbstständig machte, haben wir uns Zeit für einen dritten Tonträger genommen: "Nu amal" (2001). Davon gibt es noch einige Exemplare. Die werden wir beim Konzert natürlich anbieten.

ONETZ: Welche "Apfelkuchen"-Songs dürfen bei keinem Konzert fehlen - und warum?

Hubert Treml: Etliche Songs der ersten LP. "Weihnachten sollt immer saa" oder "Fia Eich" sind halt Publikums-Lieblinge. Aber auch "Döi Nacht gheart uns" und "Patschad noß", die ich ja auch bei meinen Solo-Auftritten immer wieder gerne auspacke. Als Autor der meisten Songs finde ich natürlich gaaaaaaanz viele Sachen super. Zur Zeit basteln wir per Mail gemeinsam am Programm. Jeder hat ja auch so seine persönlichen Favoriten.

ONETZ: Ihr habt schon mehrfach "Abschiedskonzerte" gegeben. Wird das in Obermurach wieder so eines?

Hubert Treml: Das Konzert in Obermurach ist ja kein Abschiedskonzert. Sondern ein: Zwischendrin-mal-wieder-Konzert. Also keine Reunion und auch kein "Zum letzten Mal". Witzigerweise haben wir ja unser erstes Abschiedskonzert bereits im November 1983 gespielt. Das ging also schon früh los bei uns. Immer wieder deuteten halt Lebensveränderungen an, dass es schwierig werden würde, die Band am Laufen zu halten. Wir alle gingen zum Studieren in andere Städte, hatten familiäre Veränderungen und so weiter. Aber die Songs sind halt so stark, dass man sie immer wieder mal gerne in Band-Besetzung spielt. Wenn ich mich recht entsinne, war es eben das letzte Mal beim 50. von Harald in Würzburg, dass wir etliche Lieder gemeinsam spielten. Und so Sachen wie "Immer unterwegs" oder "So gut zu Dir" mit Band live gespielt, jagen halt die Glückshormone durch den ganzen Körper. So freue ich mich sehr, sehr auf Obermurach.

40 Jahre "Apfelkuchen":

Weitere Bandmitglieder

Dieser Nachtrag zum Interview muss sein, meint Hubert Treml: "Weil, wenn wir schon über die Geschichte von Apfelkuchen reden, dann müssen noch weitere Namen genannt sein, die auch prägende Gestalten für die verschiedenen Phasen waren". Treml stellt sie vor:

"Jeff Fichtner (Solo-Gitarre) hat ab 1984 unser Niveau zur "Weltklasse" geführt. Und war schließlich bis etwa 1990 dabei. Die Sounds der ersten beiden LPs sind vor allen Dingen durch sein tollen Gitarrenaufnahmen geprägt. Uli Ederer (Schlagzeug) war von etwa 1987 bis 1993 dabei. WAA-Festival, U&D in Würzburg. usw. Hat er alles mit geprägt. Und eben die 2. LP "daham". Bei den Aufnahmen zu "daham" haben wir für uns auch die Stimmen der Gast-Sängerinnen Deniz Bilge und Petra Wurdack entdeckt. Sie haben dann auch unsere Live-Performances mit geprägt. Zwischendrin war auch mal Ingmar Balk an den drums. Und eine Zeit lang Wolfgang Gleissner am Bass. Die erste LP "Fia Eich" haben wir bei Edmund Feilner (mit dessem 8-Spur-Band-Gerät) in dessen Wohnung und bei uns im Wasserwerk aufgenommen. Die zweite LP "daham" dann bei Günther Hagn in Letzau.

Das erste Konzert 1980. Von links: Wolfgang (Igor) und Martin Schüßlbauer (Olaf), Hannes Nied, Hubert (Tschuppy) und Johannes Treml (Jonny).
1982: Wolfgang Dirscherl (Hirsch), Tschuppy Treml, Hannes Nied und Igor Schüßlbauer (von links).
1982: Jonny Treml als Gastsänger, Hannes Nied, Tschuppy Treml und Igor Schüßlbauer (von links).
2001: Tschuppy Treml, Harald Neudert, Hirsch Dirscherl, Uli Ederer und Bernhard Helmstreit (Bernie, von links).
2001: Tschuppy Treml, Uli Ederer, Harald Neudert, Bernie Helmstreit und Hirsch Dirscherl (von links).
Abschiedskonzert 1983: Jonny Treml, Igor Schüßlbauer, Olaf Schüßlbauer, Tschuppy Treml und Hannes Nied (von links).
Etwa 1987: Jeff Fichtner, Igor Schüßlbauer, Hirsch Dirscherl, Tschuppy Treml und Uli Ederer (von links).
Etwa 1993: Harald Neudert, Uli Ederer, Petra Wurdack, Hirsch Dirscherl, Tschuppy Treml und Bernie Helmstreit (von links).
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