07.10.2019 - 19:02 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

CSU-Stadtrat: Öko-Wohnen statt Gewerbegebiet in Weiden-West IV

Die letzten Monate haben CSU-Stadtrat Hans Gmeiner nachdenklich gemacht. Sein Parteichef Söder denkt grün. "Und ich denk' mal quer", sagt der Chef des Vereinskartells: Er regt an, das Gewerbegebiet West IV zum autarken Wohnpark umzuplanen.

So dürfte nach dem Willen der Planer das Industriegebiet Weiden-West IV aussehen.
von Josef-Johann Wieder Kontakt Profil

"Ich weiß, dafür wird man mich in Weiden grillen", räumt Hans-Jürgen Gmeiner ein. Doch die Idee, in Weiden-West den Wald zu vernichten, um Gewerbeflächen schaffen zu können, habe für ihn an Überzeugungskraft verloren. "Was soll ich unseren Bürgern antworten, wenn sie fragen, wer da bauen will? Wir wissen keine Namen, bekommen keine Hinweise. Gibt es denn überhaupt Interessenten, die mit einen Betrieb nach Weiden-West IV kommen wollen?" Zugleich verweist er auf die vielen – wenn auch meist kleineren – Leerstände, auf die Altlastenflächen in der Stadt, die saniert und neu genutzt werden könnten. Warum also den Wald opfern? "Für Hochregallager mit ein paar Arbeitsplätzen?"

Gemeinhin überzeuge das Argument, dass mit dem neuen Gewerbegebiet dringend nötige Arbeitsplätze geschaffen würden, nicht mehr, meint Gmeiner. "Der ständige Hinweis auf Arbeitsplätze ist schon zum Totschlagsargument für einen kritischen Dialog geworden", stellt Gmeiner fest. Aber: "Schon jetzt suchen unsere bestehenden Firmen nach Fachleuten. Die Arbeitslosigkeit ist stark zurückgegangen. Wo sollen denn die von neuen Betrieben gewünschten Arbeitskräfte herkommen?" Und falls es sie denn gäbe: Wie sollen sie wieder zu Hunderten nach Weiden-West kommen?

CSU-Stadtrat Hans-Jürgen Gmeiner, zugleich Vorsitzender des Vereinskartells Weiden-West, will mal quer denken dürfen.

Zufahrt über Nordtangente

Die Bundesstraße 470 habe nämlich ihre Belastungsgrenze längst erreicht. "Zu den Stoßzeiten steht schon jetzt alles." Eine sinnvolle, funktionierende Verkehrserschließung für ein Gewerbegebiet sei nur mit der Verlängerung der Nordtangente möglich, die im großen Bogen an die Dr.-Müller-Straße andocken müsse. Diese führe dann aber durch streng geschütztes Terrain – "und ist damit nicht mehr realisierbar".

Gmeiner fragt, ob denn ein Gewerbegebiet West IV – mit dem Verlust von 70 Hektar Wald – noch in eine Zeit passe, die der Klimawandel präge. "Müssen wir nicht umsteuern? Ich schlage vor, auf dem Gebiet über eine Wohnbebauung nachzudenken." Allerdings meint Gmeiner damit nicht ein normales Wohngebiet, sondern einen modernen Wohnpark mit Modellcharakter, der die Forderungen aus dem Klimawandel aufgreift und berücksichtigt. Als bayernweit einmaliges Projekt sei dort ein gänzlich neuer Stadtteil möglich. Dieser schaffe dringend notwendigen Wohnraum. Er müsse sich auch energetisch selbst versorgen - mit Blockheizkraftwerk, Solar- und Photovoltaik-Anlagen. Damit könne dieser Stadtteil zugleich autark und unabhängig sein.

Grund im Erbbau

Gerade nach der Waldbegehung in der vergangenen Woche sei klar, dass hier der Holzbau, etwa kombiniert mit Lehm oder anderen alternativen Bau- und Dämmstoffen, Vorrang genießen werde, um die CO2-Bilanz zu verbessern. "Wir verbauen so viel Beton, an den wir dann 20 Zentimeter Styropor nageln. Kaum einer weiß, ob und wie er in einigen Jahrzehnten dieses künstliche Dämm-Material umweltgerecht entsorgen kann." Deshalb müssten schon beim Bau Konzepte vorliegen, wie die Häuser einmal umweltfreundlich rückgebaut werden können. Die Grundstücke selbst sollen, so eine weitere Vorgabe, im öffentlichen Eigentum (Erbpacht) bleiben.

Grund- und Oberflächenwasser müsse in Zisternen gesammelt werden, um es etwa als Brauchwasser für Toilettenspülung zu nutzen. Damit könne effizient kostbares Trinkwasser eingespart werden. Die Häusergröße sollen sich dem Gelände anpassen. Wer sich auf das Experiment alternativer Wohnpark einlasse, so meint Gmeiner, für den sei auch klar, dass er nicht mit Benziner oder Diesel unterwegs sei, sondern hier ebenfalls alternative Antriebe wie Strom, Gas, aber auch Wasserstoff nutze.

"Aus meiner Sicht könnten wir Vorreiter auf diesem Gebiet werden, anstatt uns weiterhin mit Worthülsen und Endlosdiskussionen zu beschäftigten", betont Gmeiner. Die bisherigen Investitionen in die planerische Vorbereitung des Gewerbegebietes seien dabei "nicht für die Katz'". Es gelte aber, sie in richtige Richtung zu lenken. "Ich will ja nicht motzen. Aber wir müssen in Weiden mal wieder etwas richtig gut machen."

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