27.02.2020 - 17:10 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Coronavirus: Mundschutz in Weiden ausverkauft

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Das Coronavirus beunruhigt die Menschen. Schutzmasken für den Mund sind in Weiden seit Wochen ausverkauft. Der Sprecher der Apotheker, Andreas Biebl, setzt auf andere Vorsichtsmaßnahmen.

Mundschutz ist in Weiden seit Wochen ausverkauft. "Wir bekommen aus nichts nach", sagt Apotheker Andreas Biebl. Das Klinikum dagegen verfügt über ein ausreichendes Kontingent an Schutzausrüstung.
von Michaela Lowak Kontakt Profil

Wie kann ich mich vor dem Coronavirus schützen? Diese Frage bewegt auch in Weiden die Menschen. Vor allem der Mundschutz ist gefragt wie nie. "Wir sind schon gut ausgeräubert", sagt Andreas Biebl, Sprecher der Weidener Apotheken. Die Schutzmasken sind ausverkauft. "Und wir kriegen auch nichts nach", bedauert der Apotheker. 100-prozentigen Schutz vor einer Ansteckung bietet der Einweg-Mundschutz jedoch nicht. Die Maske sei nur grob gebunden, deshalb könnten Tröpfchen dennoch eingeatmet werden.

Der Mundschutz sei in erster Linie für Erkrankte gedacht, um ihrerseits die Infektion nicht weiterzugeben. Die Maske hindere lediglich davor, sich ins Gesicht zu langen. Statt dem Mundschutz könne man sich auch ein Tuch umbinden.

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Viele Krankheiten - nicht nur das Coronavirus - werden durch Schmierinfektion übertragen. "Durch die Schleimhäute in Nase, Mund oder Augen kann der Virus in den Körper gelangen", erklärt Biebl. Der Apotheker plädiert dafür, immer wieder Hände zu waschen. "Und zwar richtig und lange. Auch die Daumen und die Zwischenräume sollten nicht vergessen werden." Wer grad kein Waschenbecken und Seife zur Hand hat, kann Desinfektionsmittel verwenden. "Auch das wird zurzeit vermehrt nachgefragt", berichtet er.

Er selbst wendet eine andere Strategie an. "Man sollte mental soweit kommen, sich nicht mehr ins Gesicht zu langen", sagt Biebl. "Ich stelle mir deshalb vor, ich hätte etwas ziemlich Ekliges in der Hand gehabt." Seine Strategie bewährt sich. "Ich hatte seit 20 Jahren keine Grippe mehr." Eine Situation, die man besser vermeiden sollte, sei beispielsweise, auf einen Empfang zu gehen, dort allen die Hand zu geben und dann Canapés zu essen, ohne sich vorher die Hände gewaschen zu haben.

Sollte es dennoch jemanden geben, der sich mit dem Erreger angesteckt hat, ist das Klinikum Weiden gerüstet. "Wir sind Influenza erprobt", sagt Sprecher Michael Reindl. Neben einem eigenen Wartebereich für Patienten mit Atemwegserkrankungen gibt es auf der Station 81 Schleusenzimmer und geschultes Personal. Die Abläufe seien die gleichen wie bei Grippe. Das Klinikum steht außerdem in regelmäßigem Austausch mit der Leitstelle und dem Gesundheitsamt. Auch Schutzausrüstung sei ausreichend vorhanden. "Wir sind gut versorgt", versichert Reindl.

