11.05.2020 - 19:07 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Corona und die Mode: Schneidern für Schutz und Schick

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Können Behelfsmasken modisch sein? Für Ingeborg Fladerer, Andreas Moller und Eva Enslein ist das keine Frage. Sie schneidern zum stylischen Outfit die passende Gesichtsbedeckung.

von Michaela Lowak Kontakt Profil

Für Ingeborg Fladerer, Chefin des gleichnamigen Modehauses in Flossenbürg, gehört die Maske inzwischen zum Arbeitsalltag. Wenn sie ihre Kundinnen empfängt, muss sie Mund und Nase bedecken. Doch mit den blassgrünen Masken aus der Apotheke konnte sie sich nicht so ganz anfreunden. "Deshalb haben wir beschlossen, Masken selbst zu nähen", erzählt sie.

Bei der Kundschaft kommt diese Idee an. Der Schutz für Mund und Nase entsteht aus vielen unterschiedlichen, edlen Stoffen. "Dadurch, dass wir früher Kleidung auch selbst gefertigt haben, ist uns das möglich." Die Kundinnen sind begeistert und freuen sich über Modelle in Jeansoptik, mit Karos, in blau-weiß oder über florale Muster. "Wir haben auch Masken ganz speziell für Hochzeiten", berichtet Fladerer. Ein bisschen ungewohnt ist der Hinweis auf die Maske im Beratungsgespräch dennoch. An den Satz "Übrigens, wir hätten dazu noch die passende Maske" musste sich Ingeborg Fladerer erst gewöhnen. "Auch in Coronazeiten sollten wir unseren modischen Stil weiter zeigen", ist Fladerer überzeugt. "Das tut nicht nur der Optik, sondern auch der Seele gut."

Wer bei Andreas Moller ein neues Hemd kauft, kann sich gleich die passende Maske dazu aussuchen. "Wir haben jetzt zwei Wochen lang nur Masken genäht", erzählt der Maßschneider aus Weiden. "Das war Wahnsinn." Moller schwärmt von den verschiedenen Stoffen: "Wir haben zum Beispiel Hemdenstoff verarbeitet, aus feinster Baumwolle, gewebt in der Schweiz. Das fühlt sich sehr fein auf der Haut an." Aber auch aus Krawatten und Einstecktüchern lassen sich Masken herstellen. "Wir haben viel experimentiert", erzählt er. Manchen Leuten sei der Baumwollstoff zu viel gewesen, deshalb habe er etwas anderes probiert. "Seide und Wolle sind super angenehm zu tragen", sagt Moller. Diese Materialien könne man allerdings nur in Seifenlauge legen und nach dem Trocknen bügeln. Ein Aspekt sei auch die Passform. "Manche wollen eine schmälere, andere eine breitere Maske."

An der Maske kommt auch Eva Enslein aus Kirchendemenreuth nicht vorbei. "Ich habe inzwischen ganz Kirchendemenreuth ausgestattet", erzählt die Haute-Couture-Schneiderin schmunzelnd, die sowohl in München ein Atelier als auch im Haberland eine Dorfschneiderei betreibt. Inzwischen bekommt sie auch Anfragen aus der Gastronomie. "Ein italienisches Restaurant aus Erbendorf will sich auf die Öffnung vorbereiten und hat einheitliche Masken bestellt", berichtet Enslein. Die eine Seite ist schwarz, die andere zeigt die Farben der italienischen Flagge grün, weiß und rot. Ein Friseursalon treibt's lieber bunt. "Damit wir netter ausschauen", hat die Chefin des Ladens ihre Farbwahl begründet. Obwohl es zur Zeit kaum Gelegenheit gibt, das "kleine Schwarze" anzuziehen, näht Enslein auch für elegante Kleidung die passenden Gesichtsbedeckung. Der Anblick ist ungewohnt, als Modell Laura sich zum Spitzenkleid eine Maske aus dem gleich Stoff umlegt. "Es ist schön zu sehen, wie die Leute alle zusammenhalten", freut sich die Schneiderin. "Doch ich bin froh, wenn alles vorbei ist und wir uns nicht mehr um Masken und Mindestabstand kümmern müssen."

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