02.11.2020 - 10:49 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Coronakrise zwingt Traditionsgeschäft in die Knie

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Ein weiteres Geschäft in der Weidener Altstadt muss sich der Pandemie aber auch dem Trend zum Einkaufen im Internet beugen. Hut und Mode Weidacher hört zum Jahresende auf.

Schweren Herzens schließt Renate Weidacher-Herzig zum Jahresende ihr Hut- und Modegeschäft in der Weidener Altstadt.
von Michaela Lowak Kontakt Profil

Die Entscheidung, ihren Laden Hut und Mode Weidacher zu schließen, fiel Renate Weidacher-Herzig nicht leicht. "Wir haben lange hin und her überlegt", gibt sie zu. Das Traditionsgeschäft in der Weidener Altstadt besteht seit über 130 Jahren. Schweren Herzens entschließt sie sich zu diesem Schritt. "Es sind rein betriebliche Gründe, die wir in der Familie besprochen haben", sagt die Inhaberin. Ursprünglich war einmal geplant, dass Tochter Eva das Geschäft in vierter Generation übernimmt. Doch daraus wird jetzt nichts. Eva Herzig, die an der OTH Marketing und Business studiert hat, ist derzeit in Erlangen in der Modebrache tätig.

Hut und Mode Weidacher hatte sich in den vergangenen Jahren einen Namen mit festlicher Kleidung für Tanzkurs-Abschluss- und Abiturbälle gemacht. Da diese Veranstaltungen bis auf Weiteres nicht möglich sind, brach dieser Zweig komplett weg. Die Corona-Krise setzte dem Familienbetrieb sehr zu. Auch das Internet machte dem Laden das Leben schwer. "Es verändert sich alles so schnell, da können wir nicht mithalten", bedauert Weidacher-Herzig. Eva Herzig sieht's gelassen und schließt die Option, das Modegeschäft irgendwann einmal wieder auferstehen zu lassen, nicht aus.

Erstes Atelier 1889 gegründet

Weiden in der Oberpfalz

Die Schließung von Hut und Mode Weidacher hinterlässt am Oberen Markt eine Lücke. Seit 1954 befand sich das Geschäft an dieser Stelle. Die vier Mitarbeiterinnen von Renate Weidacher-Herzig haben für den Schritt vollstes Verständnis. "Eine geht in den Ruhestand und die anderen drei waren Teilzeitkräfte", sagt die Chefin. Nach Allerheiligen soll der Räumungsverkauf starten.

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Angebot und Nachfrage: Wir haben es in der Hand

Nicht nur die Gastronomie, sondern auch die Modebranche leidet unter der Corona-Pandemie. In den vergangenen Monaten fehlten die Anlässe, sich irgendetwas Schönes zu kaufen. So benötigten weder der Nachwuchs im Teenageralter noch die Eltern festliche Kleidung für einen Abschlussball. Auch Hochzeiten im großen Stil fielen ins Wasser. Viele Menschen arbeiten seit Mitte März im Homeoffice. Anstatt wie früher in der Mittagspause mal schnell ein schickes Shirt zu kaufen oder das Kleidchen im Angebot mitzunehmen, setzten die meisten auf Schlabberlook. Wozu aufbrezeln, wenn mich am Küchentisch eh niemand sieht? Dieser Gedanke ist auch mir nicht fremd. Für vorzeigbare Kleidung habe ich in den vergangenen Monaten kaum Geld ausgeben. Rückblickend waren das eher praktischere Dinge wie ein neuer Rasenmäher, Bürostuhl, Drucker und Monitor für den Arbeitsplatz, Wanderstiefel, bequeme Jogginghosen und Fliesjacken für die etwas kühleren Abende auf der Terrasse. Noch nie konnte der Verbraucher so direkt miterleben, wie und wo die Nachfrage das Angebot regelt. Das soll jetzt kein Aufruf sein, Dinge zu kaufen, die man nicht benötigt, doch ein bisschen kann jeder sein Kaufverhalten dennoch beeinflussen, in dem man eben nicht im Internet bestellt, sondern bei den Einzelhändlern der Region kauf.

Michaela Lowak

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