15.03.2019 - 10:56 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Bewährungsstrafe ergattert

Die Geschichten passen einfach nicht. Das Amtsgericht erhöht das Strafmaß. Dennoch kommt der Nürnberger, der eine Schlagwaffe mit sich führte, in der Berufungsverhandlung gut weg.

von Autor hczProfil

Eine circa 20 Zentimeter lange,147 Gramm schwere, mit Leder ummantelte Spiralfeder führte ein 35- Jähriger bei der Rückkehr aus der Tschechien im Auto mit sich. Das, vom Landeskriminalamt als „Totschläger“ eingestufte Ding brachte dem Nürnberger beim Amtsgericht eine Verurteilung zu drei Monaten „ohne“ ein. In der Berufungsverhandlung vor der 2. kleinen Strafkammer des Landgerichts ging es nochmals etwas glimpflicher aus. Zwar verhängte Vorsitzender Richter Reinhold Ströhle gemäß dem Antrag von Staatsanwältin Sandra Dechant vier Monate und rechnete eine zwischenzeitlich rechtskräftig gewordenen Strafe aus einer anderen Tat hinzu. Das Ergebnis lautete jedoch dann: fünfeinhalb Monate auf Bewährung!

Im September 2017 war der Ledige in Begleitung seiner Freundin, sowie seiner und deren Mutter, zum monatlichen Einkauf nach Tschechien gefahren. Auf der Rückfahrt wurde der Mercedes mit Nürnberger Kennzeichen von Beamten der Bundespolizei kontrolliert. Ein 49-jähriger Polizist sah auf Anhieb den verbotenen Gegenstand in der Ablage der Fahrertür. Der Fahrer behauptete steif und fest, dass er von dem Totschläger nicht gewusst habe. Dieser habe dem mittlerweile verstorbenen Vater des Angeklagten gehört, sagten seine Mutter und die Freundin aus.

„Zu viele Ungereimtheiten und Widersprüche“ erkannte Staatsanwältin Dechant in deren Aussagen und den Erklärungsversuchen des Angeklagten und schenkte diesen keinen Glauben. Sie hielt ihm zugute, dass er sozial eingeordnet lebt. Negativ wirkten sich jedoch seine zwei Vorstrafen wegen Körperverletzung aus und die letzte Verurteilung zu einer dreimonatigen Freiheitsstrafe. Er hatte auf Facebook einem Aufruf, ein Asylbewerberheim anzuzünden, zugestimmt. Rechtsanwalt Jakob Tschuschke wies darauf hin, dass die Körperverletzungen zehn Jahre zurück liegen. Weil sein Mandant nichts von der verbotenen Schlagwaffe gewusst habe, sei er frei zu sprechen. Richter Ströhle und die Schöffen erhöhten das Strafmaß zwar, gaben aber Bewährung. Der Verurteilte muss die Hälfte der Kosten der Berufungsverhandlung zahlen und außerdem 500 Euro an die Kinderkrebshilfe.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

Aktuell und Wissenswert

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.