16.05.2020 - 07:50 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Weidener Stadträtin Sonja Schuhmacher verteidigt Corona-Demo

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Sonja Schuhmacher meldet Kundgebungen gegen Corona-Maßnahmen und für Grundrechte an. Auf ihrer Facebook-Seite teilt die Stadträtin Inhalte, die als verschwörungstheoretisch und rechtslastig kritisiert werden. Ein Interview.

Stadträtin Sonja Schuhmacher stellt sich im Interview mit Oberpfalz-Medien auch dem Vorwurf, dass sie Inhalte aus dem rechten Spektrum auf ihrer Facebook-Seite teilt.
von Beate-Josefine Luber Kontakt Profil

Die ehemalige Oberbürgermeisterkandidatin, aktuelle Grünen-Stadträtin und Ortsgruppen-Vorsitzende von Bund Naturschutz teilt verschwörungstheoretische Inhalte aus dem rechten Spektrum? Diesem Vorwurf sieht sich Sonja Schuhmacher auf ihrer Facebookseite ausgesetzt, auf der die 60-Jährige Stadträtin fast täglich Links von Online-Medien teilt, die Corona-Maßnahmen kritisieren.

ONETZ: Bei der Vorbesprechung betonten Sie, dass Sie beim Interview keinen Mundschutz tragen. „Da fühle ich mich, als hätte ich einen Maulkorb“, war Ihre Begründung. Was meinen Sie damit?

Sonja Schuhmacher: Ich habe mit meinem Hausarzt und anderen Ärzten geredet. Dieser Mundschutz ist nicht zweckdienlich, wenn man nicht selbst krank ist. Den Mundschutz den ganzen Tag zwangsweise zu tragen, ist schädlich. Man bekommt zu wenig Sauerstoff.

Masken sind völlig ungefährlich - sagen Ärzte.

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ONETZ: Und wenn nur die geringste Möglichkeit besteht, dass ich dadurch Leben retten kann?

Sonja Schuhmacher: Sogar das Robert-Koch-Institut hat in einer Empfehlung abgeraten, Masken zu tragen. Bestimmte Standpunkte kommen an die Öffentlichkeit, andere jedoch nicht.

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ONETZ: Von Mitgliedern der Grünen und des Bund werden sie hart kritisiert für Ihre Einträge auf Facebook. Denken Sie, Sie sind noch gut aufgehoben bei diesen Organisationen?

Sonja Schuhmacher: Das denke ich durchaus. Die Krise wird vorbeigehen, die Diskussion wird weitergehen. Ich denke, das liegt daran, dass die Öffentlichkeit nicht ausreichend informiert ist und die Debatte gerade erst anfängt über die Sinnhaftigkeit der Maßnahmen.

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ONETZ: Gibt es Leute von den Grünen oder aus der Fraktion, die ihrer Meinung sind?

Sonja Schuhmacher: Ja, der neue Stadtrat Helmut Schöner von der ÖDP veranstaltet jetzt selbst eine Mahnwache am Samstag. Ich würde sagen, Karl Bärnklau und Gisela Helgath sind vermittelnd. Es ist keinesfalls so, dass ich jetzt da allein gegen eine Mehrheit der Fraktion stehe.

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ONETZ: Wollen Sie sagen, dass Leute, die die Maßnahmen akzeptieren, nicht gut informiert sind?

Sonja Schuhmacher: Ich denke, dass die Mehrheit der Bevölkerung nicht gut informiert ist. Ich will nicht sagen, nur ich habe Recht. Die wichtigste Forderung ist, dass die Medien andere Meinungen zu Wort kommen lassen und ein unabhängiges Expertengremium einberufen wird. Letztendlich werden sich die Gerichte, auch das Verfassungsgericht und ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss, damit beschäftigen müssen.
Mein Mann ist letztes Jahr an einer schweren Lungenentzündung verstorben. Er hatte Vorerkrankungen, war sieben Wochen auf der Intensivstation. Ich war jeden Tag bei ihm. Ich war bei ihm, als er gestorben ist. Und all das war uns verboten während dieser Pandemie. Solche Verbote sind unmenschlich.
Zahlreiche Experten sind im Auftrag eines Referenten des Innenministeriums zu dem Schluss gekommen: „Es sterben an Corona im Wesentlichen die Menschen, die statistisch dieses Jahr sterben, weil sie am Ende ihres Lebens angekommen sind.“ Es gibt nicht nur das Coronavirus, an dem ein vorerkrankter Mensch stirbt. Ich habe bei meinem Mann erlebt, dass angesichts der vielen auch multiresistenten Erreger dieser Kampf verloren werden kann.

