30.11.2018 - 16:58 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Architekt Heiner Schreml gestorben

Als Architekt prägte er über Jahrzehnte das Baugeschehen in der Stadt Weiden. Doch Heiner Schreml war viel mehr. Er sorgte mit seinen Visionen immer wieder für Gesprächsstoff.

Architekt Heiner Schreml mit dem Entwurf des Abatay-Towers. Erst vor knapp drei Wochen hatte er sich ausführlich über die „Behandlung“ des Vorhabens durch die Stadt Weiden beschwert.
von Josef-Johann Wieder Kontakt Profil

Nur seine Freunde wussten von seinem Krebsleiden und seiner Diabetes. Nach außen hin gab sich Heiner Schreml stark, gesund, voller Optimismus, mit weiteren hoch fliegenden Plänen für die Zukunft. In der ihm eigenen Art vertraute er zu lange auf die Selbstheilungskräfte von Körper und Geist. Am Montagabend fanden ihn Angehörige bewusstlos in seinem Haus in Parkstein. Wenige Stunden später verstarb der 81-Jährige, der ins Zuckerkoma gefallen war, im Weidener Klinikum.

Der renommierte Weidener Architekt lebte auch im hohen Alter noch den Mythos des Extrem-Sportlers, des Komödianten und des Musikus. Vor allem aber des kritischen Beobachters und Kommentators der Stadtentwicklung. Unvergessen bleibt für viele seine selbst erklärte Oberbürgermeisterkandidatur. Sein "Regierungsprogramm" gab er 1995 - hüpfend auf einem Trampolin, denn "das hält den Geist wach" - im Haus der Evangelischen Gemeinde bekannt. Aus Protest besetzte er einst den historischen Pranger am Alten Rathaus, lieferte sich Scharmützel mit den Oberbürgermeistern Hans Schröpf und Kurt Seggewiß. Nicht nur mit Narrenkappe und Clownsnase hielt er der Zeit und den Zeitgenossen den Spiegel vor.

Zugleich aber brillierte Schreml als gefragter Kontrabassist in vielen Orchestern in Deutschland. Er spielte gern im Sinfonieorchester der Franz-Grothe-Schule. Im Jubiläumsjahr Weidens war er als Mime beim Stadtschauspiel zu sehen. Er liebte den öffentlichen Auftritt, inszenierte sich und seine Projekte. Viele von ihnen - wie etwa die Überdachung der Max-Reger-Straße, die Verlängerung der Südosttangente nach Tröglersricht oder die Fortsetzung der Weigelstraße in den Hetzenrichter Weg - blieben Vision. Dazu zählt der von ihm entworfene Abatay-Tower auf dem Areal des Josefshauses.

Doch Schreml, der Tausendsassa und Non-Konformist, der sich einst in die Weltrangliste der Marathon- und Extremlangläufer (100 Kilometer) lief, hat beruflich eine exzellente Bilanz vorzuweisen. Gerne erinnerte er an die rund 700 "Bauaufgaben", die er realisieren konnte. Über Jahrzehnte setzte er dabei in Weiden und der Region, in Nürnberg, Mannheim, Düsseldorf, Dortmund, Münster und Köln oder auch in Südindien architektonische Zeichen. Er plante Wohnhäuser und Reihenhaus-Siedlungen, Möbelhäuser, Banken, Versicherungsbüros, Geschäftshäuser, Altenheime, Schulen, Kapellen. Typisch für seine Handschrift ist das Kinderhaus Tohuwabohu. Er gönnte sich den Luxus, "anders" bauen zu wollen, zeigte sich dabei durchsetzungsstark gegenüber seinen Bauherren und den Genehmigungsbehörden. Er verstand es auch - wie etwa beim Wöhrl-Bau am Unteren Markt - tragfähige Kompromisse mit dem Landesamt für Denkmalpflege zu finden.

Nach dem Studienabschluss und Diplom an der TU München (1962) machte sich Schreml bereits 1966 selbstständig, beschäftigte in zeitweise zwei Büros bis zu 20 Mitarbeiter. 30 Jahre später nahm er sich die Freiheit, Büro und die Verantwortung für die Beschäftigten aufzugeben. Und hatte dann als "freischaffender Rentner mehr interessante Planungsaufträge als je zuvor", wie er oft behauptete. Sein fachliches Urteil war vielfach als Preisrichter und Preisgerichtsvorsitzender gefragt.

Aus erster Ehe mit vier Kindern gesegnet, heiratete Heiner Schreml im Jahr 2000 seine 39 Jahre jüngere Partnerin und genoss die Rolle als zweifacher "später Vater". Die Verabschiedung fand im Kreis der Familie statt.

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