19.07.2021 - 16:31 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Belastetes Baumaterial: Baustopp bei Kunstrasenplätzen in Weiden

Es tut sich nichts mehr auf der Baustelle nahe des Stadions der SpVgg SV Weiden. Die beiden Kunstrasenplätze hätten bereits fertig sein sollen, doch nun ist Baustopp. Der Grund: belastetes Material im Boden.

Hier entstehen die beiden Kunstrasenplätze für die SpVgg SV Weiden. Eine Luftaufnahme aus dem Juli 2021.
von Matthias Schecklmann Kontakt Profil

Bereits Ende Juni hätte die erweiterte Anlage in nördlicher Nachbarschaft zum Stadion der SpVgg SV Weiden fertig sein sollen. Doch es herrscht kein Betrieb auf der Baustelle, wo zwei neue Kunstrasenplätze entstehen sollen. Denn wie die Stadt Weiden auf Anfrage von Oberpfalz-Medien bestätigt, gibt es seit dem 18. Juni 2021 einen Baustopp. Grund ist belastetes Material, das in den Boden eingebracht worden ist. „Der Baustopp wurde wegen geogener (also in der Natur vorkommender) Verunreinigungen im verwendeten Schotter verhängt“, lautet die Erklärung der Stadt.

Der Baustopp galt zunächst für das gesamte Vorhaben, wurde dann aber auf die Bereiche Kunstrasenplatz und Wegebau beschränkt. „Stichprobenartige Voruntersuchungen im Mai ergaben, dass auf dem Gelände geogen mit Arsen belastetes Schottermaterial eingebracht worden ist“, teilt die Pressestelle der Stadt mit.

Zu hohe Arsen-Werte

Daraufhin wurde die Entnahme von Bodenproben veranlasst. Diese wurden auf die in der Voruntersuchung auffälligen Parameter Arsen geprüft sowie die übrigen Metalle analysiert. „Für Arsen wurden durchgehend deutlich über den geltenden Hilfswerten liegende Werte gemessen, betreffend der anderen untersuchten Parameter wurden keine Werte mit Emissionspotential festgestellt“, heißt es in der Auskunft der Stadt. Eine unmittelbare Gefahr bestehe bisher nicht. Nach den bisherigen Untersuchungen sei im Bezug auf das Grundwasser ein Emissionspotenzial für Arsen nachgewiesen worden. Ein Gefahrenverdacht habe sich (noch) nicht bestätigt.

Maßnahmen notwendig

Die Fertigstellung der Kunstrasenplätze, deren Bau mit einem Förderzuschuss der Stadt unterstützt wird, hängt damit in der Luft. Zunächst müsse nun das Wasserwirtschaftsamt eine fachliche Bewertung der Untersuchungsergebnisse und Sanierungsmaßnahmen vornehmen. „Da noch nicht abschließend geklärt ist, ob und welche Sanierungsmaßnahmen umgesetzt werden (dies ist ebenfalls abhängig von der Bestätigung des Gefahrenverdachts), kann aktuell noch nicht gesagt werden, wann die Kunstrasenplätze fertiggestellt werden“, teilt die Pressestelle mit.

Die kontaminierten Auffüllungen müssten zunächst gesichert werden. Durch eine komplette Abdeckung der eingebrachten Materialen mit wasserundurchlässigen Folien, Versiegelung der Wegeflächen mit Asphalt und im Einzelnen weiterer erforderlicher Sicherungsmaßnahmen mit begleitenden regelmäßigen Monitoringmaßnahmen soll das weitere Eindringen von Niederschlag und in Folge das Emittieren von Schadstoffen ins Grundwasser oder in die Schweinenaab verhindert werden. So sieht der Plan für die Maßnahmen derzeit aus. Aber auch andere Sanierungsmaßnahmen, wie Dekontamination durch Bodenaushub oder Abreinigung kommen in Betracht. Die Kosten dafür können laut Stadt derzeit noch nicht abgeschätzt werden und sind abhängig von der Art der Maßnahmen.

