15.11.2019 - 12:49 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Wie barrierefrei ist die Altstadt in Weiden?

Im Jahr 2007 saß der damalige Oberbürgermeister-Kandidat Kurt Seggewiß im Rollstuhl. Freiwillig. Er wollte mitfühlen, wie schwierig das Fortkommen für Menschen mit Behinderung oft ist. Seitdem ist die Barrierefreiheit immer wieder Thema.

Das Untere Tor ist inzwischen auch für Rollstuhlfahrer gut befahrbar. Barrierefreiheit war das Thema einer neuen Veranstaltungsreihe der SPD: "VISION 2026-Jens Meyer und Fraktion für Sie vor Ort."
von Volker Klitzing Kontakt Profil

So auch zum Auftakt der neuen SPD-Veranstaltungsreihe „VISION 2026 – Jens Meyer und Fraktion für Sie vor Ort“. Erstes Thema war „Die Wir-halten-zusammen-Stadt: Barrierefreiheit im öffentlichen Raum“. Treff war das Untere Tor, wo die schwer zu begehenden und noch schwerer zu berollenden „Katzenköpfe“ wie an anderen Zugängen zur Altstadt und in Teilen der Gassen entfernt und durch gesägten Granit ersetzt worden sind.

Hilfe oder Stigmatisierung?

Beim Termin am Mittwochabend mit dabei war auch der langjährige städtische Behindertenbeauftragte Alexander Grundler. Der weiß, wovon er beim Thema „Barrierefreiheit“ spricht. Er sitzt selbst im Rollstuhl. Aber nicht freiwillig. Er verwies darauf, dass es auch unter Menschen mit Behinderung unterschiedliche Ansätze für den Abbau von Barrieren gibt.

So bezeichnen manche gut befahrbare Rollstuhlstreifen durch die Stadt als Nonplusultra, andere lehnen sie als stigmatisierend ab, wie Baudezernent Oliver Seidel ergänzte. Problematisch ist auch, wo solche Wege führen sollen, in der Straßenmitte oder vor den Geschäften, wo viele Hindernisse im Weg stehen.

Lift-Lösung ist sehr teuer

Unterschiedliche Meinungen gibt es zudem zum Alten Rathaus, wo Rollstuhlfahrer von der Möglichkeit, sich trauen zu lassen oder ein Konzert zu hören, bisher ausgeschlossen sind. Die Kosten für den Lift-Einbau wären enorm und riefen den Denkmalschutz auf den Plan. Beim Neuen Rathaus sind inzwischen zwei barrierfreie Zugänge und passende Aufzüge geschaffen worden. Einig waren sich alle Teilnehmer bei einem Dauerbrenner, den Josef Rewitzer vom VdK ansprach: den barrierefreien Ausbau des Bahnhofs, für den allerdings die Bahn zuständig sei. Hier müsse endlich mal gehandelt werden.

Weg mit allen Bordsteinen

Dagegen stellte Bürgermeister Meyer etliche Erfolge der vergangenen Jahre vor. Neben den bereits erwähnten Verbesserungen nannte er die Berücksichtigung der Barrierefreiheit bei Neubauten der Stadtbau, die barrierefreien Bauten FOS/BOS und Wittgartendurchstich mit nur drei Prozent Gefälle und Steigung, die Nachrüstung des ÖPNV mit Rollstuhlrampen sowie die Errichtung von Querungshilfen und Bordsteinabsenkungen. Diese werden von Menschen mit Behinderung besonders begrüßt. Optimal wäre sogar der völlige Verzicht auf Bordsteine, also geteilter Raum oder im Fachjargon „Shared Space“.

Was noch fehlt, ist etwa ein Konzept für Barrierefreiheit in der Innenstadt, die Nachrüstung von Aufzügen in städtischen Liegenschaften, von Computer-Arbeitsplätzen für seh- und hörbehinderte Beschäftigte oder Schüler sowie mehr Behindertentoiletten, so etwa am Stadtfriedhof.

Hier hilft die Interessengemeinschaft Barrierefrei Leben weiter

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