30.10.2018 - 14:32 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Blühendes Leben am Stadtfriedhof

Es ist ein Tag der Ruhe, der Trauer. Ein Tag, an dem auf den Friedhöfen derjenigen gedacht wird, die nicht mehr unter uns sind: Allerheiligen. Doch bis für den stillen Tag alles vorbereitet ist, wird es oft hektisch auf dem Stadtfriedhof.

Es wird gegossen, gefegt und angepflanzt: Auf dem Stadtfriedhof in Weiden bereiten sich die Angestellten und Angehörigen auf Allerheiligen vor.
von Julia Hammer Kontakt Profil

Von Julia Hammer und Wolfgang Ruppert

"Es gibt viel zu tun. Seit Tagen kehren wir täglich das Laub weg, machen sauber, damit für Allerheiligen alles schön ist", erzählt Peter König, Angestellter des Stadtfriedhofs. 8600 Ruhestätten und 700 Urnennieschen betreut er mit seinen Kollegen. "Diese Vorbereitungen für Allerheiligen machen wir zusätzlich. Es finden natürlich auch Beerdigungen statt, wir müssen Gräber ausheben und Urnenbestattungen vorbereiten." Um die Grabstätten selbst muss sich König nicht kümmern - "das erledigen die Angehörigen selbst". Bis auf eine Ausnahme: Die Kriegsgräber. Kurz vor Allerheiligen bepflanzen Mitarbeiter der Stadtgärtnerei diese Flächen. "Auch sie sollen schön aussehen."

Doch nicht nur die Arbeit wird für König kurz vor dem stillen Feiertag mehr. Auch das Getümmel auf dem Stadtfriedhof nimmt täglich zu. "Es kommen deutlich mehr Menschen als das restliche Jahr über. Sie kümmern sich um die Gräber ihrer Familien, setzen Blumen und bereiten alles für Allerheiligen vor. Vielen ist wichtig ist, dass wirklich alles passt."

Immer wieder gebe es aber auch Probleme vor dem Gedenktag. "Kurz vor Allerheiligen werden oft Blumengestecke von den Gräbern gestohlen. Die tauchen dann auf anderen Gräbern wieder auf. Das ist in diesem Jahr zum Glück noch nicht passiert." Halloween - das düstere Fest, an dem kostümierte Gruselgestalten von Haus zu Haus ziehen und Süßigkeiten fordern, oft auch auf Friedhöfen spazieren, sei hingegen kein Problem. "Wir haben einen Schließdienst. Ab 20 Uhr kommt niemand mehr auf das Gelände. Deshalb macht uns Halloween nicht zu schaffen", sagt König.

Roter Eimer voll Laub

Arbeit bedeutet Allerheiligen aber nicht nur für die Angestellten des Friedhofs. "Meine Mutter hat wegen der Lerche hinter unserem Grab immer geschimpft. Jetzt stehe ich davor und schimpfe mit ihr - jedenfalls in Gedanken", erzählt Hildegard Wendt und lächelt. "Viel Laub, das weg muss." Mit ihrem Mann Paul bereitet sie das Grab, in dem ihre Mutter, ihr Vater und ihre ältere Schwester ruhen, für Allerheiligen vor. Der rote Eimer, den der 82-Jährige in der Hand hält, ist mit Laub gefüllt. "Schon zwei Mal habe ich ihn heute geleert." Die Grabarbeit teilt sich das Ehepaar mit Hildegards Schwester und deren Mann. Den stillen Feiertag verbringt die 78-Jährige mit ihren Angehörigen am Grab ihrer Familie. Paul wird in dieser Zeit mit einer Büchse über den Waldfriedhof ziehen. "Ich sammle für die Kriegsgräber. Das mache ich seit 30 Jahren."

Christine Grüner beugt über dem Grab ihrer Eltern und Großeltern. Weiße Handschuhe schützen ihre Hände vor Dornen und Schmutz. "Ich bin seit 20 Minuten hier, habe geschaut, was ich brauche und war dann im Blumenladen einkaufen. Einen Blumenstrauß, Erde und eine Kerze", erzählt die Trebsauerin - und verrät: "Friedhöfe bringen mir nichts. Wenn ich an meine Eltern denke, dann mache ich das zu Hause. Dafür muss ich nicht herkommen."

Während des Jahres kümmert sich die meiste Zeit ihre Tante um die Grabstätte. An Allerheiligen wird Grüner nicht am Grab ihrer Familie stehen. "Da muss ich arbeiten. Aber auch so wäre ich vermutlich nicht hergekommen. Mir sind an diesem Tag zu viele Menschen hier, die sich gegenseitig beobachten." Dafür wird sie am Mittwoch noch einmal auf den Friedhof zurückkehren - "bevor der ganze Trubel richtig losgeht."

Hildegard Zienecker kümmert sich mit ihrem Mann Jürgen um das Grab ihrer Eltern. Seit einer halben Stunde ist das Paar am Friedhof. Christrosen sollen das Grab an Allerheiligen schmücken. "Wir erneuern heute alles, die alten Pflanzen habe ich gerade eben schon rausgemacht", erklärt die 65-Jährige. Das herabfallende Laub erschwert die Grabarbeiten. "Man kommt gar nicht hinterher", sagt Hildegard und zeigt auf den Baum, der in der Nähe der letzten Ruhestätte ihrer Eltern steht.

Gerne verbringt Christine Grüner ihre Zeit auf dem Friedhof nicht. Trotzdem kümmert sie sich jedes Jahr kurz vor dem stillen Feiertag um das Grab ihrer Eltern und Großeltern.

Gefühl der Nähe

Die Vorbereitungen sollen schon vor dem Feiertag so weit wie möglich erledigt sein, lediglich ein paar Blumen möchten die Eheleute an Allerheiligen noch auf das Grab legen. Hildegard Zienecker behauptet von sich selbst, dass sie oft und auch sehr gerne auf den Friedhof geht. "Hier herrscht eine solche Ruhe, die schafft Verbundenheit. Auch wenn meine Eltern nicht mehr da sind, habe ich das Gefühl, dass ich ihnen hier näher bin, als es Zuhause möglich ist", sagt sie. Da sie zur Zeit eine Verletzung am linken Arm hat, hilft ihr ihr Mann bei der Grabpflege. "Ich passe auf, dass die Stöckerl auch da hinkommen, wo sie hingehören", scherzt Zienecker.

In der Gärtnerei Steinhilber vor dem Stadtfriedhof stehen die Menschen Schlange. In den vergangenen drei Tagen läuft das Geschäft rund. Viele der Kunden haben eine ähnliche Routine, erzählen die Angestellten. Zunächst gehen sie auf den Friedhof und schauen, was sie ungefähr brauchen. Der nächste Gang ist dann der in den Blumenladen. Am ersten November, wenn alle Vorbereitungen abgeschlossen sind, wird sich die Hektik legen - und am Ort der Stille wieder Ruhe einkehren.

Wohin nur mit dem ganzen Laub? Einmal angegangen liegen schon wieder Blätter auf den Gräbern und Wegen des Stadtfriedhofs.
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.