ONETZ: Sie sagen also, die Leute wären so oder so gestorben, auch ohne Coronavirus? Das erinnert an die Worte von Boris Palmer.

Sonja Schuhmacher: Ja etwas Ähnliches hat er auch gesagt, nur mit sehr unschönen Worten, das hätte ich nie so ausgedrückt. Doch die Kollateralschäden der Krise werden unter Umständen die Todesfälle durch die Coronaerkrankung bei weitem übersteigen. Weil etwa 2,5 Millionen Menschen wegen Corona nicht operiert werden. Vorsorge- und Nachsorgeuntersuchungen unterbleiben. Angsterkrankungen und Verhaltensstörungen bei Kindern steigen.

ONETZ: Was sagen Sie Ärzten und Pflegern am Weidener Klinikum, die durch Pandemie an ihre Grenzen gekommen sind?

Sonja Schuhmacher: Wir sind strukturell schlecht aufgestellt für solche Krisen, weil die Vollfinanzierung des Gesundheitswesens aufgehoben wurde. Das Weidener Klinikum wäre vielleicht nicht an seine Grenzen gekommen, wenn die anderen Häuser nicht kaputt gespart worden wären.

Corona ist nicht schlimmer als eine Grippe? Weit gefehlt - ein Klinik-Professor redet Klartext.

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ONETZ: Die Studie, die Sie angesprochen haben, ist dem Internetblog „Tichys Einblicke“ entnommen, das als rechtsgerichtet gilt. Auch haben Sie auf Ihrer Facebook-Seite ein Video geteilt von einem Blog „Politically Incorrect“, der auch islamfeindliche, rechtsgerichtete Inhalte verbreitet. Ken FM steht auch in der Kritik, sich der rechten Szene anzubiedern.

Sonja Schuhmacher: Was ich oft teile, sind die Beiträge von Ken Jebsen. Da bin ich der Meinung, dass er einer Rufmordkampagne zum Opfer fällt. Die Quelle von „Politically Incorrect“ habe ich nicht recherchiert. Dazu stehe ich jetzt nicht mehr. Das kann auch mal passieren, dass man schnell mal etwas teilt, weil man diesen einen Inhalt gut findet. Ohne gleich zu prüfen: Haben die früher mal was geschrieben, was ich ablehne. Bei Tichy habe ich recherchiert und er ist ein kompetenter Journalist. Natürlich teile ich die neoliberalen, rechtsgericheteten Ansichten von Tichy nicht, aber hier hat er wertvolle Quellenarbeit geleistet. Man muss darauf zurückgreifen, weil die Leitmedien sich bisher der Sache noch nicht angenommen haben.
Immerhin greift er die Bundesregierung an und die Bundesregierung ist neoliberal und quasi neurechts. Die machen eine verheerende Klimapolitik, im Schatten der Krise wird alles Mögliche durchgedrückt, wo sonst großer öffentlicher Protest wäre. Fridays for Future und Extinction Rebellion sind mundtot gemacht. Das sind die Probleme. Nicht, ob ein freier Journalist schon einmal was gepostet hat, was mir nicht gefällt.

ONETZ: Sie teilen Inhalte der neuen Protestpartei „Widerstand 2020“. Deren Position ist, dass Covid-19 eine staatliche Propaganda-Erfindung sei, die dazu dient, die Bürger willkürlich in ihrer Freiheit einzuschränken. Stimmen Sie zu?

Sonja Schuhmacher: Da gebe ich die Karte zurück an den investigativen Journalismus. Das ist eine Frage, die im Raum steht. Ich maße mir nicht an, dass ich die Antwort darauf weiß.

Bericht von der Demo "für Grundrechte" am 9. Mai in Weiden

Weiden in der Oberpfalz

ONETZ: Auch die Demo in Weiden am vergangenen Samstag steht wie viele sogenannte Hygienedemos im Vorwurf, Verschwörungstheoretikern und Neurechten eine Plattform zu bieten.

