28.09.2020 - 17:19 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Banges Warten nach Corona-Abstrich: Test ohne Ergebnis

Von „schlampig“ und „verantwortungslos“ bis „perfekt organisiert“: Die Bandbreite der Kommentare von Lesern, die sich auf dem Festplatz freiwillig auf das Corona-Virus haben testen lassen, ist groß.

Nur Bestätigungscodes via SMS, die sich nicht öffnen lassen. Ein Weidener Ehepaar bekam nach bangen Tagen vom Gesundheitsamt Entwarnung, es stehe nicht auf einer "Corona-Liste". Auf die Ergebnisse aus dem Testzentrum warten beide bis heute.
von Gabi EichlProfil

Ein Weidener Ehepaar (Name der Redaktion bekannt) ist am 3. September in dem gemeinsamen Corona-Testzentrum von Landkreis und Stadt Weiden. Die Terminvereinbarung per Internet sei problemlos verlaufen, die Bestätigung des Termins mit QR-Code und ID-Nummern prompt erfolgt. Beim Testabstrich selbst, der „nur so lala“ gemacht worden sei, habe es keine Wartezeit gegeben. Bis dahin sei alles zur Zufriedenheit verlaufen, sagt das Ehepaar, das auch am selben Tag noch eine Dankeschön-Mail von EcoCare bekommt.

Innerhalb von 24 bis 36 Stunden, spätestens am zweiten Tag nach dem Abstrich sei mit der Übermittlung des Befunds per Mail zu rechnen, habe es damals auf der Internetseite des Testzentrums geheißen (https://www.ecocare.center/neustadt-weiden/). Der zweite Tag ist in diesem Fall ein Samstag. Erst am Montag, 7. September bekommt das Ehepaar am späten Vormittag eine SMS mit zwei Bestätigungscodes, die jedoch nicht zu öffnen sind.

Testzentrum nimmt Arbeit auf

Weiden in der Oberpfalz

Das Ehepaar wird unruhig angesichts der fehlenden Untersuchungsergebnisse. Unter den Telefonnummern von EcoCare und Ecolog hebt niemand ab. EcoCare ist eine Marke der Firma Ecolog, die von der Bundesregierung mit den Massentests beauftragt wurde. Auch bei der Stadtverwaltung und dem Gesundheitsamt hat das Ehepaar an diesem Tag kein Glück mehr. Am Abend kurz nach 19 Uhr erhält das Ehepaar auf eine E-Mail an EcoCare zur Antwort einen der beiden Codes erneut als SMS auf das Smartphone; der Code lässt sich aber auch diesmal nicht öffnen.

Am nächsten Tag, am Dienstag, 8. September ruft das Ehepaar in seiner Not bei der Corona-Hotline der Staatsregierung an. Dort verweist man auf die Zuständigkeit der Stadt Weiden. Die Stadt wiederum weist das Ehepaar, das sich inzwischen an Valentins Buchbinder Wanninger erinnert fühlt, auf die Zuständigkeit der Firma Ecolog hin. Dort erreicht das Ehepaar eigenen Angaben zufolge nach wiederholtem Anrufen „eine Dame mit starkem Akzent“; beim Versuch der Datenübermittlung sei die Telefonverbindung dann so schlecht geworden, dass keine Verständigung mehr möglich gewesen sei. Ein Testergebnis gibt es auch an diesem Tag nicht mehr.

Am Mittwochvormittag, 10. September ein erneuter Versuch beim Gesundheitsamt: Dort gibt schließlich eine „nette Dame“ Entwarnung. Das Ehepaar stehe nicht auf einer „Corona-Liste“, heißt es.

Ein Testergebnis von Ecolog hat das Ehepaar bis heute nicht bekommen. „Schlampig und verantwortungslos“ bezeichnen beide die Arbeitsweise des Testzentrums.

Großes Lob dagegen kommt von dem Weidener Nervenarzt Dr. Gerd Galle. Dieser hat sich, wie er schildert, nach einer Auslandsreise zunächst an der Autobahn bei Kiefersfelden testen lassen und neun Tage später am Festplatz in Weiden.

„Der Ablauf war jeweils perfekt organisiert“, so Galle. Das Testergebnis habe er in beiden Fällen nach weniger als 48 Stunden erhalten. Der Arzt spricht von einer „großartigen logistischen Leistung, so einen Service zu organisieren“. Und er zeigt Verständnis für Pannen: „Dass es in Einzelfällen nicht optimal läuft, ist bei dem massenhaften Anfall von Tests verständlich, zumal die Organisation dieses Services Neuland ist und dieser sehr eilig aufgebaut werden musste.“ Es sei in jedem Fall eine „großartige Leistung unseres Sozialstaates, so einen Service, zumal zum Nulltarif, anzubieten“.

Auch der stellvertretende Pressesprecher des Landratsamtes Neustadt/WN, Marcel Weidner, bittet um Verständnis, sollte es einmal zu Verzögerungen bei der Übermittlung der Testergebnisse kommen. Im Durchschnitt würden im Testzentrum täglich mehr als hundert Abstriche gemacht.

Im Regelfall liege binnen 36 Stunden das Testergebnis aus dem Labor vor und es dauere dann noch einmal 12 Stunden, bis die Ergebnisse übermittelt seien. Möglicherweise hätten einige Getestete mit noch schnelleren Ergebnissen gerechnet.

Aus Sicht des Landratsamtes verliefen Anmeldung, Testung und Übermittlung der Daten reibungslos, es seien „keine groben Vorwürfe gegen Ecolog bekannt geworden“.

Probleme könne man auch nicht unbedingt Ecolog anlasten, sie seien vielmehr der Situation geschuldet, dass im Moment in ganz Bayern sehr viele Corona-Tests ausgewertet werden müssten und die Labore an der Belastungsgrenze arbeiteten, so Weidner.

Die Firma Ecolog selbst hat auch auf eine erneute Anfrage der Oberpfalz-Medien nicht geantwortet.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.