Johann Bullers „Weltformel“, der Erstling des Wirtschaftsphysikers, ist glücklicherweise erschienen, bevor das Schreiben an öffentlichen Orten der Pandemie wegen nicht mehr möglich war. Denn Buller hat den 300 Seiten starken Thriller in der „Beanery“ und in der Regionalbibliothek geschrieben. Zu Hause war es ihm nicht möglich, sich aufs Schreiben zu konzentrieren.
Buller ist im Herzen Physiker, wie er sagt, nicht Betriebswirtschaftler, wenn Letzteres auch zu seinem Studium und seiner Berufstätigkeit gehört. Und die Physik durchzieht den vor allem gegen Ende temporeichen Thriller nicht nur, sie ist auch Auslöser und Ideengeber. Konkret: Es waren zwei Honigtropfen, die vor neun Jahren am Frühstückstisch vom Brot getropft und zusammengeflossen sind. Buller ist wie elektrisiert, als er sieht, wie die Tropfen sich verhalten, erkennt ein physikalisches Phänomen. Und dann ist da plötzlich die Idee zur Weltformel. Er lacht, als er davon erzählt, merkt selbst, wie das klingt. Weltformel! Aber er behauptet ja nicht, die eine Formel gefunden zu haben, die die Welt aus den Angeln hebt, was er seit jenem Morgen am Frühstückstisch im Kopf hat, ist die Formel für eine spannende Geschichte.
Zwei Jahre begleitet ihn die Weltformel im Kopf. Irgendwann sagt er sich: Schluss. Das muss jetzt raus aus dem Kopf. „Ich brauch´ dort Platz für was anderes.“ Also ein Buch schreiben? Er, der in der Schule ganz schlecht in Deutsch war? Aber Buller ist nicht der Typ, der sich den Kopf zerbricht darüber, ob das vielleicht Irrsinn ist, zu glauben, er könne einen Thriller im Stil des von ihm verehrten Dan Brown schreiben, er probiert es einfach. Und weil er Dan Brown nicht kopieren will, erfindet er seinen ganz eigenen Geheimbund, mischt das zunehmend aktueller werdende Thema Künstliche Intelligenz mit hinein und fängt an zu schreiben.
Sieben Jahre wird es dauern, bis er auf 300 Seiten mit Sprüngen vom 17. ins 21. Jahrhundert die Geschichte seiner Heldin Mira und den Moderati, so der Name seines Geheimbundes, fertig erzählt hat. Die Honigtropfen vom Frühstückstisch müssen auch im Buch herhalten zur Erläuterung der Weltformel. Eine Frau als Heldin scheint Buller in die Wiege gelegt zu sein, denn er hatte, wie er selbst sagt, in seinem Leben mit vielen starken Frauen zu tun. Aber es sei nicht immer ganz einfach gewesen, als Mann die Frauenrollen korrekt darzustellen. Buller erinnert sich an eine Szene, als zwei Frauen zusammensitzen. „Worüber unterhalten die sich?“, habe er sich gefragt. Er hat die Szene dann notgedrungen gekürzt.
Sieben Jahre schreibt Buller zeitweise nur sporadisch. Schließlich sind da noch ein fordernder Brotberuf als Qualitätsmanager beim Flosser Automobilzulieferer Nexans, die Familie und allerhand Hobbys. Dazu gehören die Leidenschaft für die Physik, gepaart mit einem Interesse an digitalisierten Prozessen und Künstlicher Intelligenz, das Segeln, seit neuestem auch die Jagd. Buller ist ein umtriebiger Charakter, der nicht lange still sitzen kann, der ständig seinen Horizont erweitern will.
Als er merkt, dass er zu Hause nicht schreiben kann, sucht er sich spezielle Orte nur für das Schreiben. Das sind die „Beanery“ und die Regionalbibliothek. Von da an setzt er sich konkrete Ziele. Und daran hält er sich. Die Zeit in diesen sieben Jahren zusammengefasst hat er etwa neun Monate an dem Roman geschrieben, schätzt er.
Der Roman gliedert sich in drei Teile, einen Blick zurück ins 17. Jahrhundert, einen zweiten Teil, der den Übergang ins 21. Jahrhundert markiert und den Zusammenhang zu erklären sucht, und einen dritten Teil als aktionsgeladenes Finale. Die Charaktere beschreibt Buller sparsam, und er hält sich auch nicht mit weitläufigen Ortsbeschreibungen auf, lässt vielmehr der Phantasie des Lesers Freiraum. Seine Beschreibungen der Fähigkeiten Künstlicher Intelligenz mögen den Leser erschrecken, aber Buller ist sich sicher, dass diese Fähigkeiten in Wahrheit schon erheblich größer sind, als er das ausmalt.
Mit der „Weltformel“ hat Buller Blut geleckt. Er hat Ideen für mehrere weitere Bücher im Kopf. Aktuell arbeitet er an einem Sachbuch über einen physikalischen Zugang zu Drogen, danach will er sich an eine Fortsetzung der „Weltformel“ machen.
Warum plötzlich ein Sachbuch über Drogen? Ein Herzensanliegen, sagt Buller. Er hat im Bekanntenkreis schon einmal einen tragischen Drogentod erleben müssen, seither verfolgt ihn sein ganz anderer Ansatz der Prävention. Seither geht er der Frage nach, warum es den Naturgesetzen entspreche, sich zu berauschen.
Buller ist Selfpublisher aus Überzeugung, sagt er. Er hat gar nicht versucht, einen Verlag für seine „Weltformel“ zu finden. Zum einen ist er finanziell nicht angewiesen darauf, vom Schreiben zu leben, zum anderen habe er sich sein Manuskript nicht von einem Verlag „an Lesergruppen anpassen“ lassen wollen. Buller wörtlich: „Ich wollte, dass es meins ist.“ Er wolle sich die Authentizität des Manuskripts nicht nehmen lassen, in beinahe jedem Charakter des Romans stecke etwas von ihm selbst.
Unter anderem sein ehemaliger Deutschlehrer hat sich um das Korrektorat gekümmert. À propos Deutschlehrer: Buller war zwar als Schüler sehr schlecht in Deutsch, hat aber später seine Liebe zu den Sprachen entdeckt, zu seiner Heimatsprache Russisch, zum Deutschen. Heute spricht er zudem fließend Englisch und Spanisch.
- Geboren 1982 in Dscheskasgan in Kasachstan
- Aufgewachsen seit dem 7. Lebensjahr in Altenstadt/WN
- spielte 15 Jahre für den SV Altenstadt Fußball
- Abitur am Kepler-Gymnasium Weiden
- Studium der Wirtschaftsphysik in Ulm, anschließend technischer Projektmanager in München, seit sechs Jahren Qualitätsmanager/Projektleiter bei Nexans in Floß
- Lebt heute mit seiner Familie in Weiden
- Die „Weltformel“ ist sein Erstlingswerk, Buller arbeitet aber schon an einem Sachbuch und einer Fortsetzung der „Weltformel















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