In schöner Kombination von Text und Musik stellte der Referent Traditionen, Geschichten und Gedichte über die Heimat vor, mal nachdenklich, mal humorvoll, aber immer informativ. Für die musikalische Umrahmung sorgten Franz Harrer mit seiner Diatonischen und Gitarrist Reinhold Dobner, „zwei Drittel der Neistedter Zoiglmusi“.
In diesem Jahr will Erhardt in manche seiner Themen vertiefter einsteigen. So drehte sich diesmal das meiste um das Fest „Mariä Lichtmess“ am 2. Februar. „Wann’s Läichdmess’n wird, is da Auswärts niad weit.“ Die Herrschaft des Winters gehe zu Ende, auch wenn sie heuer gar nicht richtig begonnen habe. Die Sonne scheine schon „eine ganze Stund“ länger als zur Wintersonnenwende und angesichts der länger werdenden Tage drücke sich die Sehnsucht nach Wärme und Licht aus.
Bis 1912 war „Mariä Lichtmess“ im Königreich Bayern ein weltlicher und kirchlicher Feiertag. Damit endete, 40 Tage nach Weihnachten, eigentlich erst die Weihnachtszeit und bis dahin stand früher auch der Christbaum. Nach jüdischer biblischer Tradition galt die Frau nach Geburt eines Knaben 40 Tage als unrein und in dieser Zeit durfte der Tempel nicht betreten werden. Dann wurde der erstgeborene Sohn, so auch Jesus, im Tempel Gott übergeben und durch ein Opfer ausgelöst. Lichtmess komme von „Messe des Lichtes“. Man weihte Kerzen, so auch die schwarze Wetterkerze, die man zum Schutz vor Unwetter anzündete, oder das „Wachsstöckl“, ein in unterschiedlichen Formen gewickelter, oft reich verzierter Kerzenstrang. Aufgrund eines Gelöbnisses wird heute noch der Lichtmesstag in Kastl gefeiert.
Lichtmess war als Beginn des sogenannten Bauernjahrs für Bauern und Dienstboten ein Wendepunkt im Leben. An diesem Tag wurde wieder die Arbeit draußen aufgenommen und es endete das Dienstbotenjahr oder es gab eine Neuverpflichtung für ein weiteres Jahr. Die Mägde und Knechte bekamen den Rest ihres Jahreslohns ausbezahlt und konnten sich eine neue Dienststelle suchen. Sechs Tage um Lichtmess herum waren für die „Ehhalten“, die den Betrieb am Laufen haltenden Dienstboten, als „Schlenkeltage“ (von „schlingeln“) ein kurzer Urlaub. Da ließ man es sich im Dorfwirtshaus mit Essen und Tanz gut gehen, es wurden Lichtmessmärkte abgehalten, die auch als eine Art Stellenvermittlung dienten. Der Knecht schenkte seiner Magd ein Halstuch oder ein Wachsstöckl fürs „Aufbetten“ oder gab ihr für ihre Mühe, während des Jahres Flöhe gefangen zu haben, ein „Flohbier“ aus. Zurückgehend auf eine Legende, wird an Lichtmess oder tags darauf am Fest des Heiligen Blasius im Anschluss an die Liturgie der so genannte „Blasiussegen“ mit zwei über Kreuz geneigten Kerzen gespendet, der das ganze Jahr über vor Halsleiden bewahren soll.














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