21.08.2018 - 13:29 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

CDU-Politikerin fordert Verbot: Spontan unter die Haut

Eine durchzechte Nacht, ein Anflug von Euphorie, Gruppenzwang - schon ist die Entscheidung "Spontan-Tattoo". CDU-Politikerin Gitta Connemann fordert ein Verbot dieser oft "unüberlegten" Eingriffe. Was würde das für Tätowierer bedeuten?

Monatelang wartete Bianca (links) auf den Termin bei Tätowierin Andrea Warnes. Spontan-Tattoos gibt es bei ihr überhaupt nicht, betont die Inhaberin des Studios „Pimp my Skin“ in Neustadt.
von Julia Hammer Kontakt Profil

(juh) "Das würde für mich keinen Unterschied machen. Ich habe sowieso eine Wartezeit von einem halben bis zu einem dreiviertel Jahr", erzählt Andrea Warnes, Inhaberin des Tattoo-Studios "Pimp my Skin" in Neustadt. Die gebürtige Würzburgerin kam vor einigen Jahren "der Liebe wegen" in den Landkreis. Die Liebe verging, "aber ich bin geblieben, weil ich es hier sehr mag". Seit 2016 betreibt sie das Studio im Herzen Neustadts. Ihr Klientel ist "bund gemisch" - von jungen Menschen, die aufgeregt ihrem ersten Tattoo entgegenfiebern bis hin zu "alten Hasen, die schon nicht mehr mitzählen, wie viele sie haben".

Auf der grauen Liege vor ihr liegt die 31-jährige Bianca auf dem Bauch. "Mein 14. Tattoo. Es wird Ganesha, der hinduistische Gott", erzählt die junge Frau, während sie auf ihren "Glücksarm", den bereits ein Marienkäfer und Spielkarten zieren, blickt. "Für mich ist es wichtig, dass die Tattoos eine Bedeutung für meine Kunden haben. Es hält schließlich ein Leben lang. Deshalb muss es gut überlegt sein", betont Warnes. Sie bietet jedem im Vorfeld eine persönliche Beratung an.

Szene im schlechten Licht

"Meistens wissen die Leute aber, was sie wollen und kommen mit genauen Vorstellungen zu mir." Doch auch sie hat Erfahrung mit spontanen Tattoo-Wünschen. "Immer wieder kommen - vor allem Jüngere - in mein Studio und wollen sich sofort tätowieren lassen. Das mache ich nicht. Nicht nur, weil ich lange Wartezeiten habe, sondern auch, damit es der Kunde nicht bereut." Auch Betrunkene würden immer wieder den Weg in ihr Studio finden. "Das kommt nicht in Frage. Ist Alkohol im Spiel, würde ich niemals tätowieren. Das sehen andere leider anders. Es zieht die ganze Szene in den Mist, wenn Tätowierer Betrunkene tätowieren."

Auch Bianca musste lange auf ihren Termin warten. "Doch es lohnt sich. Ich habe mich früher in einem anderen Studio tätowieren lassen. Da habe ich nur zwei Wochen gewartet. Und das Ergebnis war schrecklich. Lange Wartezeiten stehen für gute Qualität. " Für spontane Beratungen ist die Inhaberin von "Pimp my Skin" jeder Zeit zu haben. "Vergangene Woche ist eine 70-Jährige zu mir gekommen. Sie will schon lange ein Tattoo - und jetzt traut sie sich. Sie hat sich lange umgesehen, wir haben geredet. So etwas finde ich toll", erzählt sie und lächelt, während sie die Nadel in eine Kartusche mit schwarzer Farbe taucht, ehe sie an Biancas rechtem Oberarm ansetzt.

Den Arm der Inhaberin zieren bunte Bilder aus "Alice im Wunderland". Noch nicht alle Figuren sind fertig. "Ich bin sehr wählerisch, wenn es darum geht, mich tätowieren zu lassen. Deshalb habe ich den Hasen selbst ausgemalt", erzählt sie und lächelt. Schon immer habe sie das Malen fasziniert, schon immer wollte sie sich in einem kreativen Beruf verwirklichen. "Aber das ist nicht leicht. Ich habe in etlichen Studios mitgearbeitet und so mein Know-How erarbeitet." Und genau darin sieht die 29-Jährige das Problem. "Ich finde es gut, dass Spontan-Tattoos verboten werden. Grundsätzlich sollte aber ein anderer Aspekt dringend angegangen werden. Es muss eine Ausbildung für Tätowierer geben."

Fachliche Ausbildung

Jeder könne ein Gewerbe anmelden, sich ein Tätowier-Set kaufen und sich selbstständig machen. "Ganz egal, wie gut oder schlecht er oder sie ist. Deshalb gilt unser Beruf oftmals immer noch als unseriös und zwielichtig. Wären die Tätowierer aber fachlich ausgebildet, würde das ein ganz anderes - ein professionelleres - Licht auf den Job werden. Das wäre so wichtig." Warnes hofft, dass Deutschland in dieser Hinsicht bald mit anderen Ländern wie "der USA oder Frankreich" gleichziehen werde. Doch was würde in diesem Fall mit Studios passieren, die von nicht ausgebildeten Tätowierern geleitet werden? "Denen müsste man spezielle Schulungen anbieten, damit sie nicht ihre Existenz verlieren. Alles andere wäre fatal."

Es wird Zeit für eine Pause. Seit zwei Stunden arbeitet Warnes an Ganesha. "Ich muss kurz aufstehen. So lange auf dem Bauch zu liegen, ist anstrengend", sagt Bianca, während sie sich vorsichtig aufrichtet, um nicht an das frisch gestochene Tattoo zu kommen. Dann hat sie noch einen Tipp für alle, die sich tätowieren lassen wollen. "Informiert euch gründlich über das Studio. Es ist ein gutes Zeichen, wenn es lange Wartezeiten gibt. Fragt Freunde und Bekannte. Es gibt viele schlechte Studios. Versaut es jemand, bleibt es ein Leben lang."

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