29.01.2020 - 16:38 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Corona: "Kein Grund zur Panik"

Wie groß ist die Gefahr, dass es durch das Coronavirus in Deutschland zu einer Epidemie kommt? Doktor Werner Heinz, Facharzt für Infektiologie am Klinikum Weiden, beruhigt.

Im Institut für Hygiene und Angewandte Immunologie der Medizinischen Universität Wien führt ein Mitarbeiter Laboruntersuchungen zur Abklärung des Coronavirus durch.
von Wolfgang Fuchs Kontakt Profil

Täglich erreichen uns neue Meldungen aus China zum Coronavirus. Nachdem es nun auch einige Infizierte in Bayern gibt, steigt die Furcht, dass das Virus außer Kontrolle geraten könnte. Wir haben mit dem Facharzt für Infektiologie, Doktor Werner Heinz, gesprochen.

ONETZ: Herr Doktor Heinz, wie schätzen Sie die Gefahr einer Ausbreitung des Coronavirus in Bayern ein?

Doktor Werner Heinz: Aus meiner Sicht ist eine größere Ausbreitung bei uns aktuell nicht zu erwarten. Es ist nicht nachgewiesen, dass das Coronavirus gefährlicher ist als die Influenza-Grippe.

ONETZ: Gibt es eine einheitliche Vorgehensweise, wenn neue, noch unerforschte Viruserkrankungen wie das Coronavirus auftreten? Welche Schwierigkeiten können dabei auftreten?

Doktor Werner Heinz: Zunächst muss man eine neue Viruserkrankung als solche erkennen. Dann gilt es, ihre Eigenschaften und Verbreitungswege herauszufinden. Dabei ist es wichtig, Panik in der Bevölkerung zu vermeiden, denn die ist in aller Regel unangebracht und nicht hilfreich. Bei einem neuen Virus stellt sich zudem immer auch die Frage, wie relevant er eigentlich ist, wie er sich überträgt und wie sich eine Übertragung eindämmen lässt.

ONETZ: Wie relevant ist das Coronavirus für Bayern?

Doktor Werner Heinz: Das Coronavirus hat in Bayern momentan keine besonders erhöhte klinische Relevanz, auch wenn mittlerweile Einzelfälle aufgetreten sind. Wie sich das weiter entwickeln wird, ist natürlich rein spekulativ. Wir wissen noch recht wenig aus erster Hand. Eine Verbreitung ist grundsätzlich immer möglich. Aber man ist in Europa diesbezüglich sehr aufmerksam.

Für den Infektiologen Doktor Werner Heinz vom Klinikum Weiden ist eine größere Ausbreitung des Coronavirus in Deutschland nicht zu erwarten.

ONETZ: Wie meinen Sie das?

Doktor Werner Heinz: Auf europäischer Ebene überwacht das Europäisches Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) und in Deutschland das Robert-Koch-Institut (RKI) das Auftreten dieser und anderer Infektionserkrankungen. Das RKI hat sehr schnell eine Empfehlung herausgegeben, bei welchen Situationen an eine Coronavirusinfektion zu denken ist und wie vorzugehen ist. Um eine Verbreitung in Deutschland zu verhindern, ist es wichtig, diese Fälle früh zu erkennen, sie zu isolieren und Hygienemaßnahmen konsequent einzuhalten. Dies konnte bisher nach meiner Kenntnis sehr erfolgreich umgesetzt werden. Für den Verdacht einer Infektion durch das Coronavirus müssen zwei Vorraussetzung erfüllt sein: 1. Ein typisches Krankheitsbild mit Beschwerden wie Fieber oder Atemwegsproblemen und zwingend erforderlich 2. ein Übertragungsweg, also ein gerade zurückliegender Aufenthalt im Risikogebiet oder der Kontakt mit einer Person, welche nachgewiesen an Coronavirus erkrankt ist. Sollten beide Punkte erfüllt sein ist ein Arzt zu kontaktieren. Hier ist zu prüfen ob der Verdacht begründet ist und nur dann sind in Absprache mit dem Gesundheitsamt eine gezielte Untersuchung und ggf. auch weitere Maßnahmen einzuleiten.

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ONETZ: Was raten Sie Menschen, die Fieber und Gliederschmerzen haben?

Doktor Werner Heinz: Kein Grund zur Panik. Wenn jemand grippeähnliche Erscheinungen hat, dann ist das höchstwahrscheinlich auch die Grippe. Man sollte nicht vergessen: Bei uns ist zur Zeit Grippewelle. Die Influenza (Grippe) ist in Deutschland ein Problem, das Coronavirus nicht. Wir im Klinikum erwarten keine Patienten mit Coronavirus. Im Fall der Fälle wären wir aber vorbereitet.

ONETZ: Wie ist das Klinikum in Weiden vorbereitet?

Doktor Werner Heinz: Wir verfügen über Einzelzimmer mit einer Schleuse, um die Patienten zu isolieren. Für das Krankenhauspersonal gibt es Schutzkleidung, durch die es vor Ansteckung geschützt ist. Der Patient darf das Zimmer nicht verlassen, solange er infektiös ist.

ONETZ: Wie werden Patienten mit Infektionskrankheiten behandelt?

Doktor Werner Heinz: Gegen Virusinfektionen hilft kein Antibiotikum. Für die Behandlung einzelner Viren (z.B. Grippevirus) stehen Medikamente zur Verfügung. In allen anderen Fällen behandeln wir unterstützend symptomatisch, also je nach Beschwerdebild. So gilt es etwa, zusätzliche bakterielle Infektionen, wie zum Beispiel eine bakterielle Lungenentzündung, zu vermeiden oder frühzeitig antibiotisch zu behandeln.

Infohotline:

Angesichts des ersten bestätigten Falls in Deutschland hat die Barmer-Krankenkasse eine Hotline zum Coronavirus eingerichtet. Medizinexperten geben hier rund um die Uhr Informationen darüber, wer besonders gefährdet sein könnte und wie man sich schützen sowie einen Verdachtsfall erkennen kann. Die kostenlose Hotline ist rund um die Uhr unter 0800 84 84 111 erreichbar. Weil das Angebot laut eigener Auskunft von Barmer so viel genutzt wird, hat das Unternehmen eine Liste mit den häufigsten Fragen und Antworten rund um das Virus auf seiner Website veröffentlicht. Auch die DAK hat zwischenzeitlich eine Hotline unter 0800 1111 841 geschaltet.

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