Weiden in der Oberpfalz
25.09.2022 - 18:00 Uhr

Corona sorgt für Rückgang bei Krebsdiagnosen in der Oberpfalz

Neue Zahlen für das Jahr 2020 zeigen, dass auch in der Oberpfalz deutlich weniger Krebsfälle entdeckt wurden, als in den Vorjahren. Das sind aber wohl keine guten Nachrichten. Experten sehen die Zahlen kritisch und warnen.

Neue Zahlen aus dem Jahr 2020 legen den Schluss nahe, dass die Coronapandemie Auswirkungen auf die Häufigkeit von Krebsdiagnosen in Bayern hat. Entsprechende Kennzahlen für die Häufigkeit neu festgestellter Tumorerkrankungen sind im ersten Jahr der Coronapandemie auch in der Oberpfalz stark gesunken.

Einen ähnlich deutlichen Rückgang zeigen Zahlen auch für die Regierungsbezirke Niederbayern, Mittelfranken und Schwaben. Das geht aus einer Antwort der bayerischen Staatsregierung auf eine Anfrage im Landtag hervor. Für die anderen Regierungsbezirke fehlten zum Zeitpunkt der Anfrage noch die Werte.

Professor Frank Kullmann warnt angesichts der Zahlen vor falschen Rückschlüssen. Der Chefarzt der Onkologie am Klinikum in Weiden geht nicht von einem tatsächlichen Rückgang der Erkrankungszahlen, sondern vielmehr eine corona-bedingte Zurückhaltung bei Vorsorgeuntersuchungen aus. Weil weniger Menschen zur Vorsorge gehen, werden weniger Tumore entdeckt.

Mehr späte Diagnosen

Entsprechend wertet Kullmann die neuen Zahlen nicht als Zeichen der Hoffnung, sondern als Alarmsignal. Tatsächlich lasse sich seine Befürchtung noch nicht mit Zahlen untermauern. "Aber meinem subjektiven Eindruck nach steigt bereits die Zahl von späten Diagnosen", sagt Kullmann. Mit anderen Worten: Schwere Krebserkrankungen werden wegen ausgefallener Vorsorge erst in einem späteren Stadium festgestellt, was unter Umständen negative Folgen für die Heilungsaussichten haben kann.

Etwas vorsichtiger ist das Landesamt für Gesundheit (LGL) bei seiner Einschätzung. Allerdings sieht auch das LGL bei bestimmten Krebsarten klare Anzeichen. So zeige eine Auswertung, dass der "Rückgang für Krebsoperationen im Frühstadium besonders hoch war bei Darm-Operationen und bei Melanomen". Der Rückgang liegt demnach bei 26 und 29 Prozent. Diese Zahlen sprechen für sich, auch wenn das LGL ergänzend hinweist, dass es sich um Ergebnisse von Stichprobenuntersuchungen handelt und endgültige Zahlen wohl erst im Jahr 2023 vorliegen. Ganz ähnliche Werte sind auch Professor Kullmann aus anderen Untersuchungen und Studien bekannt. Der Mediziner kann deshalb nur zustimmen wenn das LGL erklärt, dass die Werte darauf hinweisen, dass "die Krebsvorsorge in der Coronapandemie weniger in Anspruch genommen wurde".

Kein medizinischer Grund

Dabei betont Kullmann, dass es aus medizinischer Sicht keinen Grund gibt, wegen Corona auf Vorsorgeuntersuchungen zu verzichten. Tatsächlich sei es in den Corona-Hochphasen zu Einschränkungen gekommen, wurden etwa bestimmte Operationen verschoben. Aktuell gebe es zudem Vorsichtsmaßnahmen, werden etwa manche Patientengespräche nicht in Präsenz, sondern übers Telefon geführt.

Auf eine medizinisch angeratene Vorsorgeuntersuchung zu verzichten, sollte aber niemand. Das damit verbundene Risiko sei deutlich höher als die Gefahr, an Corona zu erkranken. Seite 2

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