12.06.2020 - 17:30 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Bescheiden auf Millionen verzichtet

Nur noch zwei Buchstaben, bescheiden im Vereinsnamen der SpVgg Weiden hintangestellt, werden in einigen Jahren an den einst großen SV erinnern. Der Sportpark im Stadtteil Stockerhut ist bald Geschichte. Ein Rückblick.

Das Areal des Sportvereins im Stadtteil Stockerhut soll in den nächsten Jahren bebaut werden. Die Stadt Weiden schafft am Wasserwerk entsprechende Ersatzflächen. Im Vordergrund das Sportheim mit Saal, Küche, Umkleiden und sogar Kegelbahnen im Untergeschoss.
von Josef-Johann Wieder Kontakt Profil

Das Sportareal im Stadtteil Stockerhut aufgeben? Das ist gerade für die treuen Mitglieder des ehemaligen SV Weiden unheimlich schwer. An diesen über 37 500 Quadratmetern hängt viel Herzblut. Die Väter und Großväter haben hier nach dem Krieg angepackt, geschwitzt und geackert, um die Sportanlagen entstehen zu lassen, wie man sie heute kennt und schätzt. Zwar will die Stadt am Wasserwerk neue Sportflächen für die SpVgg SV Weiden schaffen. Aber sie wird sie nur im Erbpacht dem Verein überlassen. Dabei rächt sich nach Jahrzehnten die sprichwörtlich gewordene Bescheidenheit des einstigen Arbeitersportvereins.

Heute wissen nur wenige um die Tradition des SV, der bereits 1903 als Arbeiter-Turnverein Solidarität gegründet und 1910 in "Arbeiter-Turnverein Frischauf" unbenannt wird. Nach dem 2. Krieg wird zum SV, zu Beginn der 90er-Jahre zum SV Detag und 2012 zur SpVgg SV.

Keimzelle weiterer Vereine

Im Laufe seiner Geschichte war der Arbeitersportverein Keimzelle für den Gesangverein Lyra (1904), den überaus erfolgreichen Kraftsportverein "Attila" (1919), die Boxstaffel "Olympia" (1948), den VfB Weiden (1948) oder den Handballclub (1985). Ab 1919 wird im Verein wieder Fußball gespielt, zunächst am alten Schützenhaus, dann ab 1921 am Hammerweg. 1925 klopfen die Weiden an die Tür zur Deutschen Meisterschaft. Sie unterliegen bei der Bundesmeisterschaft gegen Hamburg, gegen die Elf von Uwe Seelers Vater, mit 1:2. 1929 schlagen die Fußballer den Deutschen Meister Leipzig mit 5:2. Der so erfolgreiche "ATSV" will endlich sesshaft werden: Er kauft 1928 zehn Tagwerk auf der Konradshöhe.

Doch es findet sich für den Sportplatz eine stadtnähere Lösung: Im Tausch können 35 000 Quadratmeter in der Stockerhut erworben werden. 1930/31 legt der Verein alle Kraft in den Ausbau des neuen Sportgeländes, das 1932 in Betrieb genommen werden kann. Allerdings kann sich der Arbeitersportverein nur wenige Monate über das Domizil freuen: Er wird 1933 von der NSDAP aufgelöst und enteignet. Das Gelände wird für die Kaserne bzw. für ein Lager genutzt.

Auf Wanderschaft

Im November 1945 gründet sich der Sportverein unter Vorsitz von Franz Mörtl wieder. Die Fußballer, die keinen eigenen Sportplatz haben, spielen am Wasserwerk bzw. am Hammerweg, wechseln 1948 auf den Witt-Sportplatz im Lerchenfeld und müssen zwei Jahre später wieder beim Turnerbund unterkommen. Dann endlich wird der 1933 enteignete Arbeitersportverein doch noch entschädigt.

Die Vereinsführung pocht zu Beginn der 1950-er Jahre in all ihrer Bescheidenheit nicht auf "eigenes Eigentum". Sie gibt sich mit dem unbefristeten, quasi ewigen "sportlichen Dauernutzungsrecht" auf dem 22 800 Quadratmeter großen Grundstück "in zweiter Reihe" an der Königsberger Straße zufrieden. Es wird vereinbart, dass die Stadt, sofern sie selbst die Fläche nutzen will, ein entsprechendes Sportgelände bereitstellen muss. Heute ist das Grundstück, das der Stadt gehört, als Bauland Millionen wert.

Mit der finanziellen Entschädigung von 2500 Mark erwirbt der Verein 3604 Quadratmeter Grund hin zur Straße. Dort erstellten die Mitglieder in mühseliger Eigenregie, angeleitet vom Polier der Firma Scharnagl, das Sportheim, das 1955 fertig ist. Kurz zuvor werden A- und B-Platz auf dem hügeligen Brachland bespielbar. Beim Bau der Sportplätze hilft die US-Armee mit schwerem Pionier-Gerät.

Weitere "Erholungsflächen"

In den 90-ern, der Verein ist vorübergehend finanziell klamm geworden, kauft die Stadt das SV-eigene Areal von 3604 Quadratmetern und überlässt es dem Sportverein im Erbpachtrecht. Wenn also vom Erbpachtrecht die Rede ist, dann bezieht es sich ausschließlich auf diese Fläche. Dieser Vertrag läuft noch bis zum Jahr 2041 und könnte von der Stadt nicht gekündigt werden. In den Sportpark des Vereins integriert sind weitere 11 144 Quadratmeter Erholungsfläche, die der Verein gepachtet hat. Die neuen Kunstrasenplätze erhält die SpVgg SV Weiden am Wasserwerk im Erbpacht. Der Verein verliert aber sein unentgeltliches "sportliches Dauernutzungsrecht" für 22 800 Quadratmeter. Die Stadt gewinnt - nicht nur mit Bauland im Stockerhut.

Mitglieder tragen Umsiedlung auf Ersatzflächen mit

Weiden in der Oberpfalz

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