12.08.2020 - 16:49 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Baden im Weiher: Wasserwacht warnt vor Leichtsinn

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Der Hitzesommer bringt die Oberpfälzer zum Schwitzen. Die Weiher in der Region sind deshalb heiß begehrt. Die örtlichen Wasserwacht-Vorsitzenden warnen vor Leichtsinn - vor allem in unbeaufsichtigten Gewässern.

Die Badesaison am Freizeitsee Dießfurt hat begonnen.
von Vanessa Lutz Kontakt Profil

Wegen der Corona-Pandemie heißt es heuer: Urlaub daheim. Das hatte Ministerpräsident Markus Söder mehrfach in seinen Reden betont. Und das hat die örtlichen Wasserwachten aufhorchen lassen. "Nach dem Satz haben wir uns auf viel Arbeit eingestellt", sagt Max-Ferdinand Kreuzer, Vorstand des Wasserwacht-Kreisverbandes Weiden und Neustadt. Er ist verantwortlich für die insgesamt neun Ortsgruppen in der Region.

Wie erwartet herrsche ein ziemlicher Andrang an den heimischen Seen und Weiher. Doch die bisherige Bilanz erstaunt alle, so der Kreisvorstand. "Von den Unfällen her gesehen, ist es sehr ruhig in der Region." Nur zwei größere Einsätze habe er in Erinnerung: einen Badeunfall am Rußweiher in Eschenbach sowie eine Vermisstensuche in Grafenwöhr. In diversen Nachbarlandkreisen würde es da schon "chaotischer" aussehen, vor allem im Süden Bayerns. Gibt es eine Erklärung? "Vielleicht sind die Leute am Land disziplinierter", mutmaßt Kreuzer.

Bei diesem Einsatz waren die Wasserwachten vor Ort

Grafenwöhr

Dass es so ruhig ist, können die Wasserwacht-Chefs aus Weiherhammer, Neustadt und Eschenbach bestätigen. Martin Tafelmeyer, Vorsitzender der Wasserwacht Weiherhammer, sagt: "Das ist wirklich erstaunlich für das, was aktuell an den Weihern los ist." Er kenne Gewässer in der Gegend, bei denen der Zulauf "wirklich erschreckend" sei. Konkreter will er nicht werden.

"Keine falsche Sicherheit"

Die bisher wenigen Unfälle sollten aber keine falsche Sicherheit bei den Badegästen aufkommen lassen, macht Tafelmeyer klar. Denn gerade bei Weihern und Seen, bei denen es keine Badeaufsicht gibt, könne es schnell zu gefährlichen Situationen kommen. Und davon gibt es viele in der Region. In Mantel etwa oder der Dießfurter Freizeitsee. Auch am Gaisweiher in Flossenbürg gibt es keine Badeaufsicht.

Josef Ott, Vorsitzender der Wasserwacht Eschenbach/Grafenwöhr, bestätigt: "Gerade in Naturgewässern ist das Wasser trüb, die Sicht unklar." Man könne mit bloßem Auge nicht erkennen, wenn es plötzlich steil in die Tiefe geht. "Für Nichtschwimmer oder unsichere Schwimmer ist das extrem gefährlich."

Immer wieder warnt die Wasserwacht vor den Gefahren

Amberg

"Kann auch nicht gut ausgehen"

Großes Problem seien vor allem zu viel Leichtsinn und Selbstüberschätzung. "Ich sehe immer wieder an Weihern Stand-up-Paddler ohne Rettungsweste", sagt Wasserwacht-Vorsitzender Wolfgang Siebert aus Neustadt. Darüber könne er nur den Kopf schütteln. "In 99,9 Prozent der Fälle geht das schon gut, aber es kann eben auch einmal nicht gut ausgehen."

Viele Schwimmer seien außerdem alleine im Wasser, schwimmen weit raus. "Das ist absolut gefährlich, wenn kein Bademeister vor Ort ist." Habe man im tiefen Wasser einen Krampf, sei man plötzlich erschöpft oder gebe es gar einen medizinischen Notfall, würde das im schlimmsten Fall niemand mitbekommen. Fatale Folgen könne das haben. "Davon abgesehen muss auch klar sein, dass es immer ein wenig dauert, bis ein Rettungswagen kommt."

Viele Leute würden diese Gefahren allerdings unterschätzen, ist Sieberts Eindruck. "Viele Schwimmer halten sich einfach nicht an die allgemein bekannten Baderegeln", weiß er - und appelliert an den gesunden Menschenverstand. "Es ist wirklich ein Wunder, dass bisher nicht mehr passiert ist."

So ist die Lage an den Weihern in der Region

Weiherhammer
Im Blickpunkt:

Die wichtigsten Baderegeln

Mithilfe von insgesamt elf Videos will das BRK auf Youtube bei der Kampagne „Bayern schwimmt 2020“ zumindest Grundlagen vermitteln, da momentan keine Schwimmkurse angeboten werden können. In den Videos werden unter anderem die allgemeinen Baderegeln vermittelt und die Grundlagen des Brustschwimmens. Die Videos ersetzen die Praxis aber nicht, machen die regionalen Wasserwacht-Vorsitzenden allerdings deutlich. Immer wieder beobachten sie leichtsinniges Verhalten in Gewässern. Hier die wichtigsten Baderegeln im Überblick:

  • Aufblasbare Schwimmhilfen bieten keine Sicherheit im Wasser
  • Nur dann baden gehen, wenn man sich wohl fühlt. Vor dem Baden abkühlen und duschen
  • Nur dann ins Wasser springen, wenn es frei und tief genug ist
  • Bewachsene und sumpfige Zonen meiden
  • Niemals mit vollem oder ganz leerem Magen ins Wasser gehen
  • Niemals sich selbst und seine Kraft überschätzen. Deshalb nicht alleine schwimmen gehen
  • Als Nichtschwimmer nur bis zum Bauch ins Wasser gehen
  • Nie um Hilfe rufen, wenn keine Gefahr besteht, aber anderen helfen, wenn sie Hilfe brauchen
  • Bei Gewitter ist Baden lebensgefährlich. Sofort das Wasser verlassen und ein festes Gebäude aufsuchen
  • Das Wasser und seine Umgebung soll sauber gehalten werden, Abfälle gehören in den Mülleimer
  • Nicht dort baden, wo Schiffe und Boote fahren

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Videos aus der Region

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