Der Ortstermin des Bauausschusses an der Ecke Moosloh-/Peuerlstraße erregt am Donnerstagnachmittag bei vorbeikommenden Autofahrern und Radlern große Aufmerksamkeit. Das ist doch mein Nachbar, der hier gerade mit dem Bürgermeister diskutiert? Und die daneben wohnt doch auch gleich um die Ecke. In der Tat: Zahlreiche Anwohner aus den Vierteln Rehbühl und Mooslohe sind beim Ortstermin vertreten. Ihre Angst: Der Rehmühlbach, der zu ihrem Quartier gehört wie der Kirchturm von St. Elisabeth, wird zugeschüttet.
Grund dafür ist auch ein Schreiben, das ein Anwohner der Behaimstraße Tage zuvor in Briefkästen verteilt hat. Darin wird Widerstand bis hin zur Gründung einer Bürgerinitiative angekündigt. Als sich die Diskussion eine halbe Stunde später im Rathaus fortsetzt, wird eines deutlich: So weit ist es noch längst nicht, ausgeschlossen ist jedoch nichts. Und auch das steht wohl fest: Viel mehr Wasser als jetzt wird der Bach nie mehr führen.
Zum Hintergrund: Im Wald nördlich der Standortschießanlage tief im Weidener Westen lebt eine 10 bis 15 Tiere starke Biberfamilie. Ihre Dämme an der Schweinnaab, kurz vor der Ausleitung des Rehmühlbachs, graben dem Bach das Wasser ab. Zwar führt er ab dem Wehr an der Ausleitungsstelle bis zum Girglbrückerl weiter stadteinwärts noch ein bisschen Wasser – bis die Wohnbebauung beginnt, ist es allerdings versickert. Das Bachbett wuchert zu, statt Frösche und Libellen macht sich Unkraut breit. Eine Gießkanne zur eigenen Gartenbewässerung kann schon lange keiner mehr aus dem Rinnsal schöpfen.
So weit der sichtbare Teil des Problems. Ab der Kettelerstraße bis zur Einmündung in den Stadtmühlbach in der Leibnizstraße verläuft der Rehmühlbach unterirdisch durch Rohre. Deren Zustand ist marode, sie sind sanierungsbedürftig.
Der Biber ist bekanntlich streng geschützt. Anwohner stellen Fragen: Wie wäre es, wenn die Stadt ständig einen Durchlass im Biberdamm offenhält? Einer hat gehört, dass Biberdämme eingerissen werden dürfen, so lange es von Hand geschieht und nicht schweres Gerät verwendet wird. Ist das richtig?
Biber unantastbar
Mit dem Biber wäre das Problem zwar vermeintlich an der Wurzel gepackt, es sei jedoch sinnlos, sich mit dem schlauen Nager anzulegen, warnt Ingenieur Günter Schwab vom Fachbüro Zwick. So schnell, wie der Biber alles wieder zubaue, könne kein Mensch und keine Behörde hinterherkommen. Obendrein stellt die Stadt auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien klar: Ohne Sondergenehmigung darf in Bayern kein Biberdamm entfernt oder verändert werden. Punkt.
Otto Schindler, dessen Familie viele Jahre eine Mühle und ein Sägewerk an der Peuerlstraße betrieben hat, sieht im Biber nicht einmal den Hauptschuldigen, sondern: „Die Tiefbrunnen der Steinwaldgruppe saugen uns das Wasser weg, uns bleibt nur das Oberflächenwasser.“
Daran wird sich mit zunehmend trockenerem Klima wohl nichts ändern. Aus diesem Grund hat die Stadt vor einiger Zeit die Zwick-Ingenieure beauftragt, nach einer Lösung zu suchen. Günter Schwab und Manuel Zwick schlagen drei mögliche Szenarien vor:
- Variante I: Der bisherige Verlauf des Rehmühlbachs vom Wald bis zur Einmündung in den Stadtmühlbach bleibt erhalten. Die Bachverrohrung ab dem Gewerbegebiet Drehscheibe wird saniert. Das kostet 2 bis 2,2 Millionen Euro und ist die mit Abstand teuerste Variante.
