07.02.2019 - 16:31 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Buchhandlung "Stangl & Taubald" wird zu Thalia - und zieht um

Schluss mit der Geheimniskrämerei. Einer der ersten Mieter des NOC steht offiziell fest: Es ist die Thalia Bücher GmbH. Sie führt die Traditionsbuchhandlung "Stangl & Taubald" fort.

Alexandra und Martin Stangl kooperieren ab 1. April mit der Thalia Bücher GmbH.
von Simone Baumgärtner Kontakt Profil

Die Tinte unter den Verträgen ist getrocknet, die Mitarbeiter sind in einer Versammlung mit Vertretern der Thalia Bücher GmbH am Mittwochabend über die nächsten Schritte informiert worden, erklärt Geschäftsführer Martin Stangl am Donnerstag im Gespräch mit Oberpfalz-Medien. Damit steht fest: Zum 1. April übergeben er und seine Frau Alexandra Stangl ihre Buchhandlung „Stangl & Taubald“ an Thalia. Für Herbst sei der Umzug auf 350 Quadratmeter ins Erdgeschoss des NOC geplant. „Mein Herz weint, aber die Ratio sagt ganz klar: Das ist das Richtige“, sagt Martin Stangl. Und der 57-Jährige nennt Gründe.

In dritter Generation führen Stangl und seine Frau die Buchhandlung, deren Anfänge bis 1864 zurückreichen. „Im Juni 2018 erhielt ich einen wichtigen Anruf“, sagt Stangl. Der Anrufer erklärte, eine Buchhandlung würde sich im NOC einmieten. „Ich war zunächst schockiert. Es ist völlig unmöglich, drei Buchhandlungen in Weiden zu haben, das gibt der Markt nicht her.“ Neben „Stangl & Taubald“ buhlt die Buchhandlung Rupprecht wenige Meter entfernt um Kunden.

So habe der 57-Jährige begonnen, bei der Konkurrenz auszuloten, was sie vorhat. Thalia habe angeboten zu kooperieren, auf die vielen Chancen verwiesen. Nach einer Bedenkzeit stimmte die Familie Stangl zu – aber nur unter einer Bedingung: „Alle Mitarbeiter werden übernommen.“

Stangl ist künftig Berater

Acht sind es an der Zahl – inklusive Alexandra und Martin Stangl. Thalia willigte sofort ein. „Das war kein Problem, weil wir nur Leute mit Ahnung haben“, sagt Stangl zufrieden. „Denn für mich war das Wichtigste, die Mitarbeiter in eine gesicherte Zukunft überführen zu können.“ Im Gegenzug herrsche im Team „Aufbruchstimmung, alles ist auf positiven, fruchtbaren Boden gefallen“. Stangls Frau Alexandra übernimmt die Filialleitung. Und Martin Stangl? „Ich bleibe der Firma erhalten – als Berater.“ Neue Mitarbeiter, auch Auszubildende, sollen zum Team stoßen. Kurzum: „Thalia ist unser Wunschpartner. Der Zusammenschluss sichert die Zukunft unserer Buchhandlung und die unserer langjährigen Mitarbeiter“, erklärt Stangl in einer Pressemitteilung von Thalia.

Warum aber entschlossen sich Alexandra und Martin Stangl überhaupt zu dieser Kooperation? Stangl nennt drei Beweggründe: „Erstens hat der Familienrat getagt.“ Dabei zeigte sich, die zwei Söhne (beide Betriebswirte) und eine Tochter (Lehramt) kommen als Nachfolger für die Buchhandlung nicht infrage. Zweitens sagt Stangl offen: „Mein Gesundheitszustand ist auch ein Grund.“ Vor eineinviertel Jahren diagnostizierten Ärzte im Weidener Klinikum Krebs bei dem 57-Jährigen. Und drittens sei es betriebswirtschaftlicher Unsinn, zwischen zwei Buchhandlungen zerrieben zu werden. Auch auf die vielen Chancen, die die Kooperation biete, verweist Stangl.

„Das ist mein Lebenswerk“

Thalia sei Marktführer in Deutschland. „Das bietet ganz andere Möglichkeiten, als sie ein inhabergeführter Mittelständler hat.“ Allein die Internetmaschine sei von anderer Qualität, die Zahlung mit Payback sowie ein starker No-Book-Sektor mit Geschenkartikeln, Papeterie und so weiter werden möglich. Zudem bleibe die Sortimentsgestaltung in Weiden, der Schwerpunkt Regionalliteratur erhalten. Allerdings verschwinde der Traditionsname „Stangl & Taubald“ von der Weidener Bildfläche.

„Schlimmer wäre es, wenn die Institution Buchhandlung weg wäre“, kontert Stangl. Zugleich räumt der 57-Jährige ein: „Das ist mein Lebenswerk. Hier drin“ – Stangl pocht mit der Hand auf sein Herz – „da gibt’s schon Tränen. Wir machen das hier schließlich alle mit Herzblut.“ Das lachende Auge aber überwiege. Und mit dem blickten er und alle Mitarbeiter dem 26. September entgegen.

Dem neuen Eröffnungstermin des NOC – der gehalten wird? „Davon gehe ich aus. Es hat so viele Verzögerungen gegeben, dass man davon ausgehen kann, dass wir zum Weihnachtsgeschäft am neuen Standort sein werden.“ Bis dahin bleibt das 400 Quadratmeter große Geschäft wie gewohnt geöffnet.

Hintergrund:

Die Geschichte der Traditionsbuchhandlung "Stangl & Taubald"

Seit 1998 residiert die Buchhandlung „Stangl & Taubald“ im Laden unter der Volksbank. Über ihre Geschichte ist zu lesen: „Der gebürtige Augsburger Edmund Straub eröffnete am 21. September 1864 die erste Buchhandlung in Weiden. 1867 übernahm Gustav Taubald das Geschäft mit Sitz am Alten Rathaus. Am 1.11.1882 leitete Conrad Ogg bis zum Mai 1918 die Geschicke der Firma. In dieser Zeit war der große Sohn der Stadt Weiden Max Reger Stammgast der Buchhandlung Taubald. Einige Werke des Künstlers erschienen im Verlag der Taubaldschen Buchhandlung. Im Jahr 1920 wurde die Buchhandlung an Anton Winkler verkauft, der am 1.1.1946 Tochter Maria Mühlbauer das Geschäft übergab.

Zwischenzeitlich eröffnete Anton Stangl am 10.10.1926 eine weitere Buchhandlung in Weiden, die nach seinem plötzlichen Tod am 26.01.1962 Sohn Dr. Heinrich Stangl weiterführte. Dieser kaufte 1976 die von Alois Belzer am 8.11.1946 gegründete Buchhandlung und gliederte diese ein. Am 1.7.1980 übernahm Stangl die ,Taubaldsche Buchhandlung’ und führte sie als eigenständige Firma am Alten Rathaus weiter. 1989 übernahmen wir – als älteste Buchhandlung der Stadt Weiden – die Buchhandlung Stangl und deren Filiale und zogen in die Stadtmitte. Seitdem firmiert unsere Firma unter ,Stangl & Taubald’.“ Martin und Alexandra Stangl sind in der dritten Generation verantwortlich.

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