11.06.2020 - 13:40 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Sportgelände soll an die Stadt gehen

Die Mitglieder der SpVgg SV Weiden segnen die Voraussetzung für Grundstücksverhandlungen mit der Stadt ab. Die Materie ist kompliziert, die Hintergründe reichen weit zurück - und es geht um Geld.

Außergewöhnliche Umstände erfordern außerordentliche Maßnahmen: Die Vereinsmitglieder gehen auf der Tribüne auf Abstand.
von Helmut KunzProfil

Der Verhandlungsweg ist frei. Die Mitglieder der SpVgg SV Weiden tragen den von Notar Falk Knies ausgearbeiteten Beschluss, das Sportareal in der Stockerhut auf die Stadt Weiden zu übertragen, einstimmig mit. Alle 73 stimmberechtigten Mitglieder bei der Versammlung am Mittwochabend waren dafür. Der Verein will sich zugunsten der Stadtentwicklung von seinen 34000 Quadratmeter großen Grundstücken im Stockerhutgebiet trennen. Im Gegenzug soll die SpVgg SV als Ausgleich für seine Nutzungsrechte zwei Kunstrasen-Plätze und einen Dusch- und Umkleide-Kabinentrakt am Wasserwerk erhalten.

Stadtkämmerin Cornelia Taubmann, Reiner Nachtigall und Vorsitzender Michael Kurz erläutern den Mitgliedern die Beschlussfassung.

Außerordentliche Mitgliederversammlungen erfordern in Corona-Zeiten außergewöhnliche Vorkehrungen. Deshalb war die Versammlung für Mittwochabend bei Regenwetter im Stadion einberufen worden. Jedes Mitglied und die Gäste mussten sich in Listen eintragen, um später eventuelle Infektionsketten nachvollziehen zu können.

Zwei Gewinner

Vorsitzender Michael Kurz und Stadtkämmerin Cornelia Taubmann sprachen von einer Win-win-Situation. Bei diesem Modell würden beide gewinnen: Verein und Stadt. Wie berichtet, stünden der SpVgg SV die Nutzungsrechte in der Stockerhut noch 20 Jahre lang zu. So lange möchte die Stadt aber nicht warten. Wie Taubmann betonte, benötige man die Flächen dringend für den Wohnungsbau. Als Ausgleich bekomme der Verein Ersatzflächen am Stadion. Ein Bauzaun steckt das Areal bereits ab. Ausgleichs- und Überflutungsflächen für die neuen Sportplätze schaffe die Stadt an der Schweinenaab im östlichen Bereich des "Teehauses". Auch das Grundstück des Spielplatzvereins der SPD solle zugunsten der SpVgg SV abgelöst werden.

„Bürger wollen nicht außerhalb der Stadt ihr Häuschen bauen, sondern innerhalb der Stadt“, erklärte Taubmann der Versammlung. „Wir haben aber relativ wenige Bauflächen für Ein- oder Zweifamilienhäuser zur Verfügung.“ Die Umstellung des Turnerbund-Geländes auf Wohnnutzung sei damals zu Lasten des Sports gegangen. Auch dort hatte sich unter anderem die SpVgg SV eingemietet. Weitere Nachteile wolle man dem Weidener Sport nicht zumuten und setze auf eine Lösung mit Ersatzflächen.

Alfred Meiler appelliert an die Verhandlungsführer, den Verein mit Erbpachtzinsen nicht über Gebühr zu strapazieren.

„Was jetzt dabei herausgekommen ist, kann sich sehen lassen." Neue Kunstrasen-Plätze, die auch im Winter bespielt werden können. Der B-Platz, ohnehin in ordentlichem Zustand, werde erhalten, und der C-Platz wieder hergerichtet. Verändert werden müssten Wegeführungen an den Notausgängen. „Das Ganze ist dann Eigentum der SpVgg SV in Folge eines Erbbaurechtes.“

Mit dem Stockerhut-Sportplatz hätte die SpVgg SV nicht mehr viel anfangen können. Wie Taubmann erläuterte und Reiner Nachtigall bestätigte, wurde das Gelände dem SV 1951 als Wiedergutmachung des nationalsozialistischen Unrechts mit einem dauerhaften Nutzungsrecht als Sportplatz zugesprochen. „Das bedeutet: Die SpVgg SV hätte das Gelände gar nicht verkaufen, sondern nur dauerhaft nutzen können." Und diese dauerhafte Nutzung werde dem Verein jetzt durch die beiden neuen Kunstrasenplätze am Wasserwerk ermöglicht. „Die Baumaßnahmen werden von der Stadt bezahlt.“

Verhandlungen stehen an

Alfred Meiler regte an, zum Schutze der Vorstandsschaft den Weidener Notar Falk Knies als juristischen „Begleiter“ namentlich in die Beschlussfassung mit aufzunehmen. Als ehemaliger Sparkassendirektor habe er in dieser Hinsicht einige Erfahrungen gemacht. Auch solle man aufpassen, dass die neu zu verhandelnde Erbpacht den Verein nicht über Gebühr strapaziere.

Hier beruhigte Kurz: „Über die Höhe der Erbpacht werden wir uns sicher einig. Wir können uns gratulieren.“ Der ehemalige stellvertretende Vorsitzende des SV Detag, Norbert Dietl, wies die Versammlung darauf hin, dass 2012 die Nutzungsberechtigung des Stockerhutparks umgewandelt worden sei und dieses Datum aus rechtlichen Gründen auch unbedingt in die Beschlussfassung einfließen müsse.

Anhand von Plänen können sich die Mitglieder ein Bild von den neuen Kunststoffrasen-Plätzen machen.
Außergewöhnliche Umstände erfordern außerordentliche Maßnahmen: Die Vereinsmitglieder gehen bei der Versammlung auf der Tribüne auf Abstand.

Die Pläne von Stadt und Verein

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