26.11.2019 - 17:41 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Blindes Vertrauen in 5G-Technik

In den Jubel um die Modell-Region zur Einführung von 5 G stimmen "Die Grünen" in Weiden nicht ein. Vielmehr fordert die Stadtratsfraktion "mehr fundiertes Wissen" um die Risiken der neuen Technologie. Doch niemand unterstützt ihren Antrag

Mit der zunehmenden Dichte von Mobilfunkmasten dürfte auch die Strahlenbelastung steigen.
von Josef-Johann Wieder Kontakt Profil

Was den Gesundheitsschutz anbelange, sei die Kommune nicht zuständig, macht Rechtsdezernentin Nicole Hammerl gleich zu Beginn der Diskussion im Stadtrat deutlich. Selbst bei der Genehmigung von Funkmasten und -antennen sei die Stadt nur in Ausnahmefällen gefragt. Gewöhnlich laufe ein eigenständiges "Standortbescheinigungsverfahren" bei der Bundesnetzagentur. Deshalb schlage die Stadtverwaltung vor, den Antrag von Bündnis 90/Die Grünen abzulehnen. Vor einer Ablehnung bittet Veit Wagner (Grüne) um eine Diskussion im Umweltausschuss. "So ganz unbedenklich ist 5 G nicht", betont er.

Enttäuscht reagiert Grünen-Fraktionschef Karl Bärnklau: Es sei untragbar, wie sorglos der Stadtrat mit den Thema Funkmasten und Strahlenbelastung durch Handynutzung umgehe. "Wir brauchen mehr wissenschaftliche Information zur neuen Technik." Es sei unlogisch, zunächst eine Modellregion 5 G zu beschließen und dann erst die damit verbundenen Belastungen für die Bürger zu ermitteln. "Für mich steht das Minimierungsgebot für Belastungen weit oben." Die OTH sei Schwerpunkthochschule und qualifiziert, in einer Metastudie die Ergebnisse bisheriger Belastungsanalysen zu sammeln. "Man muss Ahnung haben von der Materie. Man muss nicht selber forschen", wirbt Bärnklau für seinen Antrag. "Die Privatisierung der Telekommunikation führt zu einer höheren Gefährdung." Der Technikglaube habe schon oft in die Irre geführt: "Ich erinnere an Dioxin, Asbest, an Pestizide und Insektizide, an Contergan. Ich vermisse auch jetzt eine Risikoabschätzung."

Oberbürgermeister Kurt Seggewiß räumt ein, dass eine Massierung von Funkmasten auch eine höhere Strahlenbelastung zur Folge haben könne. "Wir hatten keine Diskussion um die Masten im Dach des Alten Rathauses. Warum? Weil man sie nicht sieht." Erneut bestätigt fühlt sich Hans Blum (CSU) vom Grünen-Antrag: "Kaum gibt's eine neue Technik, wird die Bevölkerung verrückt gemacht."

Es sei eine "Masche der Grünen", immer auf potenzielle Risiken hinzuweisen, stellt Theodor Klotz (Bürgerliste) fest. "Die Gentechnik haben wir aus dem Land gejagt. Jetzt macht Japan das Geschäft." Ein risikoloses Leben werde niemand mit letzter Sicherheit bekommen.

Info:

Der Antrag der Grünen zu 5G

Die Grünen-Fraktion forderte, dass die Stadtverwaltung einen Bericht zum Stand der Einführung der Technologie 5 G, zu Abdeckungsgrad und Übertragungenraten der Vorgängertechnologie im Stadtgebiet und der näheren Umgebung erstellt. Zudem solle die zu erwartende Mehrbelastung der Bevölkerung durch 5 G-basierten Funkverkehr dargestellt werden. Noch weitergehend war die Bitte, dass die Stadt Weiden formell die OTH, die das Modellprojekt 5 G im Gesundheitswesen in der Region führt, mit einer zusammenfassenden Metastudie zur möglichen gesundheitlichen Beeinflussung der Bürger beauftragt.

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Kommentare

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Tobias Punzmann

Wie Herr Seggewiß richtig erkannt hat, sind es nur die sichtbaren Mobilfunkanlagen, die krank machen. Dabei ist sogar egal, ob sie in Betrieb sind oder nicht. Der Grund hierfür sind nicht die Emissionen der Anlagen, sondern der Nocebo-Effekt, quasi dem Gegenteil des Placebo-Effekts. Während der Placebo-Effekt eine Genesung ohne wirksame Therapie verspricht, bewirkt der Nocebo-Effekt eine Verschlechterung des Gesundheitszustands ohne wirklichen schädlichen Einfluss. Alleine die Angst vor verschiedenen Einflüssen bewirkt hier die Symptome. Schuld daran sind also weniger die Mobilfunkanlagen, wie im konkreten Thema, sondern vielmehr diejenigen, die mit nicht nachgewiesenen Einflüssen unbegründete Ängste schüren.
Erste Abhilfemaßnahmen wären also das Verstecken der Anlagen und der Verzicht auf das Schüren unbegründeter Ängste. Ein Verzicht auf 5G alleine ist sinnlos, solange andere Funkübertragungstechnologien weiter verwendet werden. Ein Verzicht auf herkömmlichen Mobilfunk, schnurlose Telefone, Radio oder Fernbedienungen scheint jedoch wenig praktikabel. Da die negativen Auswirkungen so gering sind, dass sie nicht festgestellt werden können, kann man durchaus auf 5G setzen und dadurch entstehende positive Effekte, auch im Gesundheitswesen nutzen.

27.11.2019