Weiden in der Oberpfalz
02.12.2019 - 14:28 Uhr

CSU informiert sich im Jugendzentrum: Talentierte Sprayer hervorgebracht

Die Sprayer-Szene in Weiden sei so gut wie tot, berichtet Stadtjugendpfleger Ewald Zenger im Jugendzentrum. „Praktisch gibt’s das nicht mehr.“ Dass Häuser besprüht worden seien, diese Situationen seien drastisch zurückgegangen.

"JuZ das ist was": An die Vorderfront des Jugendzentrum dürfen nur Künstler sprayen. Im hinteren Bereich können sich Anfänger austoben. Bild: Kunz
"JuZ das ist was": An die Vorderfront des Jugendzentrum dürfen nur Künstler sprayen. Im hinteren Bereich können sich Anfänger austoben.

„Da hat’s viel Ärger mit der Polizei gegeben. Teuer war das. Bezahlen mussten es ja die Eltern.“ Damals habe es aber auch einige wirklich gute Sprayer gegeben. Beispiele gebe es an den Außenfassaden, die das Juz den Künstlern zur Verfügung gestellt habe. Im hinteren Bereich durften nur die Anfänger ran. "Leute, die sich zum Sprayen berufen fühlten, aber ihr eigenes Talent noch nicht einschätzen konnten." Ihnen habe das Juz sogar kostenlos Spraydosen zur Verfügung. Dieses Angebot stehe noch immer.

„Die erfolgreichen, die das legal gemacht haben, haben Weiden längst den Rücken gekehrt.“ Stolz zeigte Zenger den Christsozialen Wandsprayereien im Tonstudio im ersten Obergeschoss. „Das zeigt, wozu Künstler fähig sind. Auf der einen Wand Retro-Schwarz-Weiß. 70-er-Jahre-Kunst. Und gegenüber das angesagte bunte Graffiti.“

Im Tonstudio arbeiteten aktuell rund zehn Musiker. „Wir sind hier sehr Hip-Hop-lastig", beschrieb Florian Graf die Szene. "Das ist unser Hauptklientel im Studio." Im Saal unten spielten hingegen überwiegend Bands aus dem Rock/Metal-Bereich. „Manchmal gibt es öffentliche Förderprogramme.“ Die Weidener Musikszene leide unter mangelnden Auftrittsmöglichkeiten. „Es vergeht kein Tag, dass ich nicht eine Mail von Leuten bekäme, die hier spielen möchten.“

Allein könnten es die Nachwuchsmusiker nicht schultern. „Plakate, Tonanlage. Das kann sich keiner leisten.“ Ein weiterer Punkt, der angesprochen wurde, war der Umgang mit auffälligen Jugendlichen, an die nur schwer ranzukommen sei. „Es wird viel mit Kindern gemacht“, sagte Zenger und verwies auf den Spielewagen, der gerade in der Stockerhut gleich an mehreren Tagen stehen bleibe.

Einen Streetworker einzustellen bringe nichts, sagte Zenger. „Die sind eher was für Großstädte.“ Wer glaube, dass ein Streetworker Jugendlichen ins Gewissen rede, irre gewaltig. „Das ist keiner, der vor einer Gruppe den Zeigefinger hebt." Viel effektiver sei hier schon das Magische Projekt, dass Julia Zimmermann vorantreibe und das sich an verhaltensauffällige Jugendliche wende.

OB-Kandidat Benjamin Zeitler betonte seinen engen Kontakt zum Juz. „Letztendlich können wir das Haus auch als Notunterkunft für unseren Waldkindergarten nutzen. Wir sind immer ein paar Tage im Jahr da.“ Als Mitglied von Round Table unterstütze auch er seit Jahren das Magische Projekt. „Ich freue mich, dass sich das so gut entwickelt.“ Eingeladen hatte Ortsvorsitzender Ronny Kühnel.

Stadtrat Hans Sperrer erzählte von einer Begegnung der früheren Art, damals in der alten Stockerhut. "Ich war 17 oder 18, Judokämpfer und mit einem Freund in der damals sehr verschrienen Stockerhut unterwegs." Da sei ein kleiner Kerl gekommen und habe ihn in den Hintern getreten. "Hab mir gedacht, was machst du jetzt? Und bin weitergegangen." Viele Jahre später sei er von einem Mann auf dieses Ereignis angesprochen worden. "Erinnern Sie sich?" habe der Mann gefragt. "Ja, sicher!" Der Mann: "Wir standen alle hinter der Tür und haben die Situation beobachtet. Hätten Sie damals reagiert, wir wären über Sie hergefallen und hätten Sie windelweich geprügelt." Sperrer: "Da hat sich inzwischen viel verändert."

Im gut bestückten, Juz-eigenen Tonstudio toben sich vor allem Hip-Hopper aus. Bild: Kunz
Im gut bestückten, Juz-eigenen Tonstudio toben sich vor allem Hip-Hopper aus.
 
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