Sonja Schuhmacher: Ich habe die Organisatoren der Demo inzwischen kennengelernt (Ilkay Gebhardt und Rainer Beer, Anm. der Red.) Das sind Leute, die sich erstmals politisch engagieren und völlig vor den Kopf gestoßen sind, dass sie in eine rechte Ecke gestellt werden. Das hat mich erschüttert. Also ich sehe das so. Bei den WAA-Protesten, dem Widerstand gegen die atomare Wiederaufbereitungsanlage in Wackersdorf, hat uns Franz Josef Strauß als „Ratten und Schmeißfliegen“ bezeichnet. Heute bezeichnet man Kritiker als Verschwörungstheoretiker und versucht sie damit mundtot zu machen.

ONETZ: Wenn auf Ihrer Kundgebung Leute mit rechtspopulistischen Positionen auftauchen, was machen Sie dann?

Sonja Schuhmacher: Das ist einer der Gründe, warum wir schweigend und gewaltfrei demonstrieren. Damit die Rechten auf ihre Parolen verzichten.

Landrat Andreas Meier hat keinerlei Verständnis für Demonstranten gegen die Corona-Maßnahmen.

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Kommentare

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Dr. Jürgen Spielhofen

Hasskommentare wie die von anderen Kommentatoren hier werden Sie von mir nicht lesen!

18.05.2020
Reinhard Schieder

Bitte keine weiteren Phrasen:
Von was reden Sie denn? Kritik ist kein Hass. Ich hoffe
Fr, Schuhmacher sieht das auch so?!

Im Übrigen warne ich hier davor, der Phrasendreschrei von Hr. Spielmann auf den Leim zu gehen.
Er hat sich z.B. mit Hr. Höcke im Zuge des sogn "Kyffhäusertreffens" des rechtsradikalen Flügels der AFD ablichten lassen und von einer "gelungenen Veranstaltung" schwadroniert.
Diese Informatio kann jeder leicht googeln. Dann weiss man, mit wem man es hier zu tun hat.

18.05.2020
Dr. Jürgen Spielhofen

Könnten Sie den Lesern hier vielleicht mal erklären, was die Teilnahme eines mir unbekannten Herrn Spielmann (Leseschwäche?) am Kyffhäuser-Treffen mit den fortgesetzten Beleidigungen von Frau Schumacher zu tun hat?

Übrigens: die Veranstaltung war tatsächlich gelungen: keine Linken und Grünen dabei, sondern gestandene Leute, die ihr Ego nicht nur aus einer Parteikarriere speisen.

18.05.2020
Reinhard Schieder

Namen von AFD Mitgliedern präge ich mir ungern ein. Deswegen der Fauxpas.
Sie haben es ja soeben auch bestätigt, dass Sie derjenige sind für den ich Sie halte.

Von welchen Beleidigungen sprechen Sie denn? Es liegt mir nichts ferner als Fr. Schuhmacher zu beleidigen.
Dennoch, Verschörungstheorien und rechtem Hass Vorschub geleistet zu haben, dieser Kritik muss sie sich stellen. Ich denke auch, dass sie das tun wird.

Zu den "gestandenen Leuten": Meinen Sie damit Höcke und Kalbitz. Dann hätten Sie auch sagen können "Faschisten" oder "HDJ Freunde" oder auch "Verfassungsfeinde". Individuuen die eine 180 Grad Kehrwende in der der Erinnerungskultur fordern. Hitler, Hokaust und Vernichtungskrieg sollen für gut befunden werden. Was für ein Irrsinn.
Ach... ich vergass. Sie waren ja dabei und voll des Lobes für die "gelungene Veranstaltung" mit anschliessendem Erinnerungsfoto zusammen mit Höcke.

18.05.2020
Dr. Jürgen Spielhofen

"Hitler, Hokaust und Vernichtungskrieg sollen für gut befunden werden. Was für ein Irrsinn."

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In der Tat: solche Unterstellungen sind Irrsinn, ein aufgebauschter Popanz zur Rechtfertigung der eigenen politisch-ideologischen Existenz!

