17.05.2020 - 13:13 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Corona-Demo in Weiden: Schuhmacher vergleicht Schutzmaßnahmen mit Apartheid

Erneut meditieren und beten Bürger für Grundrechte im Max-Reger-Park. Ihr Protest gegen die Beschränkungen zum Schutz vor Corona bleibt friedlich. Doch der Ton wird schärfer.

von Helmut KunzProfil

„Der Protest für unsere Grundrechte geht weiter“, erklärte Sonja Schuhmacher am Samstagnachmittag im Max-Reger-Park. Rund zwei Dutzend Meditationsteilnehmer hatten sich zum Sit-In vor dem Pavillon eingefunden – bewacht von einem Polizei-Großaufgebot. „Wir machen dies so lange, bis die Corona-Einschränkungen aufgehoben sind", sagte die Stadträtin. Meditation und Gebet für die Grundrechte blieben friedlich. Vereinzelte spontane, unangemeldete Aktionen gab es hingegen in der Innenstadt. Die Polizeibeamten schritten ein.

Eine schrille Einlage bot im Park ein bunt kostümiertes „Fernsehteam“ von „Mars TV“, das provozierend die Meditationsrunde aufs Korn nahm und mithilfe einer Papp-Kamera und einem Schneebesen-Mikrophon die Szene auf einen mit Silberfolie umwickelten Bilderrahmen-Bildschirm übertrug. Schuhmacher: „Wir haben die nicht eingeladen.“

Obwohl die Erkrankungswelle laut Zahlen des Robert-Koch-Instituts längst abgeflaut sei, könne es den Bürgern blühen, dass die Unverletzlichkeit der Wohnung von der Polizei verletzt werde, wenn Freunde eingeladen würden, unterstrich Sonja Schuhmacher die Bedeutung der von ihr als Privatperson ins Leben gerufenen Veranstaltung. „Kinder, die am wenigsten gefährdete Gruppe, werden gezwungen, in der Schule Mundschutz zu tragen, obwohl das ihre Lungen schädigen kann.“ Man rede ihnen Angst ein, sie könnten ihre Eltern und Großeltern anstecken. „Obwohl ungeklärt ist, ob sie symptomfrei überhaupt andere anstecken können.“ Die Mundschutzpflicht und andere noch aufrechterhaltene Maßnahmen seien unverhältnismäßig und ungeeignet, um gefährdete Personen zu schützen, zu deren Schutz die im Infektionsschutzgesetz von 2001 vorgesehenen Maßnahmen wie Hygiene- und Abstandsregeln ausreichten.

„Das heißt, wenn wir eine Grippe haben, gehen wir nicht zu nah an Oma und Opa heran oder besuchen sie in den nächsten 14 Tagen nicht.“ Dies bedeute nicht, dass man als Gesunder keinen Kontakt mehr zu anderen Menschen aufnehmen dürfe. „Der nun geplante Immunitätsausweis sieht vor, Menschen, die sich und ihre Kinder nicht mit einem im Schnellverfahren getesteten Impfstoff impfen lassen, von sozialen Kontakten, sozialen Berufen und Veranstaltungen auszuschließen. Das grenzt an ein Apartheidsystem."

Weiden in der Oberpfalz

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Kommentare

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Rathaus Gemeinde Altenstadt a.d.Waldnaab

Nachdem ich den Bericht in der Samstagszeitung gelesen habe, war ich entsetzt und habe es zutieft bedauert den Grünen bei letzten Stadtratswahl einen Teil meiner Stimmen gegeben zu haben.
Wolfgang Zwack

19.05.2020
Gerhard Stahl

Vielleicht sollten Frau Schuhmacher und die anderen teilnehmenden Bürger lieber beten, dass sie nicht angesteckt werden und erkranken, wie eine Freundin unserer Familie, die seit drei Wochen in dauerndem Auf und Ab und mit ständig wechselndem Fieber in Hessen im Krankenhaus liegt. Sie hatte nur sehr wenig Kontakt zur Außenwelt, aber trotzdem hat sie "das Virus" erwischt. Wenn Sie, Frau Schuhmacher, dann auch im Krankenhaus liegen mit Fieber, vielleicht auch mit Beatmung u.a. , können Sie nicht mehr demonstrieren, sondern Sie wünschen sich möglicherweise, dass die Person, die Sie angesteckt hat, alle Schutzmaßnahmen befolgt hätte.

