20.08.2018 - 10:47 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Barrierefrei in die Kirche

Das Steinpflaster rund um die Michaelskirche ist über die Jahre buckelig geworden und eine Stolperfalle für Fußgänger. Die evangelische Kirchengemeinde plant für 2019 die Sanierung.

Pfarrer Hans-Martin Meuß zeigt auf eine der Absenkungen im Steinpflaster.
von Stephanie Hladik Kontakt Profil

(shl) Das Projekt braucht einen langen Atem und genügend finanzielle Mittel, weiß Pfarrer Hans-Martin Meuß. Gemeinsam mit dem Bauausschuss von St. Michael will er es bald angehen. "Es muss einfach etwas gemacht werden. Der Platz rund um die Kirche ist in einem erbärmlichen Zustand und eine Gefahrenquelle für Fußgänger." Im Gespräch mit Oberpfalz-Medien erzählt Meuß, wie die Planungen für die Neugestaltung des historischen Bodenbelags und darüberhinaus aussehen könnten. Der 55-Jährige ist seit 13 Jahren Pfarrer in Weiden. "Zu meiner Berufsbiografie kann ich, wenn alles gut geht, dann auch eine Kirchplatzierungsanierung hinzufügen."

ONETZ: Was ist denn das Problem des Kirchplatzes?

Hans-Martin Meuß: Im Pflaster haben sich über die Jahrzehnte Absenkungen und Verwerfungen gebildet. Die vor über 150 Jahren verlegten Flusskiesel sind locker und brechen leicht. Der Plattenweg um die Kirche ist unansehnlich geworden, die Gehsteigkante ein Hindernis vor allem für gehbehinderte Menschen, für Kinderwagen oder Rollatoren. Auch der Durchgang vom Pfarr- zum Kirchplatz ist nicht barrierefrei.

ONETZ: Ist eine Sanierung möglich?

Hans-Martin Meuß: Es gibt zwei Ansätze. Bei der ersten Variante wird das vorhandene Pflaster so hergerichtet, dass es auch wieder dem Wetter standhält. Wir wollen schließlich nicht in zehn Jahren wieder sanieren müssen. Beim Belag haben wir auch an verschieden gestaltete Flächen gedacht. Auch der Bereich vor dem Haupteingang soll umgestaltet werden. Er spielt vor allem bei Hochzeiten, Konfirmationen oder anderen Feiern als Sammelpunkt eine wichtige Rolle.

ONETZ: Und Variante zwei?

Hans-Martin Meuß: Da könnten wir uns in Absprache mit der Stadt und den Vorstellungen der Denkmalpflege eine Angleichung an den Pflasterbelag der Altstadt vorstellen. Die Idee ist, die Kirche mehr in die Umgebung einzubinden. Sie ist schließlich das Zentrum der Altstadt. Der ganze Platz soll fußgängergerecht gestaltet werden.

ONETZ: Bestimmt gibt es jetzt viel zu organisieren?

Hans-Martin Meuß: Oh ja, wir hatten seit Anfang des Jahres einige Bauausschussitzungen, Expertengespräche mit Architekten, der Stadt und dem Denkmalschutz, und auch bereits ein Anwohnertreffen. Das verlief sehr angenehm. Uns ist wichtig, dass wir die Anwohner als Partner von Anfang an mit ins Boot holen. Sie profitieren auch von der Tiefbaumaßnahme. Auf der Südseite der Kirche sind zwischen der Häuserzeile "Am Stock" und der Kirchenmauer die Abwasserrohre und Telekom-Leitungen verlegt. Wenn schon mal aufgebaggert wird, könnten die Anlieger gleich notwendige Bauarbeiten mit durchführen lassen.

ONETZ: Die Anlieger nutzen diesen Bereich auch zum Parken. Soll das so bleiben?

Hans-Martin Meuß: Das diskutieren wir noch. Die dortigen Geschäftsleute und Anwohner müssen natürlich Be- und Entladen können. Längeres Parken will die Kirche künftig jedoch verbieten.

ONETZ: Weil die Autos auch das Pflaster beschädigen?

