13.01.2021 - 14:23 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Berufungsprozess in Weiden: Rauschgift aus dem Darknet

Dank eines – gerade noch rechtzeitigen – Geständnisses bleibt ein Mann aus dem Landkreis Neustadt/WN trotz zahlreicher Rauschgift-Taten in Freiheit.

Die Statue Justitia ist im Amtsgericht Hannover zu sehen.
von Autor RNSProfil

Nachdem ein Mann aus dem Landkreis Neustadt/WN von Richter Reinhold Ströhle und seinen beiden Anwälten Clemens Sammet und Helmut Mörtl lange bekniet worden war, räumte er seine Taten ein. Der 39-Jährige war im September zu zweieinhalb Jahren verurteilt worden, weil er, zusammen mit einem Komplizen, im Darknet mindestens 16 Mal Drogen bestellt hatte. Gegen die Verurteilung hatte er Berufung eingelegt. Sein Komplize sei unglaubhaft, habe ihn nur „reinreiten“ wollen und sei in Wirklichkeit alleiniger Täter gewesen. Für das Amtsgericht hatten, außer der Aussage des Mittäters, noch andere Fakten eine Rolle für die Verurteilung gespielt. Der Mann aus dem Landkreis Neustadt/WN war als „Kumpel und Mit-Kiffer“ des anderen bekannt gewesen. Außerdem hatte seine Haarprobe gezeigt, dass er „massiv mit Rauschgift vollgestopft“ gewesen war.

Von Mitte 2018 bis Anfang 2019 hatten der Angeklagte und sein mittlerweile im Bezirksklinikum sitzender Freund Haschisch und Marihuana sowie in einzelnen Fällen auch Amphetamin aus dem Darknet bestellt und zuerst an die Adressen unbeteiligter Bekannter, später auch an den Ledigen selbst, liefern lassen.

Oberstaatsanwalt Bernhard Voit machte dem gelernten Schreiner in der Verhandlung klar, dass nur im Falle eines Geständnisses eine „bewährungsfähige“ Strafe – also eine Strafe bis maximal zwei Jahre – herauskommen könne. Nach langer Besprechung mit Sammet und Mörtl entschloss sich der derzeit Arbeitslose dazu. In seinem Plädoyer würdigte Voit dann, dass der Angeklagte durch eine freiwillige stationäre Therapie zurzeit Einsicht zeigt. Außerdem habe es sich hauptsächlich um so genannte „weiche“ Drogen gehandelt. Voit forderte zwei Jahre Freiheitsstrafe, die zur Bewährung ausgesetzt werden könnten. Rechtsanwalt Mörtl betonte, dass sein Mandant nie Handel getrieben hatte. Seine langjährige Sucht habe ihn zu den Taten veranlasst. Außerdem müsse man ihm zugute halten, dass er seinen Mittäter belastet hatte. Mörtl plädierte auf 14 Monate auf Bewährung.

Ströhle und die Schöffen verhängten 21 Monate, setzten die Strafe zur Bewährung aus, stellte dem Verurteilten einen Bewährungshelfer zur Seite und legten ihm auf, die begonnene Suchttherapie erfolgreich zu Ende zu führen.

Der September-Prozess gegen den Angeklagten

Weiden in der Oberpfalz

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