31.08.2018 - 12:32 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Boom dank Pendlern

Beschäftigungsboom ohne Ende, auch in Weiden. Jeder fragt sich wie das möglich ist angesichts eines leergefegten Fachkräftemarktes. Statistiken der Bundesagentur für Arbeit geben Antworten.

Einpendler prägen immer mehr den Weidener Arbeitsmarkt
von Siegfried BühnerProfil

(sbü) In der Stadt Weiden steigt die Beschäftigtenzahl seit genau zehn Jahren Jahr für Jahr. 24 100 Menschen arbeiteten im Dezember 2007 im Stadtgebiet in einem sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverhältnis. Innerhalb von zehn Jahre sind 3600 dazugekommen.

So zeigt es die Statistik der Bundesagentur für Arbeit für Ende des vergangenen Jahres. Zu verdanken ist dies dem seit Jahren anhaltenden Wirtschaftsaufschwung, der auch in Weiden seine Spuren hinterlassen hat. Das Beschäftigungswachstum wurde hauptsächlich deswegen möglich, weil Menschen aus der Arbeitslosigkeit und aus der sogenannten stillen Reserve in ein Arbeitsverhältnis zurückkehren konnten. Auch zusätzliche tschechische Grenzpendler trugen in erheblichem Maße zum Beschäftigungsboom bei.

Mehr Ältere arbeiten

Diese Entwicklungstrends setzten sich bis zuletzt fort, werden aber neuerdings ergänzt durch zusätzliche Faktoren. So fällt auf, dass immer mehr ältere Arbeitnehmer im Arbeitsleben stehen. Zwei Drittel des Beschäftigungswachstums zwischen Dezember 2016 und 2017 entfällt auf die Altersgruppe der 55- bis 65-Jährigen. Dagegen stagniert die Zahl der Arbeitnehmer unter 25 Jahren. Auch die Leiharbeit nimmt wieder deutlich zu. Binnen Jahresfrist wuchs die Zahl der bei Verleihunternehmen beschäftigten Arbeitnehmer um gut 200 auf 1300 Personen.

Bei vielen Arbeitslosen gelingt die Rückkehr in den Arbeitsmarkt nur auf diesem Wege. Profitieren kann die Stadt Weiden ganz besonders aber von den Einpendlern. So ist zum Beispiel innerhalb von nur drei Jahren bis Juni 2017 die Zahl der Einpendler nach Weiden um knapp 800 Personen auf fast 18000 angewachsen. Dies bedeutet, dass mehr als zwei Drittel der Beschäftigten in der Stadt Weiden von außerhalb einpendeln. Weiter verfestigt hat sich auch der Charakter der Stadt Weiden als Dienstleistungszentrum.

Knapp 80 Prozent aller Beschäftigten arbeiten in Weiden im Dienstleistungssektor. Das Beschäftigungswachstum des vergangenen Jahres entfiel auch ausschließlich auf diesen Bereich (plus 500 Beschäftigte), während Industrie und Produktion sogar leicht rückläufig waren (minus 45). Allerdings muss die Stadt durch die Dominanz des Dienstleistungsbereichs auch in Kauf nehmen, dass sie vom Exportboom der bayrischen Industrie wenig profitiert. Deswegen liegt das Beschäftigungswachstum insgesamt in Weiden mit plus 1,7 Prozent unter dem bayrischen Durchschnitt von 2,7 Prozent.

Viel Teilzeitarbeit

Und weil im Dienstleistungsbereich die Teilzeitarbeit eine große Rolle spielt entfällt auch knapp die Hälfte des Beschäftigungsgewinns im Stadtgebiet auf Teilzeitarbeitsplätze. Das Wachstum der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung wird von einer fast stagnierenden Zahl der geringfügig Beschäftigten, also der sogenannten Minijobber, begleitet. 8450 gab es davon in Weiden Ende des vergangenen Jahres, gerade einmal 40 mehr als ein Jahr zuvor.

Allerdings gibt es strukturelle Veränderungen innerhalb dieser Gruppe. Rückläufig ist die Zahl der "ausschließlich geringfügig Beschäftigten" (minus 3 Prozent), ansteigend die Zahl der "im Nebenjob geringfügig Beschäftigten" (plus 6 Prozent). Um knapp 100 Personen wuchs auch hier die Zahl der Älteren: Über 65-Jährige mit einem Minijob stiegen auf insgesamt 1230.

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