11.09.2020 - 21:49 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Bombensuche in Weiden: Max-Reger-Halle als Notunterkunft

Der Verdacht auf eine Bombe im Erdreich Weidens macht Ende September die Evakuierung von mindestens 1500 Menschen, Teilen des Klinikums und der ILS nötig. Da tauchen Fragen auf. Die Stadt gibt erste Antworten.

Wenn am 27. September die Menschen im 500 Meter Umkreis des Wasserwerk-Stadions ihre Wohnungen verlassen müssen, steht ihnen die Max-Reger-Halle als Notunterkunft zur Verfügung.
von Simone Baumgärtner Kontakt Profil

Erdarbeiten mit Gefühl sind nötig, um im Boden nördlich und nordwestlich des Stadtfriedhofes Weiden Blindgänger zu finden, die dort seit dem Zweiten Weltkrieg liegen könnten. Im Ernstfall muss eine Bombe vielleicht sogar kontrolliert gesprengt werden. Ein entsprechender Verdacht sei da. Das wirft Fragen auf. Die Stadt versucht sie bereits im Vorfeld zu beantworten und bietet eine Übersicht der ihrer Meinung nach wichtigsten Fragen samt Antworten an. Die will Oberpfalz-Medien niemanden vorenthalten. Tauchen aber darüber hinaus weitere Fragen auf, macht die Redaktion ein Angebot: Wir suchen für Sie Antworten auf Fragen, die Sie an redws[at]oberpfalz-medien[dot] de senden.

Doch hier zunächst der Fragen- und Antwortenkatalog, den die Stadt Weiden auch auf ihrer Homepage rund um die Kampfmittelbeseitigung und Evakuierungsmaßnahmen zur Verfügung stellen wird:

Was passiert bei einer Entschärfung?

Die Firma HRS Kampfmittelerkundungs- und -beratungs GmbH übernimmt die Freilegung des Blindgängerverdachtspunktes durch vorsichtiges Aufgraben. Sollte sich herausstellen, dass tatsächlich ein Blindgänger im Erdreich liegt, wird der Kampfmittelbeseitigungsdienst (KBD) gerufen, der dann die Entschärfung, oder wenn nötig auch eine kontrollierte Sprengung, übernimmt.

Sollte der Spezialist vor Ort zu dem Ergebnis kommen, dass es sich bei dem verdächtigen Gegenstand um einen noch größeren Blindgänger handelt als ursprünglich in Verdacht gezogen, müsste ein Bereich im Umkreis von bis zu 1000 statt 500 Metern evakuiert werden. Der KBD gibt dies an die entsprechenden Stellen zur Verbreitung an die Bevölkerung weiter. Die Stadt erklärt: "Die Wahrscheinlichkeit dieser Evakuierungserweiterung liegt anhand einer aktuellen Wahrscheinlichkeitsberechnung bei 2%."

Stadt informiert über Bombenverdacht – und die Folgen

Weiden in der Oberpfalz

Wie und wann erfahre ich, ob ich betroffen bin?

Die Stadt Weiden informiert über verschiedene Kanäle betroffene Bürger im Umkreis von 500 Metern um den konkreten Bomben-Verdachtspunkt – etwa über ein Anschreiben. Infos liefern auch lokale Medien, die Homepage der Stadt www.weiden.de sowie die Stadt Weiden-App und die App NINA. "Bitte achten Sie auf Rundfunkdurchsagen an diesem Wochenende!", heißt es.

Welche öffentlichen Gebäude sind betroffen?

  • Klinikum Weiden: Es ist am Sonntag, 27. September, zum Teil von der Evakuierung betroffen. Es kann damit nur einen eingeschränkten Betrieb gewährleisten. Die Bevölkerung wird daher gebeten, von Besuchen im Klinikum Weiden am Sonntag, 27. September, abzusehen. Ebenso wird darum gebeten, sich bei kleineren Verletzungen, die eine eigene Anfahrt zum Klinikum noch ermöglichen, auf umliegende Krankenhäuser auszuweichen.
  • Notfallpraxis der Kassenärztlichen Vereinigung: Sie ist im Klinikum Weiden angesiedelt. Hier wird auf die Rufnummer 116 117 verwiesen. Die Notfallpraxis selbst ist geschlossen, es wird auf die umliegenden Notfallpraxen verwiesen.
  • Integrierte Leitstelle Nordoberpfalz (ILS): Die ILS ist auch im Zeitraum der Evakuierungsmaßnahmen vollumfänglich einsatzbereit und unter der Notrufnummer 112 erreichbar. Der Rettungsdienst inklusive Notfallrettung ist sichergestellt. Nach Informationen von Oberpfalz-Medien wird die ILS für fünf Tage komplett verlegt nach München in die Not-ILS der Berufsfeuerwehr München. Die Hilfesuchenden vor Ort werden das aber nicht merken. Wählen sie die 122 oder die 19222 sprechen sie mit den üblichen Disponenten, die Hilfskette wird wie gehabt in Gang gesetzt.

Wann muss ich das Haus verlassen? Wann darf ich wieder zurück?

