24.01.2020 - 16:41 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Beängstigend gute Stimmung bei AfD

"Jeder kann lesen", stellt Roland Magerl fest. Deshalb erspart er sich und den 86 AfDlern eine weitere Erläuterung des "Weidener Wahlprogramms". Einige Pünktchen nehmen sich die drei Weidener Spitzenkandidaten der AfD dann aber doch vor.

Roland Magerl bei der Einführung in die Programm-Vorstellung.
von Josef-Johann Wieder Kontakt Profil

Während die Gegendemonstranten von "Die Linke", angeführt von ihrem OB-Kandidaten Ali Zant, im kalten Wind stehen, genießen die AfDler in Sichtweite die warme Küche im Gasthaus "Zum Alten Schuster". Und dort herrscht angesichts des vollen Hauses eine geradezu beängstigend gute Stimmung. Gruß- und wortlos passieren die AfDler die Reihe der Gegendemonstranten. Die Polizei garantiert, dass Reibereien ausbleiben.

AfD-Kreischef, Landtagsabgeordneter Roland Magerl lädt zunächst zur Gymnastik: Er ruft die Kandidaten aus Mantel und Floß sowie die Kreis- und Stadtratskandidaten auf, die sich winkend den Parteimitgliedern aus der nördlichen Oberpfalz präsentieren dürfen.

Eine Plage

Die erst 21-jährige AfD-Stadtratskandidatin Ewa-Nellina Marino macht sich bei ihrer Vorstellung über die Gegendemonstranten, über "Ali Zant und seine selbst ernannte Festgemeinde" lustig: "Ägypten hatte die sieben Plagen, Bayern den Brandner Kaspar und wir haben unseren Ali Zant."

Sich selbst sieht die Politikwissenschaftsstudentin als besten Beweis, dass die "AfD weder böse noch braun" sei. "Ich steh' hier. Ich mit Migrationshintergrund." Aus dem 20-seitigen Wahlprogramm pickt sie sich einige Themen heraus, erläutert die Vorstellungen zu Schulen (sanieren, Kepler-Gymnasium evtl. auch neu bauen), Kindergartenbetreuung, Tier- und Klimaschutz, verweist auf die "blonde Gretel", die ihr täglich als "Klima-Nostradamus entgegenspringt". Sie plädiert dafür, endlich zwischen Umweltschutz und Klima-Hysterie zu unterscheiden. Und sie erhält den stärksten Beifall des Abends, als sie betont: "Uns ernähren die Bauern mit ihrer Arbeit und nicht die PV-Anlagen auf ihren Feldern."

Kritik an "Altparteien"

Michael Panhans, 54-jähriger Bau-Ingenieur, gebürtiger Sachse, seit 20 Jahren in der Oberpfalz, ist überzeugt, dass er es als "Nummer drei" auf der Liste in den Weidener Stadtrat schafft. Um etwas Sinnvolles zu erreichen, reiche es nicht, konservativ zu wählen. "Die sind zu weit nach links gewandert. Wer uns heute wählt, hat vor 20 Jahren CSU gewählt." Die Konservativen seien für die Überreglementierung verantwortlich - auch im Bauwesen. Gerade dort sowie in der Verkehrspolitik seien neue Wege nötig: "Weiden braucht Bauland, Weiden braucht den sozialen Wohnungsbau."

Wegen der "Arroganz und Hirnlosigkeit der Altparteien" sei er zur AfD gekommen, betont Manfred Schiller. Der 57-jährige Kaufmann, der ein Elektrofachgeschäft in Weiden betreibt, ist die Nummer eins auf der Stadtratsliste. Er möchte die Gewerbesteuer durch eine kommunale Unternehmenssteuer ersetzen, fordert die Stärkung von Tourismus, Handel und Handwerk, die Förderung der Vereine. Und er will in den Stadtrat, damit das wichtige Gewerbegebiet West IV "endlich in die Puschen kommt".

Die Spitzenkandidaten (von links) Roland Magerl und Stefan Löw für den Kreistag sowie Michael Panhans, Ewa-Nellina Morino und Manfred Schiller für den Weidener Stadtrat.
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Stark gewachsen

Kreisvorsitzender und Landtagsabgeordneter Roland Magerl sieht die AfD in der Nordoberpfalz auf einer Erfolgswelle. Der Kreisverband Weiden (einschließlich der Landkreise Neustadt und Tirschenreuth), im April 2014 gegründet, zählt 141 Mitglieder. Davon wiederum wohnen 49 in der Stadt Weiden und bilden damit den Ortsverband. Bei der Eröffnung des Bürgerbüros baten weitere acht Gäste um die Aufnahme in die Partei. „Die Verfahren sind angelaufen“, so Magerl.

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Bürgerentscheid vor dem Bau weiterer Moscheen

Als bürgernah und umsetzbar rühmt Roland Magerl das „Weidener Wahlprogramm“ der AfD, das dann jedoch mit der Forderung nach Einhaltung des „Subsidaritätsprinzips“ startet. Kaum überraschend für AfD-Kenner ist deren Einschätzung, dass „Organisationen wie ,Weiden ist bunt’ oder ,Demokratie leben’ politisch nicht neutral“ seien, sondern „diffamieren, stigmatisieren und die Bürger indoktrinieren“. Auch im Programm: Vor dem Bau weiterer Moscheen in Weiden sei ein Bürgerentscheid nötig. Die Genehmigung von Minaretten, anderen islamischen Stilformen oder Muezzin-Rufen sei von der AfD zu verhindern.

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