Wo sind denn unsere Grundrechte gefährdet? Das waren sie nie, sondern nur eingeschränkt, zunächst mehr, jetzt nur noch ein bisschen, um ein höheres Grundrecht aller Bürger unseres Landes, das der körperlichen Unversehrtheit, zu schützen. Das jetzt so vehement geforderte Grundrecht auf Meinungsfreiheit war nie von Einschränkungen betroffen- nur die Versammlungsfreiheit war/ist eingeschränkt - und damit kann man sicherlich ein paar Wochen leben. Demonstrationen deshalb gefährden genau dieses Grundrecht auf Unversehrtheit aller.

Dass die Pandemie bei uns bis jetzt so glimpflich verlaufen ist, ist sicherlich zum großen Teil den getroffenen Massnahmen und Beschränkungen zu verdanken.
Wie würden Sie tönen, wenn das bisher nicht so verlaufen wäre, nämlich von Unfähigkeit des Staates, der Gesundheitsbehörden, der Gesundheitsminister, der Landesregierungen usw.
Lesen Sie mal Berichte von etwa Ende März/Anfang April aus Italien (z.B. Bergamo).

17.05.2020
papa joe

Das die "Pandemie" bei uns so glimpflich verlaufen ist zeigt doch, dass wir entweder dank göttlicher Fügung oder durch großes Glück noch einmal davon gekommen sind? Falls Sie das tatsächlich glauben sollten habe ich Neuigkeiten für Sie, wir waren weder gut vorbereitet noch wurden notwendige Maßnahmen rechtzeitig ergriffen! Es gab weder Masken noch andere notwendige Schutzkleidung in ausreichender Menge und für Notfälle bereit liegend, ganz zu schweigen von einem echten "Plan". Da wurde mit einer mächtigen Kanone geschossen, ohne auf Kollateralschäden jeglicher Art zu achten. Jede Dorffeuerwehr ist da besser auf Katastrophen vorbereitet und löscht nur da, wo es auch brennt! Übrigens habe ich Verwandtschaft in Zentralasien und exakt die Symptome, die Covid-19 kennzeichnen, sind da schon im Herbst letzten Jahres aufgetreten. Und wenn man in der Lage ist, sich tatsächlich umfassend zu informieren kann man schnell herausfinden, das die Länder mit den meisten Todesfällen auch die sind, die am wenigsten Krankenhausbetten pro Einwohner verfügbar haben. In Norditalien z. B. müssen katastrophale Verhältnisse geherrscht haben und das hat sicher einen nicht kleinen Anteil an diesem Drama. Komplexe Systeme neigen dazu, zu kollabieren, wenn eine kritische Grenze überschritten wird und das ist da passiert. Hätten die Lobbyisten der Bertelsmann-Stiftung Erfolg gehabt und die 1400 Krankenhäuser auf 600 reduziert würden wir sicher auch nicht viel besser dastehen. Verstehen sie den Begriff Ursache und Wirkung? Ein schlecht gewartetes altes Fahrzeug wird im Falle einer Notbremsung immer ein Problem haben. Und auf Grund all der Versäumnisse in der Vergangenheit werden jetzt in meinen Augen extreme und zum Teil auch völlig sinnfreie Maßnahmen ergriffen. Alleine die "Lockerungen" und die damit verbunden Auflagen für die Gastronomie sind doch ein Witz. Mann muss also für ein Bier im Freien seine Kontaktdaten angeben?! Wir hatten nur deshalb so "wenig" Tote zu beklagen, weil das Virus nicht annähernd so tödlich ist, wie einem ständig und von allen Seiten eingeredet wird!

18.05.2020
Dr. Jürgen Spielhofen

Wenn ich mir diese Mars-TV-Inszenierung so betrachte, dann fällt mir spontan Artikel 1 des Grundgesetzes ein: "Die Würde des Menschen ist unantastbar". Dies hat - ganz unabhängig von politischer Couleur - auch für Frau Schumacher zu gelten. Punkt!

17.05.2020
Reinhard Schieder

Bravo Fr. Schuhmacher. Schon wieder setzt sich die AFD für Sie ein.

An Hr. Spielhofer:
Dass die AFD auf Artikel 1 pocht ist ja wohl ein grandioser Witz:
Ich darf dabei beispielsweise nur an die pauschale Verunglimpfung von Flüchtigen als "Messermänner" oder "Kopftuchmädchen" durch die AFD erinnern. Oder die Androhung einer "Entsorgubg nach Anatolien". DAS VERSTÖSST GEGEN DIE MENSCHWÜRDE.

Eine harmlose satirische Aktion hingegen sicher nicht.
Oder wie sehen Sie das Fr. Schuhmacher.? Sind sie auch der Ansicht der AFD?