Der Evakuierungsbeginn wurde am Sonntag, 27. September, auf 8 Uhr festgelegt. Kräfte von Feuerwehr, THW und Polizei prüfen vor Ort, ob alle Wohnungen verlassen wurden. Den Anweisungen der Sicherheits- und Rettungskräfte ist Folge zu leisten. Ein Verbleib im Evakuierungsbereich ist verboten!

Die Evakuierungskräfte rechnen damit, dass ab etwa 18 Uhr der Bereich wieder betreten werden darf. Das genaue Evakuierungsende wird durch die öffentlichen Kanäle, der Homepage sowie der Stadt Weiden-App und die App NINA bekannt gegeben. "Bitte achten Sie insbesondere auf Rundfunk-Durchsagen." Bis zur Freigabe ist es verboten, sich im Evakuierungsbereich aufzuhalten.

Personen, die in Bezug auf CoViD-19 unter Quarantäne gestellt sind, werden gesondert vom Gesundheitsamt verständigt.

Gibt es eine Notunterkunft für die zu evakuierende Bevölkerung?

Ja, die Halle beziehungsweise der Saal der Max-Reger-Congress & Event GmbH Weiden. Parkplätze stehen direkt an der Max-Reger-Halle oder dem Naabwiesen-Parkplatz kostenfrei zur Verfügung. Die Verpflegung sei gesichert.

Wann fahren die Busse am Evakuierungstag?

Der Evakuierungsbereich liegt im öffentlichen Personennahverkehr im Bereich der Linie 1/91. Diese Linie wird umgeleitet, Ersatzhaltestellen werden eingerichtet. Zum Verlassen des Evakuierungsradius wird ein Shuttle-Service eingerichtet. Details unter www.weiden.de/evakuierung

Was ist mit meinem Haustier?

Tiere, die sonst auch nicht allein gelassen werden, sollten auch am 27. September mitgenommen werden. Allein zurückbleiben sollten nur solche Tiere, die keine Aufsicht benötigen oder längere Abwesenheitszeiten der Besitzer bereits gewohnt sind (etwa während der Arbeitszeiten). Dabei sollte aber nicht außer Acht gelassen werden, dass sich die Entschärfung durch Komplikationen oder eine langwierige Suche von Evakuierungsverweigerern auch in die Länge ziehen kann.

In die Notunterkunft dürfen keine Haustiere mitgebracht werden. Die Stadt empfiehlt unter Umständen auf entsprechende Tierpensionen auszuweichen.

Darf ich mein Auto auf der Straße stehen lassen?

Im Evakuierungsbereich dürfen ordnungsgemäß abgestellte Fahrzeuge verbleiben. Der Eigentümer haftet jedoch für Schäden, die durch den unwahrscheinlichen Fall einer Explosion des Kampfmittels hervorgerufen werden, selbst. Dieses ist im Allgemeinen Kriegsfolgengesetz (AKG) von 1957 geregelt.

Kann es zu Schäden am Gebäude kommen?

Für Schäden am Gebäude, die im Fall einer Explosion beziehungsweise Sprengung des Blindgängers entstehen könnten, haftet jeder Eigentümer selbst oder gegebenenfalls die zuständige Versicherung des jeweiligen Eigentümers.

Dürfen Geschäfte und Gewerbebetriebe öffnen?

Sämtliche Bäckereien und weitere Geschäfte im Evakuierungsradius, die sonntags üblicherweise geöffnet sind, wie auch deren Kundschaft müssen sich darauf einstellen, dass diese am 27. September nicht geöffnet haben.

Welche Regelungen gelten im Hinblick auf CoVID-19 bei der Evakuierung?

Aufgrund der Coronavirus-Lage bei der Evakuierung sind spezielle Verhaltensvorgaben zu beachten: So ist beim Verlassen der Wohnung oder des Hauses der Mindestabstand von mindestens 1,5 Metern zu Personen aus anderen Haushalten einzuhalten. Ist der Mindestabstand nicht möglich, müssen Personen eine Mund-Nasen-Bedeckung tragen. Bei Nutzung einer Notunterkunft gilt Maskenpflicht, mit Ausnahme am zugewiesenen Platz. Die Einsatzkräfte werden die Anwohner, die eine Betreuungsstelle nutzen wollen, nach Krankheitssymptomen einer Corona-Infektion befragen. Wer zum Zeitpunkt der Evakuierung unter Quarantäne steht, hört vom Gesundheitsamt.

Warum ist die Evakuierung überhaupt nötig?

Info:

So hilft die Stadt

  • Die Stadt schaltet ab Montag, 14. September, von 8 bis 18 Uhr ein Bürgertelefon für alle Evakuierungsfragen. Die Telefonnummer lautet: 0961/81-3838.
  • Erweiterung der Gesprächszeit am Bürgertelefon um zwei Stunden von 8 bis 20 Uhr am Freitag und Samstag, 25. und 26. September. sowie am Evakuierungstag am Sonntag, 27. September, von 6 bis 18 Uhr.
  • E-Mail-Anfragen sind an die Stadt unter bt[at]weiden[dot]de zu richten.
  • Unter www.weiden.de werden FAQs veröffentlicht, also die wohl häufigsten Fragen samt Antworten rund um die Bombensuche in Weiden.
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