12.09.2018 - 17:38 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

"Wir brauchen Querdenker"

Die Digitalisierung ist nicht aufzuhalten. Wie mittelständische Unternehmen damit umgehen sollten, darüber diskutieren drei Unternehmer, die sich viel mit diesem Thema beschäftigt haben.

Moderiert durch Florian Wein (Zweiter von links) diskutieren über Digitalisierung im Mittelstand (von links) Florian Schläger, Anton Braun und Reinhold Gietl.
von Siegfried BühnerProfil

Google, Amazon und Facebook hätten in Deutschland keine Chance gehabt, denn sie seien meist nur aus einem Spieltrieb heraus und nicht aus Gewinninteresse entstanden. Deutsche Unternehmer sperrten sich oft gegen Innovationen. "In den USA wird eine Idee sofort in Prototypen umgesetzt, während wir erst einmal einen Plan machen. Querdenker haben in Unternehmen, die auf Gewinn ausgerichtet sind, wenige Chancen." Über diese Feststellungen, hauptsächlich formuliert vom Wirtschaftsclub-Präsidenten Anton Braun, waren sich alle Diskussionsteilnehmer weitgehend einig. Was sich hinsichtlich der Digitaliserung ändern müsse, darüber diskutierten Reinhold Gietl, Werksleiter der Pilkington/NSG Gruppe zusammen Braun, der auch Geschäftsführer der Bizteam Systemhaus GmbH ist sowie dem Inhaber der Agentur Kreativmaleins, Florian Schläger.

Eingeladen hatte die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit/Thomas Dehler-Stiftung. Deren Forenleiter Markas Adeikis begrüßte die Besucher in der OTH in Weiden. „Herausforderung der Digitalisierung im Mittelstand“ war als Thema vorgegeben. „Hindernis für weitere Digitalisierungsprozesse sei vor allem der Mensch“, stellte Gietl fest. Oftmals gelte die „positiv historische Beweisführung: das haben wir schon immer so gemacht.“ Eine Konzernstruktur bildet neue Digitalprozesse meist nicht ab, stellte Gietl auch fest. Er verwies aber auch auf die Grenzen der Digitalisierung. Gesunder Menschenverstand sei erforderlich. Reale Kommunikation dürfe nicht vergessen werden und „junge Menschen sehen beim permanenten Blick auf das Smartphone keinen Vogel mehr“.

Früher habe man auf die Erfahrung von Fachkräften gesetzt, heute gibt es Messgrößen und Sensoren. Wirtschaftsclubpräsident Braun beschrieb das Dilemma zwischen Datenschutz und Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) und der Preisgabe persönlicher Daten in den sozialen Netzwerken. Die DSGVO sei eher ein „Innovationsverhinderer“, stellte Braun fest. Er bezeichnete sich selbst als „Verfechter des Datenschutzes“, doch „wir haben die Mitte noch nicht gefunden“. Europa habe die am weitesten gehende Datenschutzgesetzgebung auf der Welt und Deutschland „lebt diese am intensivsten“.

Die Frage nach der Arbeitsplatzstruktur im Zeitalter der Digitalisierung beantwortete Braun mit dem Satz: „Der Arbeitsplatz der Zukunft ist losgelöst von geografisch stationären Gegebenheiten“. Arbeit definiere sich durch das Ergebnis und nicht durch die geleistete Zeit. Ein Lob formulierte Braun für das Förderprogramm „Digitalbonus“ des Freistaats Bayern. Doch der „Pferdefuß“ seien die langen Bearbeitungszyklen.

Hindernisse im digitalen Transformationsprozess sieht der Marketing- und Kommunikationsagenturleiter Schläger beim Menschen selbst und beim Staat. In vielen Betrieben sei es schon ein Problem, überhaupt über Innovationen zu sprechen und nach dem Internet zu fragen. Noch mehr Handlungsbedarf sieht Schläger beim Staat. Ausschreibungen müssten digitaler werden und es müssten mehr Förderprogramme für Startups geben. Die Regierung sollte Expertenwissen aus der Wirtschaft holen. „Seit dem Jahre 2004 hat sich der Lehrplan der Ausbildung zum Mediengestalter nicht geändert“, kritisierte Schläger.

Moderator der Diskussion war Florian Wein, die Hochschulleitung vertrat Wolfgang Weber, der unter anderem auf die zahlreichen Digitalisierungsprojekte der OTH und die vier neuen Professorenstellen für künstliche Intelligenz an der Hochschule verwies.

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