05.07.2018 - 11:21 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Arbeit und Freizeit nicht trennen

Der Einzug digitaler Techniken in die Arbeitswelt greift tief in die gewohnten Tagesabläufe ein. Was sich alles ändert, wird am "TechDay" diskutiert.

Teilnehmer der Podiumsdiskussion am "TechDay" (von links): Diplom-Ingenieurin Elisabeth Schärtl von der Kuka AG, Geschäftsführer Marco Bauer von der BAM GmbH, Florian Lehmer vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung und OTH-Dekan Clemens Bulitta. Als Moderator fungiert OTH-Professor Frank Schäfer.
von Siegfried BühnerProfil

(sbü) „Bleibt der Mensch auf der Strecke, wenn digitale Techniken die Produktion und die Arbeitsabläufe steuern?“ lautet die Ausgangsfrage der Podiumsdiskussion am "TechDay" bei der BAM GmbH in Weiden. Die OTH Amberg-Weiden und das Maschinenbauunternehmen hatten dazu eingeladen. Experten aus Wirtschaft und Wissenschaft diskutierten am Ende eines Konferenztages, an dem in zahlreichen Kurzvorträgen die neuesten digitalen Technologien vorgestellt wurden. Fasst man die Wortbeiträge der Diskussion zusammen, ergibt sich zwar ein „Nein“ auf die Ausgangsfrage, ob der Mensch auf der Strecke bleibt, es ist jedoch mit einem großen „Aber“ verbunden.

Für OTH-Dekan Professor Clemens Bulitta muss sich die Gesellschaft auf Änderungen im Ablauf von Arbeits- und Privatleben einstellen. Wörtlich sagte Bulitta: „Wir brauchen nicht mehr die Work-Life-Balance, sondern die Work-Life-Integration." Dies bedeutet, dass die strikte Trennung zwischen Arbeits- und Lebenswelt aufgehoben wird. Dieser gesellschaftliche Wandel müsse vermittelt werden. Verändern müsse sich deshalb auch die Bildungspolitik, denn „Lernen und Lehren ist in der bisherigen Form nicht mehr möglich“.

Fachliche Inhalte würden weniger benötigt, weil Expertensysteme genutzt werden könnten. Es gelte auch Eigenverantwortung zu lernen, dabei aber Rücksicht auf sich selbst zu nehmen. „Schließlich hat der Burn-Out viel damit zu tun, dass Menschen überfordert sind“, sagte Bulitta. Ähnlich sieht es BAM-Geschäftsführer Marco Bauer, wenn er feststellt: „Die Digitalisierung erfordert viel Flexibilität des Personals.“ Schwierig werde es vor allem, das gesamte Personal dabei „mitzunehmen“. Bauer weist zudem darauf hin, dass Ausbildungspläne in staatlichen Bildungseinrichtungen „hinterher hinken“. Für additive Fertigung (3D-Druck), die bei BAM zum Betriebsalltag gehört, fehlten Lehrpläne und Prüfer.

Dass in der digitalen Unternehmenswelt das Arbeitszeitgesetz nicht mehr zeitgemäß sei, betont Florian Lehmer vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Lehmer bemerkt: „Ich setze mich auch oft abends, wenn die Kinder im Bett sind, noch einmal an den PC. Da dürfte ich frühmorgens gar nicht anfangen.“ Der Wissenschaftler warnt aber: „Man muss auf den menschlichen Ausgleich achten.“ Sabaticals oder bezahlter Urlaub für Weiterbildung könnten dafür geeignet sein.

Für Diplom-Ingenieurin Elisabeth Schärtl von der Kuka AG bietet die Digitalisierung die Chance, dass der Mensch wieder kreativer werden kann und stupide Arbeiten wegfallen. Trotz der vielen virtuellen Kommunikationsmöglichkeiten muss für Schärtl auch in der digitalen Welt das Bedürfnis nach persönlichen Beziehungen befriedigt werden. Denn „der Mensch ist evolutionär wenig weiter als vor 10000 Jahren.“

Als Moderator fungierte OTH-Professor Frank Schäfer. Der Diskussion waren Vorträge zu den Themenbereichen Medizintechnik, digitale Produktion und Fertigungstechnologien vorangegangen. Experten aus Wirtschaft und Wissenschaft referierten. Schwerpunktthemen waren die additiven Fertigungsmethoden (3D-Druck) in der Medizintechnik und in den industriellen Produktionsverfahren sowie die Robotik der Zukunft. Zum "TechDay" waren rund 120 Teilnehmer gekommen.




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