23.03.2021 - 16:25 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Australier mit engem Bezug zu Weiden berichten: Auf Hochwasser folgen Schlangen und Mäuse

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Erst Buschbrände, dann Corona, jetzt Hochwasser. "Bei uns folgt eine Katstrophe auf die andere", berichtet das Ehepaar Hildburg und Herbert Stilp. Zwei deutschstämmige Australier, die enge Beziehungen zu Weiden pflegen.

Tagelanger Starkregen hat im Osten Australiens die schlimmsten Überschwemmungen seit Jahrzehnten ausgelöst und den Rettungskräften bei zahlreichen Einsätzen viel abverlangt.
von Jutta Porsche Kontakt Profil

Seit zwei Wochen leiden die Menschen im Südosten Australiens unter enormen Regenfällen, die verheerende Überschwemmungen ausgelöst haben. "Es ist wirklich furchtbar", berichtet Hildburg Stilp. "13.000 Menschen mussten evakuiert werden. Viele davon haben alles verloren." Die 76-Jährige und ihr Mann Herbert Stilp (82) – der gebürtige Weidener ist mit 19 Jahren nach Down Under ausgewandert – sind glücklicherweise nur von kleineren Unannehmlichkeiten betroffen. "Bei uns im Garten läuft man wie auf einem Schwamm", erzählt Hildburg Stilp. Doch von Überschwemmungen ist ihr Haus nicht bedroht.

Damm läuft über

Kein Wunder: Das Ehepaar lebt in Wollongong, etwa 80 Kilometer südlich von Sydney, aber außerhalb der City auf einem Berg in 500 Meter Höhe. "Wenn wir überschwemmt werden, ist ganz Australien unter Wasser", sagt die 76-Jährige. Außerdem gebe es in der Umgebung nur kleine Bäche. Ganz anders sei dagegen die Lage in Sydney. Dort sei der Damm übergelaufen. Die vielen Flüsse zwischen Sydney und Brisbane haben nur niedere Ufer. Das Wasser tritt also schnell über und führt zusammen mit dem Regen zur Katastrophe.

Ganz New South Wales und seit kurzem auch Queensland sind davon betroffen. Das sind enorme Flächen. Etwa 10 Millionen Einwohner haben mit den Überschwemmungen zu kämpfen, berichtet Hildburg Stilp. "Allein Sydney hat fünf Millionen Einwohner, ganz Australien zählt 24 Millionen." Gemeinsam mit ihrem Mann verfolgt sie aufmerksam die Nachrichten in Rundfunk und Fernsehen.

Wasser reißt Haus und Hund mit

Die Schicksale gehen der 76-Jährigen direkt ans Herz. "Die Wassermassen haben enorme Kraft. Ganze Häuser sind davon geschwommen. Auch das von einem jungen Paar, das am Wochenende heiraten wollte", hat sie in den Nachrichten verfolgt. "In dem Haus war ihr gesamter Besitz. Sogar ihr Hund. Das ist furchtbar." Tausende von Menschen haben ihr gesamtes Hab und Gut verloren, und das, nachdem die verheerenden Buschbrände zum Jahreswechsel 2019/20 – also in Australiens Hochsommer – bereits eine ähnliche Katastrophe ausgelöst hatten. Damals kamen mehrere hundert Menschen mittelbar oder unmittelbar, zum Beispiel durch die Folgen einer Rauchvergiftung, ums Leben. Mehrere Millionen Tiere fielen den Flammen zum Opfer. Und jetzt: Unbeherrschbare Wassermassen.

Die Farmer im Inland von New South Wales hatten laut Hildburg Stilp bis vor kurzem noch unter einer langen Trockenzeit zu leiden. Anfangs hätten sie sich deshalb über den Regen gefreut. Doch nun: Die Felder sind überschwemmt, zahlreiche Rinder ertrunken. Viele Häuser in den betroffenen Gebieten werden von Mäusen, Schlangen oder Spinnen heimgesucht, die einen trockenen Unterschlupf suchen, heißt es in den Nachrichtensendungen. "Eine Frau hat erzählt, ihr Haus war voller Mäuse als sie zurückkam. Eine Maus ist ihr sogar in den Nacken gesprungen. Das war grausam. Die Mäuse knabbern alles an, auch in den Autos." Andere berichteten über eine Spinnenplage oder dass sich Schlangen bei ihnen verkrochen haben. "Höchste Zeit, dass die Katastrophen ein Ende haben."

Doch ein Ende ist nicht in Sicht. "Der Sommer war miserabel. Wir hatten keinen richtigen Frühling. Und jetzt haben wir auch noch El Niño, was viel Regen mit sich bringt. Das wurde schon lange vorhergesagt." Die Wetterprognosen klingen zwar positiv, doch das ist trügerisch, weiß die 76-Jährige. "Morgen sollen wir Sonnenschein und 27 Grad bekommen. Das ist kaum vorstellbar, aber auch nicht gut. Dann zieht die Feuchtigkeit nach oben und es gibt noch mehr Regen." Der einzige Trost für das Ehepaar: Bisher sind weder Verwandte noch Freunde betroffen.

Die durch die Buschfeuer gebeutelte Tourismusbranche habe jetzt ein neues Problem. Und auch für Restaurants bedeuteten die Regenmassen nach den Corona-Lockdowns einen weiteren Rückschlag. Hildburg Stilp: "Corona-Kranke haben wir aktuell nicht." Sie führt das auf den strengen Lockdown in Australien zurück. Durch Verwandte und Freunde in Weiden hält sie sich über die aktuelle Lage in Deutschland auf dem Laufenden und ist bass erstaunt, dass Bundesbürger Urlaub in Mallorca machen können. "Wir dürfen nur nach Neuseeland fliegen." Dort ist Corona allerdings kaum ein Thema: Die 7-Tage-Inzidenz lag laut der weltweiten Covid-19-Statistik am Montag bei 0,6. Die für heuer geplante Deutschlandreise mit dem Ziel Weiden dagegen musste das Ehepaar canceln.

Auch bei den Buschbränden in Australien war das Ehepaar Stilp nah dran

Weiden in der Oberpfalz

Zu den ehemaligen Weidenern, die über ihr Weihnachtsfest im Ausland berichteten, zählte 2020 auch das Ehepaar Stilp

Weiden in der Oberpfalz
Hintergrund:

Zur Person: Herbert und Hildburg Stilp

  • Herbert Stilp (82): Geboren in Weiden, Kfz-Mechaniker-Lehre bei Ford Zwack
  • 1958 im Alter von 19 Jahren Auswanderung nach Australien
  • 1969 Übernahme einer Autowerkstatt mit Tankstelle in Wollongong, die er inzwischen zusammen mit seinem Sohn Raimund führt. Der 82-Jährige unterhält enge Beziehungen zu seinem in Weiden lebenden ältesten Bruder und zu Freunden in der Max-Reger-Stadt.
  • Hildburg Stilp (76): Geboren in Wilhemshaven. Nach Abschluss der Schule Auswanderung nach Australien. In New South Wales lernte sie Herbert Stilp kennen, sie heirateten. Das Ehepaar hat drei Söhne und fünf Enkelkinder.

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