24.11.2021 - 17:28 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Corona verschärft Lage im Klinikum Weiden: Nur noch ein freies Intensivbett

Die Lage spitzt sich zu. Von 40 Intensivbetten am Klinikum Weiden sind aktuell 39 belegt. Das heißt, für Notfälle steht nur noch ein Bett zur Verfügung.

Ein leeres Bett auf der Intensivstation eines Krankenhauses ist momentan ein seltenes Bild.
von Michaela Lowak Kontakt Profil

Freie Intensivbetten sind auch bei den Kliniken Nordoberpfalz AG (KNO) Weiden Mangelware. Das Intensivregister der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) weist (Stand 24. November 2021, 14.15 Uhr) für Weiden nur noch ein freies Intensivbett aus, im Krankenhaus Tirschenreuth stehen noch 3 freie Betten zur Verfügung. Das zeigt, wie ernst die Situation auch in der Region ist.

"Die Belegung der Isolierstation sowie der Intensivstation mit Covid-19-Patienten ist im Vergleich zu den vergangenen Wochen deutlich angestiegen", bestätigt Klinikensprecher Michael Reindl. Derzeit erhalten 20 Covid-19-Patienten unter dem Dach der Kliniken AG eine intensivmedizinische Behandlung (Weiden: 16, Tirschenreuth: 4).

60 Covid-Patienten in Weiden

Zudem werden am Klinikum Weiden und am Krankenhaus Tirschenreuth insgesamt 60 Covid-19-Erkrankte auf der Normalpflegestation behandelt (Weiden: 44, Tirschenreuth: 16). Die Standorte in Kemnath und Erbendorf sind weiterhin Covid-frei. An jedem Intensivbett, das zur Behandlung von Covid-19-Patienten (oder anderen intensivpflichtigen Patienten) benötigt wird, besteht die Möglichkeit einer Beatmung. Dies ist unabhängig vom Standort.

Auch wenn diese Zahlen nicht gerade ermutigend klingen, werden Notfälle nicht abgewiesen, versichert Reindl. Für die Versorgung von Covid-19-Patienten in den Häusern der Kliniken Nordoberpfalz stehen weiterhin Kapazitäten zur Verfügung – sowohl auf den Normalpflegestationen als auch auf der Intensivstation. Dies gelte auch für traumatologische und neurochirurgische Patienten.

An Erfahrung gewonnen

Die Ausgangslage sei im Vergleich zur ersten Welle im März 2020 deutlich besser. Aktuell gebe es ausreichend Infrastruktur, Schutzausrüstung sowie Testmöglichkeiten für Patienten sowie Personal. "Zudem verfügen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter über große Erfahrungen in der Behandlung und Pflege von Covid-19-Patienten", so der Klinikumssprecher weiter. Im Gegensatz zu den ersten Wellen, in denen die Region ein Hotspot war, habe sich die KNO auf bevorstehende Entwicklungen vorbereiten können.

Dennoch sei die Belastung der Ärzte und Pflegekräfte weiterhin sehr hoch, heißt es auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien. Personalmangel und Stress würden den Alltag nicht nur auf den Intensiv- und Covid-Stationen, sondern im gesamten Klinikbereich prägen. "Dieser Mangel an Pflegekräften ist ein deutschlandweites Problem, das auch wir bemerken", so der Sprecher. In der Pandemie habe sich der Personalmangel in der Intensivpflege merklich verschärft. Umso höher sei die Leistung der Kolleginnen und Kollegen in den vergangenen Monaten zu bewerten. Bisher habe aber in Weiden aufgrund der belastenden Situation kaum jemand gekündigt.

Bundeswehr hilft wieder

Froh ist das Klinikum Weiden über die eigenen Pflegekräfte, die jährlich an der Gesundheitsakademie New Life ausgebildet und auch übernommen werden. Unterstützung könnte das Weidener Klinikum erneut von der Bundeswehr bekommen. Bereits im vergangenen Winter hätten mehrere Soldatinnen und Soldaten das Krankenhaus unterstützt. "Der Antrag ist schon gestellt", informiert Reindl.

Tägliche Analyse

Um auf kurzfristige Entwicklungen reagieren zu können, tagt der interne Krisenstab der Kliniken Nordoberpfalz seit Beginn der Pandemie im März 2020 kontinuierlich. "Seit einigen Wochen findet fast täglich eine Abstimmung statt", gibt das Klinikum bekannt. Auch über die Sommermonate hinweg, als sich die Inzidenzwerte auf einem extrem niedrigen Niveau bewegt haben, sei der Krisenstab regelmäßig zusammengekommen. Auch an den Wochenenden seien viele Akteure in ständigem Austausch.

Grundsätzlich werde im Krisenstab die tagesaktuelle Situation beobachtet und analysiert. Dies habe den Vorteil, dass auch kurzfristig auf Entwicklungen reagiert werden könne. Patientenverlegungen würden dabei ebenfalls besprochen.

Bayernweiter Austausch

Vertreter der Kliniken in ganz Bayern tauschen sich derzeit aus, um eine schnelle und nach Bedarf ausgerichtete Steuerung von Patienten zu ermöglichen. Dafür sind Michaela Hutzler (Medizinische Direktorin der Kliniken Nordoberpfalz) und Dr. Klaus-Friedrich Bodmann (Infektiologe der Kliniken Nordoberpfalz) als Ärztlicher Leiter Krankenhauskoordination verantwortlich.

Zum Kernteam des Krisenstabs zählen die Medizinische Direktion (Michaela Hutzler), Ärztlicher Direktor (Prof. Christian Paetzel), Infektiologe (Dr. Klaus-Friedrich Bodmann) sowie verantwortliche Kollegen aus den Bereichen Hygiene, Patientenkoordination/ Belegungsmanagement und Notaufnahme.

Zusätzlich zum Kernteam finden täglich OP-Besprechungen statt, in denen der OP-Plan entsprechend den zur Verfügung stehenden Kapazitäten festgelegt wird. Entscheidend sind dabei die Kapazitäten auf den Intensivstationen. Notfall-Operationen und dringliche Eingriffe sowie Geburten werden weiterhin durchgeführt. Hierfür werden entsprechend Kapazitäten freigehalten.

Info:

So ist die Lage am Klinikum Weiden und im Krankenhaus Tirschenreuth

  • Das Klinikum Weiden verfügt über 40 Intensivbetten
  • Davon sind aktuell 39 belegt
  • In diesen 39 belegten Intensivbetten in Weiden liegen derzeit 16 Covid-Patienten
  • 11 davon werden beatmet
  • 44 Corona-Fälle liegen auf der Normalstation
  • Insgesamt werden in Weiden 60 an Corona erkrankte Patienten behandelt
  • Auf der Tirschenreuther Intensivstation stehen 16 Betten bereit
  • Davon sind aktuell 13 belegt
  • In 4 dieser Betten legen Covid-19-Patienten
  • 2 davon werden beatmet
  • Auf der Normalstation in Tirschenreuth liegen 16 Covid-Patienten
  • Insgesamt werden in Tirschenreuth 20 an Corona erkrankte Patienten behandelt

 

 

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