Weiden in der Oberpfalz
19.11.2018 - 14:39 Uhr

"Aufstehen" nach Tiefschlag

Bei den Weidener Genossen rumort es. Selbst beim Ehrenabend zum Jahresabschluss machen sie ihrem Ärger über die Parteispitze Luft. So klagt OB Seggewiß, dass die SPD Antworten auf drängende Fragen meist anderen Parteien überlasse.

Seit sechs Jahrzehnten ist Ludwig Späth (sitzend, Zweiter von links) Genosse. Die Spitzen der Weidener SPD ehrten bei der Jahresabschlussfeier ferner für 50 Jahre Zugehörigkeit (sitzend, von links) Wolf-Rüdiger Franz, Gerd Moser, Marianne Götz und Hilde Zebisch. Bild: hcz
Seit sechs Jahrzehnten ist Ludwig Späth (sitzend, Zweiter von links) Genosse. Die Spitzen der Weidener SPD ehrten bei der Jahresabschlussfeier ferner für 50 Jahre Zugehörigkeit (sitzend, von links) Wolf-Rüdiger Franz, Gerd Moser, Marianne Götz und Hilde Zebisch.

"Alte Weggefährten, treue Mitglieder der SPD-Familie" ehrten Oberbürgermeister Kurt Seggewiß, SPD-Stadtverbandsvorsitzende Sabine Zeidler, Bezirksgeschäftsführerin Gisela Birner und Fraktionsvorsitzender Roland Richter. Zur Jahresabschlussfeier hatte Zeidler zahlreiche Vertreter der SPD-Ortsvereine sowie Stadträte, Funktionäre und die zu Ehrenden in der "Almhütt'n" willkommen geheißen.

Zeidler beklagte wie später auch Seggewiß, dass die Informationspolitik der Partei "stark verbesserungswürdig" sei. Die SPD bringe Ideen ein, setze Akzente - und sei dann selbst ihr größter Kritiker. Seggewiß bemerkte dazu, dass die SPD die Antworten auf drängende Fragen meist anderen Parteien überlasse. Er erinnerte an "200 Jahre Bayerische Verfassung", "100 Jahre Ausrufung des Freistaats Bayern" und daran, dass der Name des großen Sozialdemokraten Kurt Eisner, der am 1. Januar 1919 die Kreisfreiheit Weidens unterzeichnet hatte, beim Festakt in München von Ministerpräsident Söder nicht erwähnt worden war.

Richter rief dazu auf, die Schuld für Fehler nicht bei anderen zu suchen. Am Boden liegen zu bleiben, sei nach einem verlorenen Kampf das Schlechteste. "Aufstehen" laute die Devise. Richter präsentierte die "hervorragende Bilanz der Ära Seggewiß". 62 Millionen Stadtschulden habe dieser übernommen. Jetzt - nach vielen notwendigen Investitionen in Bildung, Infrastruktur und Freizeit - steuere man auf einen Schuldenstand von nur mehr 50 Millionen zu. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten sei von 23 800 auf 28 100 gestiegen - "der höchste Stand an Beschäftigten, den es in Weiden je gab". Der OB sei "die Lokomotive der wirtschaftlichen Entwicklung der nördlichen Oberpfalz".

"Fast ein Menschenleben lang hat Ludwig Späth Höhen und Tiefen mitgemacht und dabei auch in schwierigen Zeiten nicht das rote Parteibuch zurückgegeben", würdigte Seggewiß den Jubilar, welcher der SPD 60 Jahre treu war. Er erhielt die diamantene Ehrennadel. Für 50 Jahre Treue wurden der ehemalige "Kepler"-Leiter Gerd Moser AWO-Vorsitzende Hilde Zebisch, Wolf-Rüdiger Franz, ein profunder SpVgg-Kenner seit den 60er- Jahren, und Marianne Götz, die ehemalige Personalchefin von "Hueck Folien", geehrt. Götz hatte einst den jetzigen Bürgermeister Jens Meyer in die SPD aufgenommen.

Weiterhin wären geehrt worden, waren aber verhindert: Gertrud Bock und Anna Regler (45 Jahre), Max Räth, Siegfried Windisch und Helmut Strauß (50 Jahre) sowie Adolf Tschannerl und Johann Römisch (55 Jahre). Den Festakt untermalten Sophia und Marco aus Pressath mit zünftiger Musik. Den Schlusspunkt setzte Stellvertretender Stadtverbandsvorsitzender Herbert Schmid mit dem Lied, das Kriegsgefangene aus Moskau mit nach Hause brachten: "Brüder zur Sonne, zur Freiheit".

Hilde Zebisch, die noch ihr Parteibuch von 1968 mit den Unterschriften von Größen wie Willy Brandt und Herbert Wehner vorweisen kann, sagte, sie habe sich viel geärgert über die Bundespartei, sei aber stolz auf die Leistungen im kommunalen Bereich durch Gisela Birner, Annette Karl und viele andere.

Hilde Zebisch, die ihr Parteibuch von 1968 mit den Unterschriften von Herbert Wehner und Willy Brandt vorweisen kann, hat sich sehr über die Bundespartei geärgert, ist aber stolz auf die Leistungen der SPD auf kommunaler Ebene. Bild: hcz
Hilde Zebisch, die ihr Parteibuch von 1968 mit den Unterschriften von Herbert Wehner und Willy Brandt vorweisen kann, hat sich sehr über die Bundespartei geärgert, ist aber stolz auf die Leistungen der SPD auf kommunaler Ebene.
Auch OB Kurt Seggewiß hadert mit der Bundespolitik seiner Partei. Bild: hcz
Auch OB Kurt Seggewiß hadert mit der Bundespolitik seiner Partei.
 
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