14.12.2018 - 09:38 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Christkindlmarkt: Pöbeleien nach Budenschluss

Sobald die Buden auf dem Christkindlmarkt schließen, wird es ruhig vor dem Alten Rathaus. Falsch - dann "geht es erst richtig ab", weiß Dieter Windisch. Seit Jahren bewacht er mit seinem Team den Platz. Keine ungefährliche Aufgabe.

Hunderte Menschen schlendern täglich über den Weidener Christkindlmarkt. Doch erst nachts geht es dort so richtig rund, weiß Dieter Windisch, Inhaber eines Sicherheitsunternehmens.
von Julia Hammer Kontakt Profil

Windischs Arbeitstag beginnt, wenn es sich viele bereits vor dem Fernseher auf ihrem Sofa bequem gemacht haben. Von 22 Uhr bis 6 Uhr morgens kümmert sich der Inhaber einer Sicherheitsfirma mit seinen Angestellten um Recht und Ordnung auf dem Weidener Christkindlmarkt. Längst hallt dann keine Weihnachtsmusik mehr durch die Buden, die Händler an den Verkaufsständen haben sich in den Feierabend verabschiedet. Ruhig sind die Nächte für Windisch und sein Team trotzdem nicht.

"Vandalismus, Pöbeleien, Diebstähle. Wir erleben alles, was man sich vorstellen kann." Unter der Woche bewache ein Mitarbeiter das Gelände. "Am Wochenende sind wir mindestens zu zweit. Anders würden wir das nicht schaffen." Das Problem: "Es sind so viele Besoffene unterwegs. Das liegt an der nahe gelegenen Diskothek. Die Leute verlieren jegliche Hemmungen."

Sie treten Christbäume um, zerstören Weihnachtskugeln, besprühen Stände mit Graffiti - und das regelmäßig, wie Windisch aus Erfahrung weiß. "Es ist unglaublich. Aber manche nehmen herumstehende Weihnachtsmänner mit und schleppen sie durch die halbe Fußgängerzone. Vermutlich ist ihnen spontan eingefallen, dass sie Zuhause noch keine Weihnachtsdeko haben", sagt Windisch und schmunzelt. Weniger lustig seien die Pöbeleien. "Es ist schwierig, Betrunkene zu beschwichtigen. Deshalb stehen wir immer wieder in Kontakt mit der Polizei. Die kann aber auch nicht immer sofort kommen, die haben genug selbst zu tun. Darum machen wir immer wieder von unserem Jedermannsrecht Gebrauch. Wir halten Leute, die Straftaten begangen haben, fest, bis die Polizei kommt." Doch auch "äußere Umstände" erschweren dem Sicherheitspersonal die Arbeit. "Es ist zum Teil unerträglich kalt. Deshalb habe ich eine Überwachungsbude hinter dem Rathaus aufgebaut. Die ist beheizt. Und wir können uns wenigstens ein paar Minuten dort aufwärmen." Das "schwierigste Wochenende" steht Windisch und seinen Mitarbeitern noch bevor. "Das letzte vor Weihnachten. Die Ferien haben dann begonnen, viele sind in den Kneipen und Diskotheken unterwegs. Da wird es wieder richtig abgehen", sagt Windisch, der dennoch optimistisch bleibt. "So war es in den vergangenen Jahren auch. Wir wissen, wie wir damit umgehen müssen."

Polizei: Probleme, aber keine Gefahr:

Prügeleien und Vandalismus in der Altstadt? Für die Polizei Weiden ist das offenbar Routine, nicht nur in der Weihnachtszeit. „Allwöchentliches Wochenendgeschäft“ nennt Polizeisprecher Mario Schieder die Einsätze. Sachbeschädigungen seien saisonunabhängig. „Im Sommer muss hin und wieder ein Abfalleimer dran glauben. Im Winter kann es auch mal die Deko auf dem Christkindlmarkt sein.“ Er bestätigt den Eindruck des Sicherheitsdienstes, dass die Vergehen mit der nahegelegenen Disko und den Kneipen zusammenhängen. „Die Kneipendichte haben wir in Weiden um das Alte Rathaus rum. So haben wir logischerweise weniger Einsätze etwa in der Max-Reger-Straße, sondern eben dort.“ Am Wochenende vor den Feiertagen fahren die Polizisten dort verstärkt Streife. Doch Schieder beschwichtigt: „Wir haben kein spezielles Sicherheitskonzept. Und keine akute Gefahrenlage, wie bei anderen Weihnachtsmärkten. Da können wir schon froh sein.“ Es bestehe auch kein direkter Kontakt zur Security, sie rufe bei Problemen die 110. (blu)

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