14.04.2020 - 15:18 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Coronakrise: Bäcker sind in großer Sorge

Fast täglich erreichen Obermeister Wolfgang Schmid von der Bäckerinnung Nordoberpfalz sorgenvolle Meldungen seiner Innungsbäcker. Sie plagen rückläufige Umsätze und Existenzängste in Zeiten der Coronakrise.

Bäcker-Innungsobermeister Wolfgang Schmid
von Siegfried BühnerProfil

„Nach wie vor sind die Supermärkte die Gewinner“ heißt es in einer Zuschrift an den Obermeister der Bäcker. In einer anderen steht „Ein Angebot, das nicht mehr nachgefragt wird, wird es irgendwann nicht mehr geben“. Die Stimmung unter den Bäckern ist angespannt. Oberpfalz-Medien fragte telefonisch bei Schmid nach, wie sich die Situation in den 50 Handwerksbetrieben in der Region darstellt.

ONETZ: Wie beurteilen Sie die Lage in den Handwerksbetrieben der Bäckerinnung?

Wolfgang Schmid: Unser Bäckerhandwerk in der Region kämpft schwer mit den Auswirkungen der Coronakrise. Die Umsätze gehen teilweise bis zu 80 Prozent zurück. Am schwersten trifft es Betriebe, die von Lieferungen und Festlichkeiten abhängig sind und ihren Hauptumsatz damit machen. Jetzt ist auch die Zeit gekommen, dass alle Innungsbetriebe das Konkurrenzdenken zurückstecken. Nur gemeinsam können wir diese schwere Krise meistern.

ONETZ: Auch andere Handwerksbereiche spüren Auftragseinbrüche. Warum machen gerade die Bäcker auf sich aufmerksam?

Wolfgang Schmid: Nahrungsmittelhandwerker produzieren seit Jahrhunderten die wichtigsten Grundnahrungsmittel und sorgen somit dafür, dass elementarste Lebensbedürfnisse befriedigt werden. Die meist in Familienhand geführten Bäckerbetriebe sichern die wohnortnahe Versorgung mit Brot, ganz besonders auch auf dem Lande.

ONETZ: Sind die Soforthilfen von Bund oder Land sinnvoll?

Wolfgang Schmid: Die Soforthilfen, so will es die Politik, greifen erst bei uns, wenn man zahlungsunfähig ist oder innerhalb einer Planungszeit von 3 Monaten seine laufenden Kosten nicht mehr begleichen kann. Wenn einer von uns zahlungsunfähig ist, dann benötigt er sicher nicht mehr die Soforthilfen des Staats, dann ist es nämlich zu spät. Eine Vorausplanung über 3 Monate ist für den einzelnen Betrieb äußerst schwierig. Aber erst dann gibt es Unterstützung für den Handwerksbetrieb. Das ist meiner Meinung nach nicht sinnvoll. Durch die Digitalisierung unserer Kassensysteme ist leicht nachzuvollziehen, dass viele Bäckereien Umsatzeinbrüche haben. Hier wäre eine Soforthilfe angebracht, um rechtzeitig dem Betrieb zu helfen. Kurzarbeit ist bei einem inhabergeführten Bäcker sowieso kein Thema.

ONETZ: Könnten auch Stadt- und Gemeindeverwaltungen helfen?

Wolfgang Schmid: Gefordert sind für mich jetzt auch alle Städte- und Gemeindevertreter in der Politik. Sie sollten für die regionalen Handwerksbetriebe werben und so einen Beitrag zur Sicherung der Nahversorgung am Ort leisten.

ONETZ: Wie werden Kunden und Verkaufspersonal geschützt?

Wolfgang Schmid: Hygienevorschriften in Deutschland haben bereits jetzt einen hohen Standard. Was ich in meinem Betrieb festgelegt habe, machen auch viele Kollegen. Zwischen Händen und Ware darf es keinen Kontakt geben. Nach jedem Kunden werden, auch wegen des Umgangs mit Bargeld, die Hände gewaschen. Einige Betriebe bieten zwischenzeitlich auch Kartenzahlung an. Und niemand wird auf Anforderung einen Lieferservice ablehnen.

ONETZ: Was halten Sie von Boni-Zahlungen für die Mitarbeiter?

Wolfgang Schmid: Angefangen vom Auszubildenden bis hin zum Meister, alle leisten tolle Arbeit bei vollem Einsatz, gerade unter diesen schwierigen Umständen. Jeder Mitarbeiter verdient hier hohe Anerkennung. Die Zuzahlungen hätten die Mitarbeiter auch verdient, aber Boni-Zahlungen werden sich die meisten Handwerksbetriebe nicht leisten können. Deswegen plädieren wir für Steuernachlässe.

 

 

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