21.09.2020 - 16:55 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Corona lässt Auftragslage einbrechen: Bauscher vor weiteren Einschnitten

Gerüchte machen die Runde: Bei Bauscher gibt es kein Urlaubs- und Weihnachtsgeld mehr, Lohnerhöhungen werden über Jahre ausgesetzt und die Arbeitszeit erhöht. Stimmt so nicht, sagen Gewerkschaft und Arbeitgeber.

Bauscher-Porzellan hat auf dem Weltmarkt einen ausgezeichneten Namen. Das Problem: Der Weltmarkt hat wegen Corona derzeit wenig Interesse, in neue Teller und Tassen zu investieren.
von Friedrich Peterhans Kontakt Profil

Die BHS Tabletop AG aus Selb, zu der neben Bauscher auch die Marken Tafelstern und Schönwald gehören, hat in diesem Jahr bereits heftige Rückschläge einstecken müssen. Die Porzellanindustrie, speziell die auf Tourismus und Gastronomie ausgerichtete Sparte, gehört zu den am stärksten von der Coronakrise gebeutelten Branchen. Der Umsatz bei BHS Tabletop brach im ersten Halbjahr um 40 Prozent von 57,1 auf 34 Millionen Euro ein. Ende Juli kündigte das Unternehmen an, 250 Stellen an den Standorten Weiden und Schönwald abzubauen. Wie sich das aufteilt, ist nach Angaben des Betriebsrats noch nicht entschieden.

Michael Ott, Chef des Gesamtbetriebsrats, bestätigt, dass Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite derzeit über einen Zukunftspakt verhandeln, der dem Unternehmen weiter Liquidität sichern und Arbeitsplätze erhalten soll. Das Ergebnis könnte Mitte oder Ende Oktober vorliegen. Der Betriebsratschef beklagt, dass "wilde Gerüchte" in der Belegschaft die Runde machen, obwohl noch nichts entschieden sei.

Laut Iris Schopper, Bezirkssekretärin der Gewerkschaft IG BCE in Weiden, wird ein "unternehmensbezogener Verbandstarifvertrag" ausgehandelt. Wie es aussieht, würde damit wohl der Manteltarifvertrag aufgebohrt. Ott deutet in diesem Zusammenhang eine "Flexibilisierung" der Urlaubs- und Weihnachtsgeld-Regelung an. Sprich: Das würde offenbar nur gezahlt, wenn die Auftragslage sich bald bessert. Danach sieht es gesamtwirtschaftlich nicht aus: Die deutsche Tourismuswirtschaft kann wohl erst in drei Jahren wieder mit Vorkrisen-Umsätzen im internationalen Geschäft rechnen, analysiert das Kompetenzzentrum Tourismus des Bundes.

Die Geschäftsleitung will dies zum jetzigen Zeitpunkt nicht kommentieren. Man spreche auf Basis eines ersten Ideenkonzepts über mögliche Maßnahmen zur Senkung der Personalkosten. Die sollen in einen zeitlich befristeten Zukunftspakt münden.

Ende vorvergangener Woche hat die IG BCE in Weiden ihre Mitglieder informiert. Etwa 60 Prozent der Bauscher-Beschäftigten sollen gewerkschaftlich organisiert sein. Demnach gebe es einen Ideenkatalog der Geschäftsführung, der derzeit mit den Mitarbeitern diskutiert wird, um daraus ein Verhandlungsmandat abzuleiten.

Näheres war auf Nachfrage nicht zu erfahren. Im Kern geht es wohl darum, dass sich in den nächsten fünf bis sieben Jahren Weihnachtsgeld, Tariferhöhungen und Arbeitszeiten nach der Auftrags- und Ertragslage richten. Ob damit auch die zum 1. Dezember ausgehandelte Lohnerhöhung von 1,7 Prozent zur Diskussion steht, bleibt offen.

In Weiden arbeiten knapp 400 Menschen, am Standort Schönwald etwa 600. Das letzte Wort, ob wirklich 250 gehen müssen, sei noch nicht gesprochen, sagt Ott: "Ich hoffe noch, dass es ein paar weniger werden."

Mehr zur Situation bei BHS Tabletop

Weiden in der Oberpfalz
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.