- Variante II: Der Rehmühlbach wird ab der Kreuzung Moosloh-/Peuerlstraße unter der Mooslohstraße hindurch zum Orthegelmühlbach umgeleitet. De facto würde der Bach an dieser Stelle abgezwickt. Der dahinter liegende, zum großen Teil verrohrte Teil würde nicht mehr gebraucht und bis zur Leibnizsstraße mit Fließbeton verfüllt. Diese Variante käme mit 1,3 Millionen Euro günstiger. Technisch ist die Sache jedoch aufwendig. Weil der Orthegelmühlbach nicht so viel Wasser aufnehmen kann, müsste im Grüngürtel, der die Mooslohstraße mit der Thermenwelt verbindet, an der Brücke über den Orthegelmühlbach ein Wehr gebaut werden, um die Unterlieger zu schützen. Zudem müssten im Bereich Ketteler- und Braunmühlstraße bis zur Einleitungsstelle in den Stadtmühlbach Hausanschlüsse der Anwohner umgebunden werden. So fließt zum Beispiel Regenwasser aus den Dachrinnen in diesem Bereich bisher unterirdisch in den Rehmühlbach. Das ist inzwischen rechtlich längst nicht mehr erlaubt. Die Stadtwerke müssten also dafür sorgen, dass dieses Wasser künftig in den städtischen Mischwasserkanal abfließt. In den einzelnen Häusern müsste dafür nicht aufgegraben werden. Die Kosten für das Umbinden würde die Stadt tragen. Dort, wo der Rehmühlbach oberirdisch verläuft, soll er in Absprache mit den Anwohnern instandgesetzt werden.
- Variante III: Der Rehmühlbach wird ab der Ausleitungsstelle aufgelassen und vor der Querung der A 93 in die Schweinnaab übergeleitet. Der Bach würde als Ableitgraben für Niederschlagswasser umgewidmet. Das wäre die radikalste Lösung, sprich das Ende des Rehmühlbachs. Sie würde aber nur rund 700 000 Euro kosten. Allerdings würde dies hohen Pflegeaufwand nach sich ziehen, weil der Bach im Siedlungsbereich kaum zugänglich ist. Das liegt auch daran, dass Anwohner sich in den vergangenen Jahrzehnten sehr „kreativ“ gezeigt haben, ihr Grundstück direkt bis zum Bachbett zu vergrößern.
Die Diskussion im Rathaus über die drei Varianten war stark von „Ja, aber“ geprägt. Ja, wir wollen etwas machen, aber was? Und wie viel kostet es? Die Sprecher kleinerer Parteien legten sich relativ zügig auf die Variante II fest, die auch die Verwaltung und Bürgermeister Lothar Höher empfehlen.
Hildegard Ziegler schloss sich für die SPD dieser Ansicht an. Ihr Parteifreund Gerald Bolleininger ist skeptischer: „Das heißt hoher bürokratischer Aufwand, und die Kosten wird uns der Finanzausschuss in den nächsten zehn Jahren nicht genehmigen. Es wäre ehrlicher gegenüber den Anwohnern, wenn wir gleich Variante III machen würden.“
In der CSU droht Streit
Höher und Baudezernent Oliver Seidel sind indes der Ansicht, dass die Stadt die Kosten auch abschnittsweise über ein einige Jahre strecken könnte. Heiner Vierling (CSU) gefällt Variante II am besten. Er glaubt jedoch wie Bolleininger, dass dazu das Geld fehlt.
Sollte die CSU auf Variante III einschwenken, droht ihr Ärger innerhalb der Partei. Denn Stadtverbandsvorsitzender Stephan Gollwitzer ist als Rehmühlbachanlieger strikt dagegen, das Gewässer aufzulassen. Als Anwohner würde er auch offen gegen die Parteilinie stimmen, sagte er gegenüber Oberpfalz-Medien. Am Ende stimmte der Ausschuss dafür, Variante II weiterzuverfolgen und „zuflussverbessernde Maßnahmen“ zu prüfen.
Der Rehmühlbach
- Von der Schweinnaab Anfang des 16. Jahrhunderts abgezweigter Wasserlauf
- Als "Stadtbach" trieb er einst die Rehmühle in der heutigen Peuerlstraße und die Braunmühle in der Innenstadt an
- Die Rehmühle wird erstmals im Dreißigjährigen Krieg 1634 in der Chronik des Weidener Bürgermeisters Jakob Schabner genannt, als die Schweden vom Rehbühl herunter Richtung Stadt zogen
- In den 1870er Jahren geht die Rehmühle an Müller Johann Schindler über; die Familie Schindler wandelte die Rehmühle in eine mit Wasserkraft betriebene Sägemühle um
- Heutige Länge etwa 4,5 Kilometer
- Quelle: Stadtarchiv Weiden














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