05.08.2020 - 16:11 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

In Coronazeiten steigt der Beratungsbedarf - auch beim VdK-Kreisverband Weiden

Diesen Artikel lesen Sie mit
Was ist OnetzPlus?

Kein Baden, kein Rehasport, keine Veranstaltungen. Corona schränkt auch den VdK-Kreisverband Weiden-Neustadt in seinen Aktivitäten ein. Dafür ist der Beratungsbedarf der Mitglieder enorm, sagt Geschäftsführerin Sarah Klos im Interview.

Sarah Klos, VdK-Geschäftsführerin
von Stephanie Hladik Kontakt Profil

Sozialrecht ist ein weites und oftmals schwieriges Beratungsfeld. Doch Sarah Klos möchte nichts lieber machen. Die studierte Juristin hat vor zwei Jahren die Geschäftsführung des VdK-Kreisverbandes Weiden-Neustadt/WN übernommen und hat sich längst in Rente, Grundsicherung, Hartz IV bis zum Opferentschädigungsgesetz eingearbeitet. Dann kam Corona, und sie musste sich plötzlich auch um Bestellungen von Mund-Nase-Masken oder Desinfektionsmittel kümmern.

Die Telefone standen zeitweise nicht mehr still, die Mitglieder haben viele Fragen. Sarah Klos und ihre Mitarbeiter versuchen Antworten zu geben. Die Krise verlangt auch ihnen einiges ab. So verlor Klos in der Pandemie ihre Großeltern und musste ihre Hochzeit verschieben. Nicht einfach für die 30-Jährige, zur Tagesordnung überzugehen. Für ein Gespräch mit Oberpfalz-Medien nahm sie sich trotzdem die Zeit.

ONETZ: Frau Klos, wie ist der VdK-Kreisverband bisher durch die Coronakrise gekommen?

Sarah Klos: Eigentlich ganz gut. Nachdem die Geschäftsstelle im März geschlossen wurde, führten wir die Beratungen telefonisch ohne Einschränkungen fort. Das wurde dankend angenommen. Wir hatten zwar keine Hotline eingerichtet, aber die Telefone liefen auch so heiß. Mail- und Postverkehr nahmen stark zu.

ONETZ: Haben die Mitglieder im Moment einen erhöhten Beratungsbedarf?

Sarah Klos: Die Coronakrise hat zumindest einiges ins Stocken gebracht. Verfahren mit Sozialbehörden laufen nicht weiter, Rehamaßnahmen finden nicht statt, da kamen viele Fragen auf. Suboptimal ist auch, wenn Begutachtungen durch den Medizinischen Dienst der Krankenkassen nicht persönlich stattfinden, sondern nur telefonisch. Das verunsichert Betroffene noch mehr. Einige Mitglieder verloren Angehörige durch Covid-19 und standen plötzlich alleine da. Auch psychisch Kranken setzt die außergewöhnliche Situation zu. In manchen Gesprächen war es einfach nur wichtig, für jemanden dazu sein.

ONETZ: Bestimmt eine nicht immer leichte Aufgabe.

Sarah Klos: Das stimmt. Wir wimmeln aber niemanden ab, sondern suchen immer nach Lösungen oder vermitteln auch mal Hilfe anderer Dienste, falls nötig. Während des Lockdowns haben wir auch gemerkt, wie wichtig unsere vielen ehrenamtlichen Mitarbeiter in den Gemeinden vor Ort sind.

ONETZ: Wie hat sich das zum Beispiel bemerkbar gemacht?

Sarah Klos: Die Ehrenamtlichen sind eine ganz wichtige Säule, obwohl sie im Moment auch nur eingeschränkt agieren können. Die Vorsitzende des Ortsverbandes Mantel stellte zum Beispiel den Müttern kleine Aufmerksamkeiten zum Muttertag vor die Tür, die Ortsvorsitzende des Ortsverbandes Windischeschenbach nähte Mund-Nasen-Masken. Kleine Gesten, die ankommen.

ONETZ: Hat der VdK auch neue Mitglieder gewinnen können?

Sarah Klos: Oh ja, es gab bayernweit Zuwächse. Im Kreisverband kamen seit Februar rund 150 neue Mitglieder dazu. Spätestens bei der Ablehnung von Anträgen brauchen die meisten Leute Beratung. Wir nehmen jeden an die Hand.

ONETZ: Seit 11. Mai ist auch persönliche Beratung wieder möglich. Wird sie genutzt?

Sarah Klos: Sie läuft langsam wieder an. Die Öffnungszeiten sind wie vor Corona, nur der Servicetag am Donnerstag geht aktuell bis 16 Uhr. Wir haben auch gemerkt, dass sich vieles am Telefon regeln lässt. Die telefonische Beratung behalten wir in jedem Fall bei.

ONETZ: Können Angebote wie Rehasport oder Badetage schon wieder stattfinden?

Sarah Klos: Es ist ein ganz schwieriger Spagat im Moment. Die Badetage im Sibyllenbad gibt es noch nicht, auch den Kinotag haben wir noch nicht im Programm, es gibt keinen Rehasport und keine Gymnastikstunden in Vohenstrauß. Nach der Sommerpause im September wollen wir versuchen, die Außensprechtage in den Rathäusern wieder aufzunehmen. Unterdessen läuft die Arbeit in den Ortsverbänden langsam an. Aber wir müssen gemeinsam überlegen, was Sinn macht. Schließlich gehören viele unserer Mitglieder zur Risikogruppe. Auf der anderen Seite leiden manche unter der sozialen Isolation.

ONETZ: Gibt es Positives, dass Sie aus der Coronakrise mitnehmen?

Sarah Klos: Trotz aller Schwierigkeiten haben wir die Situation, die ja für uns alle neu war, bisher gut gemeistert. Tatsächlich hat es auch in der Geschäftstelle den digitalen Fortschritt beschleunigt. Wir haben einen Großteil aus dem Home-Office erledigen können. Die Mitglieder können ab sofort Unterlagen über einen sicheren Internetlink verschicken. Auch Akteneinsicht ist künftig auf elektronischem Weg möglich. Das erleichtert manches. Das schönste jedoch war der Zuspruch. ,Gut, dass es euch gibt', haben wir in den vergangenen Wochen nicht nur einmal gehört. Das tut gut.

Richtiges Zuhören ein Geschenk

Weiden in der Oberpfalz
Info:

VdK-Kreisverband mit fast 9000 Mitgliedern

Der VdK-Kreisverband Weiden-Neustadt/WN zählt 8696 Mitglieder (Stand: 10.7.2020) - vom Kleinkind bis zum Senior. Das Durchschnittsalter liegt bei 61 Jahren. In 28 Ortsverbänden engagieren sich 267 ehrenamtliche Mitarbeiter. Die Geschäftsstelle in Weiden ist mit Geschäftsführerin Sarah Klos (sie hat Jura mit Schwerpunkt Sozialrecht studiert) und den zwei Sozialrechtsberatern Waltraud Balk (seit 1993 dabei) und Phillip Kleber (neu seit 1. Mai) besetzt.

Die Mitglieder zahlen monatlich 6 Euro und erhalten Beratungsleistungen in sozialrechtlichen Fragen oder Hilfe bei Anträgen. Werden Rechtsmittel eingelegt, wird z. B. bei einem Widerspruch eine Gebühr von 40 Euro erhoben. Der VdK finanziert sich durch die Mitgliedsbeiträge. (shl)

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.