24.08.2018 - 14:28 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Ausgespielt: Holzspielhaus schließt nach 20 Jahren in Weiden

20 Jahre lang lässt Marion Müller Kinderaugen leuchten. Das hat bald ein Ende. Anfang 2019 schließt das Holzspielhaus an der Sedanstraße. Eine Entscheidung, "die schmerzt", betont die Inhaberin.

20 Jahre lang betreibt Marion Müller das Holzspielhaus - 10 Jahre davon in der Sedanstraße. Im Januar 2019 schließt sie ihren Laden.
von Julia Hammer Kontakt Profil

(juh) "Ich mache nicht wegen der NOC-Großbaustelle zu, auch wenn sie uns Kunden gekostet hat", stellt Müller klar. Am 5. Januar öffnet sie voraussichtlich die Türen des Traditionsspielwarenladens zum letzten Mal. "20 Jahre. Das ist schon eine lange Zeit. Das geht natürlich nicht spurlos an einem vorbei. Da hängt das Herz daran." Doch Müller will neue Wege gehen. "Ich wechsle auf die Herstellerseite. Ich helfe meinem Lebensgefährten künftig im Harz. Wir beliefern größere Märkte mit unseren Waren."

Leicht seien die vergangenen Jahre in Weiden nicht immer gewesen. "Das Internet wird eine immer stärkere Konkurrenz, und auch die Lage ist nicht die beste - natürlich auch jetzt durch die Baustelle." Zudem sei seit einiger Zeit eine "bedenkliche Entwicklung" zu beobachten. "Kunden fahren vermehrt in andere Städte. Hier fehlen einfach die Parkplätze", kritisiert die gelernte Pädagogin, die für die letzten Monate noch "dringend nach einer Aushilfe für den Laden" sucht.

Einen Nachfolger für die Geschäftsräume gibt es nicht, "und ich denke, den wird es so schnell auch nicht geben. Da ist die Baustelle ein großes Hindernis".Problematisch ist diese auch für Miroslaw Wuzik, Shop-Manager von "Bazooka Sports". "Mir ist klar, dass auf einer Großbaustelle gearbeitet werden muss und dass das nicht immer schön für die Anlieger ist. Aber die Art und Weise, wie mit uns umgegangen wird, ist furchtbar." Das Problem: "Wir werden über nichts informiert. Am schlimmsten war es vergangenes Jahr, als die Kreuzung vor unserem Laden gesperrt wurde. Zu der Zeit hatten wir einen Umbau geplant. Das hätten wir natürlich verschoben, wenn wir vorher gewusst hätten, dass die Sedanstraße dicht gemacht wird."

Existenzieller Kampf

Wuzik spricht von einem existenziellen Kampf. "Es gab Momente, da sind uns die Waren aus dem Regal gefallen durch die Erschütterungen auf der Baustelle. Die Frequenz der Kunden ist extrem zurück gegangen. Natürlich kommt keiner mehr, wenn er weder parken noch bequem und unkompliziert unseren Laden erreichen kann", ärgert sich der Inhaber, der das "Bazooka" seit 22 Jahren an diesem Standort betreibt.

Seit die Sedanstraße wieder geöffnet ist, habe sich die Situation ein wenig entspannt. "Aber schwer ist es immer noch. Allerdings denke ich, dass das NOC wichtig für uns sein wird, um auch wieder Kunden aus den ländlichen Gegenden nach Weiden zu holen. Viele fahren in andere Städte oder nutzen den Online-Handel. Das ist für uns fatal." Doch nicht nur der Einzelhandel leidet. "Es kommen deutlich weniger Kunden. Der Parkplatzmangel, der Lärm von der Baustelle, das schreckt ab", kritisiert Carolin Holweg, Inhaberin des Café Büttner. "Es nimmt einfach kein Ende. Wir werden seit 2017 hingehalten." Im April diesen Jahres habe sich die Lage für die Cafébetreiberin zugespitzt. Die Stadt errichtete vor ihrem Lokal einen neuen Bordstein. Viele Kunden bleiben wegen der Baustelle fern, andere entschuldigen sich bei Holweg, erklären ihr Fernbleiben damit, dass es "fast unmöglich ist, in den Laden zu kommen".

Kein Verkehrs-Konzept

Der einzige Weg habe über Bürgermeister-Prechtl-Straße und die Postgasse geführt. "Doch da gab es abgesenkte Bordsteine. Ein Problem für gehbehinderte Menschen und Rollstuhlfahrer." Im November 2015 hatte Holweg das Büttner komplett umgebaut. Sie rechnet damit, ihre Ausgaben in den Folgejahren wieder erwirtschaften zu können. "Da haben wir noch damit gerechnet, dass das NOC 2017 eröffnet." Kritisch wertet sie die künftige Verkehrssituation. "Uns liegt kein Konzept vor. Wir werden überschwemmt, wenn das NOC eröffnet und nichts geregelt ist. Ein verkehrsberuhigter Bereich wäre ideal." Tobias Sonna, Einzelhandelssprecher und selbst Geschäftsinhaber, kennt die Probleme der Ladenbesitzer. "Die ganzen Baustellen in Weiden sind eine extrem große Belastung für uns." Die Folgen: fatal. "Die Kunden meiden nicht nur die Geschäfte um die Baustellen, sie meiden die ganze Stadt. Es gibt zu wenige Parkplätze, der Lärm - viele fahren nach Bayreuth oder Nürnberg. Das belastet die Altstadt."

Vermehrt würden Kunden auf das Angebot im Internet zurückgreifen. "Das ist unkompliziert, und man muss sich nicht mit der Parkplatzsuche ärgern." Trotzdem blickt Sonna optimistisch in die Zukunft. "Das Stadtmarketing wird aktiver, um den Einzelhändlern zu helfen. Die Wirtschaftsförderung ist ein guter Ansprechpartner für uns." Und auch Marion Müller wird Weiden mit ihren Spielwaren nicht komplett verloren gehen. "Ich habe am Weihnachtsmarkt einen Stand. Damit hat vor 25 Jahren alles angefangen. So schließt sich der Kreis wieder."

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