Was Frau Schumacher betrifft: sie nimmt lediglich ihr Recht auf freie Meinungsäußerung wahr und darin würde ich jeden und jede unterstützen! Mit rechts/links hat das nichts zu tun und schon gar nicht mit dem Verbrecher Hitler, dessen Aufstieg mit der Gleichschaltung der Presse und der Unterdrückung der Meinungsfreiheit begann.

19.05.2020
Reinhard Schieder

Popanz?
Ich sag's nochmal: Höcke fordert eine HUNDERT-ACHZIG-GRAD Wende in der Erinnerungskultur.
Das ist ein Schlag ins Gesicht für alle Holocaust Überlebenden, aller Gegener des Nazi Regimes und für alle aufrechten Demokraten.

Ich bin's leid mit Ihnen und Ihresgleichen zu sprechen.
Mich freuts, dass der Verfassungsschutz endlich aktiv wurde.

Fr. Schuhmacher wird sich über die vergiftete Zustimmung von Ihrer Seite sicher freuen.

19.05.2020
Dr. Jürgen Spielhofen

"Ich bin's leid mit Ihnen und Ihresgleichen zu sprechen."
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Niemand hat Sie dazu gezwungen. Sie können es immer noch lassen.

19.05.2020
Philip Lobenhofer

Der letzte Satz im Interview bedeutet im Klartext : Nazis auf der Demo sind okay, solange sie nicht rumgrölen. Frau Schuhmacher hat ein Tabu gebrochen, der Fraktionsausschluss ist absolut zwingend. Wir brauchen keine Querfront gegen die Vernunft, sondern eine Volksfront gegen den Faschismus. Kein Fußbreit den Kollaborateuren!

17.05.2020
Tobias Punzmann

Die Veröffentlichung dieses Interviews an prominenter Stelle im hiesigen "Mainstream-Medium" widerlegt doch schon die irrige Annahme, dass die Medien andere (und noch so absurde) Meinungen nicht zu Wort kommen lassen. Ganz im Gegenteil haben durchgeknallte Irre wie Naidoo, Hildmann et al derzeit mehr Aufmerksamkeit - auch abseits der "Alternativen Medien", welche im Gegensatz zu seriösen Medien beanspruchen, im Besitz der Wahrheit zu sein, als Virologen, einschlägige Institute und Wissenschaftler anderer beteiligter Disziplinen. Die Gerichte befassen sich bereits damit und haben bereits zahlreiche Maßnahmen als illegal beurteilt und die Verantwortlichen zum Zurückrudern gebracht.

Außerdem glaube ich niemanden, der länger als zwei Tage "im Internet" ist, nicht zu wissen, worum es sich bei Medien wie die hier genannten "Tichys Einblicke", "Politically Incorrect" oder "KenFM" handelt.

Es ist verständlich, wenn sich jemand an jede Nachricht klammert, die einem verspricht, dass die aktuelle Situation doch nicht gefährlich ist und die Maßnahmen unbegründet sind und dann gleich noch eine einfache Erklärung dafür mitbringt, die einzelne Bösewichte benennt, gegen die man seinen Zorn richten kann. Mir geht es selbst nicht anders. Allerdings werde ich dann immer wieder recht schnell von der Realität eingeholt und merke dann, dass Pippi-Langstrumpf-Denken in so einem Fall nicht weiterhilft. Die Welt wird nicht besser, wenn man einfach nur an das glaubt, was einem grad so in den Kram passt, obwohl es komplett absurd ist.

Es gibt genug berechtigte und vernünftige Gründe, die einschränkenden Maßnahmen, deren Verhältnismäßigkeit und deren Legalität zu kritisieren und dagegen zu demonstrieren. Dazu man man keine Verschwörungsgeschichten heranziehen oder mit einer obskuren Querfront aus Rechtsextremen, Staatsfeinden, Schwurblern und anderen obskuren Existenzen Allianzen schmieden.

Es ist schade, dass Frau Schuhmacher andere ihrer Anliegen, für die sie von ihren Wählern in den Stadtrat gewählt worden ist, damit diskreditiert.

16.05.2020
Tobias Nickl

Kommt immer darauf an wie die Fragestellung ist.
Neutral wäre etwas besser.

16.05.2020