Kommentar:

Lieber nicht mit Spucke

Mal ehrlich? Kaum jemand verschwendet einen Gedanken daran, wie oft er sich ins Gesicht langt. Das geht mir nicht anders. Ich rücke meine Brille zurecht, streiche mir eine Haarsträhne hinters Ohr, kratze mich an der Nase oder stütze meine Hände aufs Kinn. Je länger ich darüber nachdenke, fallen mir immer mehr Dinge ein, dich mich im Hinblick auf den Corona- oder Grippevirus schaudern lassen. Manch einer schleckt über seine Finger, um die Zeitung besser umblättern zu können. Noch schlimmere Visionen löst bei mir das Tütchen in der Obst- und Gemüseabteilung aus, das derart verklebt ist, dass ebenfalls nur noch ein mit Spucke befeuchteter Finger hilft. Es gibt so einige Dinge, die man besser lassen sollte. Beim Händeschütteln wird's schon schwieriger. Jemandem die Hand zu geben, ist ein Zeichen von Wertschätzung und Achtung. Und diese Geste zu verweigern, kommt nicht immer gut an. Dennoch wäre es vielleicht angebracht, wenigstens in Zeiten erhöhter Infektionsgefahr darauf zu verzichten. Das zeugt nicht von mangelndem Respekt, sondern von umsichtigem Verhalten.

Von Michaela Lowak

Viele Menschen decken sich derzeit mit Desinfektionsmitteln ein.
Info:

Gesundheitsamt: Hygiene ist das A und O

Nicht die Grippe, sondern das Coronavirus dominiert aktuell die Nachrichten. Bislang sind keine Fälle oder Verdachtsfälle in Gesundheitsamtsbezirk Weiden/Neustadt/WN aufgetreten. Sollte dem aber so sein, muss, wie bereits berichtet, das Gesundheitsamt dies an die Regierung der Oberpfalz melden, das wiederum die Gesundheitsministerium sowie das Landesamt für Gesundheit verständigen wird. Erst dann erreiche die Nachricht die Öffentlichkeit.

Unterdessen betont auch Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml immer wieder, auf Krankheitssymptome wie Fieber, Husten oder Schnupfen zu achten und gegebenenfalls schnell zu reagieren. In Verdachtsfällen sollte sofort der Kontakt zu anderen Menschen minimiert werden und der Hausarzt (nicht persönlich aufsuchen!) sowie das örtliche Gesundheitsamt angerufen werden. Kontakt zur Gesundheitsbehörde kann auch über die Integrierte Leitstelle (112) hergestellt werden, informiert das Gesundheitsamt Weiden am Landratsamt Neustadt auf seiner Webseite.

Wie bei der Influenza und anderen Atemwegserkrankungen schützen bestimmte Hygienemaßnahmen vor einer möglichen Ansteckung mit dem neuartigen Coronavirus (SARS-CoV-2):

- Einhalten der Husten- und Nies-Etikette: Nicht in die Hand, sondern in die Armbeuge husten.

- Nicht mit den Händen ins Gesicht fassen

- Regelmäßiges Händewaschen

- Abstand zu Erkrankten (etwa 1 bis 2 Meter) und Verzicht auf Händeschütteln, Küsschen und Umarmungen

- Besonders gefährdete Personen sollten sich von Erkrankten nach Möglichkeit fernhalten.

Info: www.gesundheitsamt.neustadt.de (shl)

Info:

Coronavirus: Stadt Weiden ist vorbereitet

Im Fall einer Ausbreitung des Coronavirus bis in die nördliche Oberpfalz sieht sich die Stadt Weiden vorbereitet. Es gebe erste präventive Maßnahmen. Involviert sei auch der Katastrophenschutz, der im Verantwortungsbereich von Dezernentin Nicole Hammerl, Abteilung für Recht, Umwelt, Sicherheit und Ordnung, liegt. Es habe bereits Informations- und Austauschgespräche über die Stadtgrenzen hinaus mit allen im Fall eines Ausbruchs unmittelbar Beteiligten (Klinikum, BRK und Integrierte Leitstelle Nordoberpfalz) gegeben, teilt Hammerl auf Anfrage von Oberpfalz-Medien mit. „Wir stehen mit dem Gesundheitsamt im engen Kontakt“. Katastrophenschutz ist eine staatliche Aufgabe. Dessen Einsatzkräfte kommen bei Großschadensereignissen (Hochwasser, Unglücke etc.) zum Einsatz. (shl)

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