18.05.2020
Reinhard Schieder

Fr. Schuhmacher scheint auf einem anderen Planeten zu leben oder sich zumindest dorthin zu fantasieren.
Tolle Aktion das Mars TV vorbei zu schicken :-)

17.05.2020
Tobias Punzmann

Vielleicht sagt mal jemand der guten Frau, dass die großen Unterschiede zur Grippe die sind, dass man diese recht schnell nach Infektion bemerkt und sich entsprechend verhalten kann, dass es eine Impfung dagegen gibt, dass es Behandlungsmöglichkeiten dagegen gibt und dass sie bei Menschen, die durch bestimmte Vorerkrankungen oder ihr Alter bereits geschwächt sind, nicht mit einer so hohen Wahrscheinlichkeit zum Tode führt.
Freilich ist das Tragen eines Mundschutzes nicht gerade angenehm, vor allem, wenn man ihn nicht nur mal schnell eine halbe Stunde zum Einkaufen oder beim Arzt trägt. Genauso ist er sicher nicht das Allheilmittel gegen eine Ansteckung, die eigene oder die anderer. Aber er ist sicherlich als ein Baustein der Maßnahmen weitaus mehr hilfreich als schädlich.
Eine Impfpflicht - sollte es denn einmal ein Serum geben - oder ein Immunitätsausweis werden so wohl eh nicht kommen. Allerdings ist zu erwarten, dass dies implizit der Fall sein wird. Wer in ein Flugzeug steigen oder eine bestimmte Tätigkeit ausüben will, kann durchaus damit rechnen, dass ein Impf- oder Immunitätsnachweis vorgelegt werden muss. Gerade wenn es zur Berufsausübung notwendig ist, ist dies natürlich nicht mehr ganz so freiwillig. Allerdings gilt dies schon seit langem für bestimmte Impfungen und Berufe. Genauso wie für Reisen in bestimmte Länder schon immer bestimmte Impfungen notwendig sind. Also nix neues.

Etwas Nachhilfe zur Situation der nichteuropäischstämmigen Bevölkerung in Südafrika während der Apartheid täte Frau Schumacher auch mal gut. Würde das dort jetzt während der noch viel strengeren Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie jemand in der Art äußern, würde es den bei uns oft geäußerten Holocaust-Relativierungen ähneln. Knallharte Verharmlosung von Rassismus also!

Daumen hoch übrigens für die begleitende satirische Aktion!

17.05.2020
papa joe

Sehr geehrter Herr Punzmann, wer glauben Sie denn zu sein, um mit solch abwertenden Formulierungen wie "der guten Frau" über Frau Schuhmacher urteilen zu müssen. Beim Thema Grippe wundert es mich doch, das wir bisher in schöner Regelmäßigkeit tausende Todesfälle hingenommen haben, ohne auch nur mit der Wimper zu zucken? Oder haben Sie bei der schlimmen Grippewelle in 2017/18 etwa dafür gekämpft, die Krankenkassen dazu zu bewegen, den besseren 4-fach Impfstoff als Kassenleistung frei zu geben? Da wurden jede Menge Impfungen wieder besseren Wissens mit dem 3-fach Impfstoff durchgeführt, um zu sparen! Das hat mit Sicherheit viele Menschen das Leben gekostet, da der 4-fach Impfstoff einen deutlich höheren Schutz geboten hätte. Hat aber keinen interessiert, schon gar nicht solche "Gutmenschen" wie Sie, die jetzt auf Teufel komm raus den pösen Virus dahin schicken möchten, wo die Sonne nicht scheint. Und eine echte Influenza ist, besonders für die Risikogruppe, genau so wenig lustig wie Covid-19, was ihnen der Mediziner ihrer Wahl sicher bestätigen wird. Wenn man also bei Covid-19 solch extreme Maßnahmen ergreift, dann müsste man eigentlich jetzt Konsequenterweise bei der Influenza nachziehen. Oder sind die vielen Toten durch Influenza weniger Wert als die durch Covid-19? Und nur so am Rande, die Influenza-Schutzimpfung ist selbst in der wirksamsten Variante weit von 100% entfernt. Dazu gibt es Kontraindikationen, nachlassende Wirkung über die Zeit und bei häufigerer Impfung, nachlassende Wirkung im Alter sowie nicht unerhebliche Nebenwirkungen. Ob das bei einer eventuell irgendwann zur Verfügung stehenden Sars-Cov2 Schutzimpfung viel anders sein wird ist mehr als fraglich. Also was nun? Schwedens Regierung hat übrigens gerade angekündigt, 10000 Stellen im Gesundheitswesen zusätzlich zu schaffen. Hierzulande streitet man sich dagegen noch um einen einmaligen Bonus von 1500€ für einen kleinen Teil der hart arbeitenden Menschen in den fraglichen Berufen.

18.05.2020