Das Gesamtprojekt wird seitens der Stadt Weiden mit einem Sportförderzuschuss unterstützt. „Für das Teilprojekt Kunstrasenplätze ist ein Anteil von 2,2 Millionen Euro vorgesehen, bewegt sich also innerhalb des gedachten Rahmens, einen Kostendeckel gab es nicht“, teilt die Stadt mit.

Zur Anlage des Vereins sollten künftig neben dem Stadion die zwei neuen Kunstrasenplätze, ein Rasenplatz sowie das bereits fertiggestellte neue Funktionsgebäude mit vier Mannschaftskabinen, zwei Umkleideräumen für Schiedsrichter, jeweils einem Arzt- und Besprechungszimmer sowie zwei Magazinen für Trainingsutensilien. Zudem erstellt der Verein einen weiteren Rasenplatz in Eigenregie. Die Rechnung für alles andere bezahlt die Stadt Weiden – rund 4 Millionen Euro. Wie berichtet, überlässt der Verein ihr im Gegenzug das rund 37 000 Quadratmeter große Gelände des SV Weiden im Stadtteil Stockerhut, damit sie Bauland ausweisen kann. Das Areal der SpVgg SV am Wasserwerk wächst derweil auf 82 000 Quadratmeter.

Folgen für Genehmigung?

Auch auf die endgültige Baugenehmigung für die beiden Kunstrasenplätze könnte die Verunreinigung des Bodens nun Auswirkungen haben. Denn die steht noch aus. „Die Baugenehmigung wurde parallel zum Bauvorhaben entwickelt, da das Bauvorhaben in seiner Art und Weise genehmigungsfähig war“, erklärt die Stadt. Eine endgültige Erteilung sei aktuell nicht möglich, da dafür unter anderem die wasserrechtliche Genehmigung für das Ableiten von Niederschlagswasser notwendig sei. „Nachträglich sind durch den Verdacht der geogenen Verunreinigung des Schottermaterials Gründe eingetreten, die sich nun im Nachgang je nach Bestätigung des Gefahrenverdachts auf die Genehmigungsfähigkeit auswirken können“, heißt es auf Nachfrage.

Verein muss Pläne umwerfen

Bis zum Baustopp sei das Projekt im Zeitplan gewesen, lediglich das Wetter und die Temperaturen hätten für Verzögerungen gesorgt. Doch nun ist das Vorhaben erstmal gestoppt. „Ja, die Fertigstellung hat sich auf unbestimmte Zeit verschoben, das ist der Stand der Dinge“, erklärt SpVgg-Vorsitzender Michael Kurz. „Wir hoffen, dass sich bald eine Einigung findet. Manche Sachen kann man einfach nicht beeinflussen.“ Der Verein hatte bereits Pläne geschmiedet. Beispielsweise sollten Jugendturniere auf den neuen Plätzen stattfinden, doch diese sind nun verschoben oder abgesagt. Der Stellungnahme der Stadt schließt sich der Vereinsvorsitzende an.

Auf die Frage, ob Unregelmäßigkeiten im Vorfeld abschätzbar waren, antwortet die Stadt knapp: „Es gab keine Anhaltspunkte für Unregelmäßigkeiten.“

Von oben gesehen: Das neue Sportzentrum der SpVgg SV Weiden

Weiden in der Oberpfalz
Info:

Bauprojekt bei der SpVgg SV Weiden

  • Sportförderzuschuss der Stadt Weiden in Höhe von 4 Millionen Euro
  • Es entstehen Kunstrasenplätze mit Zäunen, Flutlicht, Wegen sowie ein neues Funktionsgebäude mit Kabinen, Lagerräumen, WCs, Duschen
  • Außerdem Umlegung des bisherigen Fuß- und Radweges um das Gelände und den Rückbau sämtlicher Gebäude und Einrichtungen auf dem Gelände in der Stockerhut
  • Teilprojekt Kunstrasenplätze mit Anteil von 2,2 Millionen Euro
  • SpVgg SV Weiden verzichtet im Gegenzug auf auf sämtliche Rechte am Gelände in der Stockerhut, wo Bauland entstehen soll
Sportzentrum der SpVgg SV Weiden

 

 

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