Hans-Martin Meuß: Nein, die Autos sind nicht Ursache der Vertiefungen. Aber fürs neue Gesamtbild des Platzes wäre es natürlich schön, wenn die Fahrzeuge draußen blieben.

ONETZ: Der Kirchplatz weist ja teilweise ganz schön tiefe Löcher auf.

Hans-Martin Meuß: Ja, die haben sich über Jahre gebildet. Erstaunlicherweise sind die Vertiefungen fast alle kreisrund. Bei näherer Untersuchung fanden sich ähnliche Stellen in den umliegenden Häusern. Die Experten mutmaßen, dass die "Löcher" mit unterirdischen Wasserläufen zu tun haben. Näheres werden wir wohl erst erfahren, wenn bei der Baumaßnahme aufgegraben wird. Dann sehen wir, welche verschiedenen Erdschichten vorhanden sind.

ONETZ: Gab es bereits Grabungen im Vorfeld?

Hans-Martin Meuß: Wir haben im Frühjahr auf der Nordseite beim Alten Schulhaus und direkt am Fundament der Michaelskirche sogenannte "Schürfungen" durchführen lassen. Auch deshalb, da ja unter dem Platz der alte Friedhof liegt. Die Grabungen gingen bis rund 80 Zentimeter in die Tiefe. Bei der Kirche stießen wir auf die Fundamentsteine. Gebeine haben wir aber keine gefunden.

ONETZ: Wie geht es mit den Planungen weiter?

Hans-Martin Meuß: Als nächstes werden die vom Bauauschuss ausgearbeiteten Ideen dem Kirchenvorstand vorgestellt. Dann wird es eine Gemeindeversammlung geben.

ONETZ: Und wann soll Baubeginn sein?

Hans-Martin Meuß: 2019 soll´s losgehen. Bis dahin muss natürlich auch die Fianzierung stehen. Die evangelische Kirchengemeinde muss einen erheblichen Eigenanteil stemmen. Doch wir hoffen auch auf Fördergelder und Spenden.

Info:

Die runden Pflastersteine auf dem Kirchplatz um die evangelische Michaelskirche sind ein Hingucker. „Das sind Flusskiesel. 1862 wurde der Platz angelegt“, sagt Petra Vorsatz vom Stadtarchiv auf Nachfrage. Relativ robust und farblich ansprechend, werden Flusskiesel auch heute noch gerne in Städten als repräsentativer Pflasterbelag verlegt. Bevorzugt in historischen Altstadtgassen. „1910 wurde der Kirchplatz instandgesetzt“, weiß Vorsatz.

Damals seien auch die Gehsteige rund um die Kirche angelegt worden. Ihr Belag ist aus Steinfelser Platten. Nördlich der Kirche, an der Häuserzeile „Am Stock“, lägen Klinkerplatten. „Dieser Bereich“, so Vorsatz, „ist etwas ganz Besonderes“. Es sei die einzige Gebäudezeile in der Weidener Altstadt ohne Nebengebäude und Schupfen. Warum das so ist? Die Stadtarchivarin kann es nur vermuten. „Vielleicht liegt es daran, weil diese Häuser in früherer Zeit direkt an den städtischen Friedhof rund um die Kirche grenzten.“ 1543 wurde der Friedhof aufgelöst und ein neuer dort angelegt, wo sich heute die Stadtsparkasse befindet.

Bei Stadtführungen erinnert Vorsatz gerne an die alte Friedhofskapelle (Beinhaus), deren Eingang heute zu einem griechischen Lokal gehört. Vor dem Kirchturm erinnert ein eingelassener Stein im Boden mit der Jahreszahl „1759“ an eine Tragödie. Hier landete morgens um zwei Uhr am 8. März jenes Jahres die große Glocke. Der alte Turm stürzte in dieser Nacht ein und begrub den Türmer und seine beiden Gehilfen. (shl)

Wenn es nach dem Willen der Kirchengemeinde geht werden die parkenden Autos vom Kirchumgang verbannt.

Nicht barrierefrei ist der Durchgang vom Pfarrplatz zum Kirchplatz. Auch das soll sich ändern.

Vor über 150 Jahren wurde das Pflaster rund um die Michaelskirche verlegt. Damals wurden Flusskiesel verwendet.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Nachrichten per WhatsApp