25.06.2020 - 15:45 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Berliner Straße: Die Mauer ist weg

Diesen Artikel lesen Sie mit
Was ist OnetzPlus?

Winfried Prem schrieb Geschichte, als er vor 30 Jahren die Berliner Mauer schredderte. Nun lässt der Muglhofer die beiden historischen Mauerteile in der Berliner Straße in Weiden abbauen – vor Fernsehkameras

Die Mauer muss weg. Seit Mittwoch sind die beiden Reste der Berliner Mauer an der Berliner Straße verschwunden.
von Helmut KunzProfil

Von 1990 bis 1992 erfüllte Prem mit seinem Abbruchunternehmen den spektakulären Auftrag, das Symbol der deutschen Teilung vom Berliner Boden zu tilgen. Er schredderte 180.000 Tonnen Beton. Einige wenige Mauerteile brachte er mit in die Oberpfalz. 1996 lieh er dem Weidener Kunstverein zwei Segmente, die – zunächst als Beiwerk für die Literaturtage "Deutschland einig Vaterland" – für einige Jahre in der Spitalgasse standen. Dann zog das Denkmal in die Berliner Straße um. Dort wurden die Teile nach Ansicht des Besitzers stiefmütterlich behandelt, obwohl sie in Expertenkreisen ein Vermögen wert seien. „Als dann auch noch der Info-Kasten eingeschlagen wurde, hatte ich echt Bammel um die Mauerreste.“

Am Mittwoch lässt der Rentner die beiden Teile daher entfernen und an sicheren Orten wieder aufstellen: Ein Segment bekommt die Hans-Scholl-Realschule als Leihgabe, das zweite landet im Vorgarten von Prems Tochter in Altenstadt/WN. Sie ist nach der Schenkung nun die eigentliche Besitzerin der Mauerteile. Vor laufender Fernsehkamera hievt ein Autokran ein Segment in eine Nische vor der Realschule. Oberbürgermeister Jens Meyer, der die Aktion verfolgt, spricht von einer richtigen Entscheidung. „Dieses Mauerfragment ist ein Zeitzeuge und ein Mahnmal. Deshalb macht es Sinn, das Objekt vor einer Schule plastisch darzustellen.“ Als Weidener Rathauschef sei er stolz, mit Winfried Prem den Mann in seiner Stadt zu haben, der die Berliner Mauer zu Fall gebracht hat. "Er ist einer, der die Aufs und Abs des Lebens kennt."

Zwölf Drehtage für "Lebenslinien"

"Lebenslinien", für die sich auch das Bayerische Fernsehen interessiert. Eine Folge für die gleichnamige Reihe dreht die aus Amberg stammende Autorin und Regisseurin Elisabeth Mayer mit Prem. Den Tipp habe ihr im Januar bei einem Branchentreffen im Münchener "Literaturhaus" ein Weidener gegeben, und ihre Redaktion fand die Geschichte spannend. Zwölf Drehtage sind für die Produktion anberaumt. Das Team ist seit Dienstag in Weiden.

Gedreht werde aber auch vier Tage lang in Berlin, erzählt Mayer. Wie der Oberpfälzer Prem, der zum Ehrenmajor der NVA ernannt wurde, an die Abbruch-Genehmigung gekommen ist, wie er vor ehemaligen DDR-Wachsoldaten, denen er eine Brotzeit ausgab, Akkordeon spielte und wie sie dann für Abbrucharbeit an ihrer Mauer gewinnen konnte, das erfahren die Zuschauer am 9. November um 22 Uhr im dritten Programm. Ein ganzes Jahr lang wird die Prem-Story anschließend in der Mediathek des BR zu sehen sein.

Winfried Prem ärgert sich über den Zustand des Denkmals

Berliner Mauer vor dem Schulgebäude

Für die Realschule freut sich Chef Michael Meier über dieses „Stück Geschichte“. „Wir sind die Hans-Scholl-Realschule. Hans Scholl ist Teil deutscher Geschichte. Ein weiterer Teil ist die DDR-Zeit, die für viele meiner Schüler weit, weit weg ist." Alle seien weit nach 2000 geboren und könnten mit der Berliner Mauer nichts mehr anfangen." Beispiel: „Einer meiner Schüler fragte mich heute: Was ist denn das, was da kommt?“ Um so interessanter sei es, im Geschichtsunterricht vor das Schulgebäude zu treten, um den Jugendlichen die damals unüberwindbare Mauer vor Augen zu führen.

Luis Fritsch aus der 10c, erzählte den Fernsehleuten, was ihn innerlich berühre, wenn er diesen riesigen Betonklotz sehe. An der Mauer "sind viele Träume zerplatzt". Heute könne man sich das gar nicht mehr vorstellen. Und er glaube auch nicht, dass es in Deutschland noch einmal solch ein "Monstrum" geben werde. "Für viele Menschen was das schlimm." Prem sieht das Mauerteil, das wohl aus dem Kreuzberger Bezirk stamme, als sein Vermächtnis an die Jugend. „Es kommen immer wieder neue Generationen von Schülern. Und die können diesen Teil der Geschichte hier erleben.“

Das Mauerstück, das bisher an der Berliner Straße stand, wird vor der Hans-Scholl-Realschule aufgestellt. Der ehemalige Abbruch-Unternehmer Winfried Prem (Mitte) plaudert mit den Schülern.
Prominenter Baustellenbesucher:

Schulterklopfer von Prinz Charles

„Wenn Sie nicht Deutsch mit mir reden, lege ich auf.“ Auf die Idee, dass am anderen Ende der Leitung das Büro von Prinz Charles war, wäre er nie gekommen. "Ich dachte, da treibt sich einer einen Scherz mit mir." Winfried Prem ist eben ein bodenständiges Oberpfälzer Original, das im Zweifel sogar den britischen Royals die rote Karte zeigt. Natürlich kam das Treffen mit dem britischen Thronfolger in Berlin dann doch noch zustande. Und heute ist er stolz drauf. Der 71-Jährige: „Ich glaube nicht, dass es noch einen anderen Weidener gibt, dem Prinz Charles auf die Schulter geklopft hat." Im Schülerkreis der Hans-Scholl-Realschule fühlte sich der ehemalige Abbruch-Unternehmer beim Erzählen seiner Anekdoten pudelwohl. Der Royal hatte den Mann aus Muglhof damals persönlich kennenlernen wollen, weil der Unternehmer Anfang der 90-er mit englischen Brecher-Maschinen die Berliner Mauer schredderte. Für Prem war der Termin ein Erlebnis, den er sein Leben lang nicht vergessen wird. Damals war sogar das japanische Fernsehen auf den Weidener aufmerksam geworden.

Winfried Prem erzählt die Geschichte des Abrisses

"An der Mauer zerplatzten Träume." Zehntklässler Luis Fritsch (links) vertraut Regisseurin Elisabeth Mayer (rechts) seine Gefühle an.
Winfried Prem aus Muglhof steht im Mittelpunkt einer Folge aus der BR-Reihe "Lebenslinien", die am 9. November, dem Tag des Mauerfalls, ausgestrahlt wird.
Die Mauer wird versetzt.
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.