Neustadt an der Waldnaab
26.05.2021 - 14:40 Uhr
OnetzPlus

Ehemaliger Münchner rührt Werbetrommel für den Bocklradweg

Bis vor 13 Jahren wohnte Bernd Henkel in München. Dann zog es den gebürtigen Franken in die Oberpfalz. Mit seiner Frau lebt er in Albersrieth – und radelt mit Begeisterung auf dem Bocklradweg. Uns erklärt er, warum.

Bernd Henkel aus Albersrieth ist mit seinem E-Bike regelmäßig auf dem Bocklradweg unterwegs. Bild: Lowak
Bernd Henkel aus Albersrieth ist mit seinem E-Bike regelmäßig auf dem Bocklradweg unterwegs.

"Ich hatte von Anfang an den Bocklradweg vor der Haustüre", erzählt Bernd Henkel. Der 78-Jährige, ein gebürtiger Franke, wohnt seit 13 Jahren in Albersrieth und kann von seiner Terrasse aus auf den Radweg schauen. Wenn das Wetter passt, ist er gemeinsam mit seiner Frau auf der ehemaligen Bahntrasse unterwegs.

BildergalerieOnetzPlus
Weiden in der Oberpfalz25.05.2021

"Wir fahren gerne in die Eisdiele nach Vohenstrauß oder in die Raststation nach Floß", erzählt er. "Die Gemeinden geben sich viel Mühe", lobt er das Engagement entlang der Strecke. Besonders gefallen ihm die Rastplätze in Floß oder in Waldau, die zu einem Zwischenstopp einladen. "Aber noch schöner wäre es, wenn es an solchen Plätze auch noch Imbissstände geben würde. Bier und Bratwürste würden schon reichen." Als Beispiel führt er die österreichischen Fernradwege an.

Rundkurs über Oberviechtach

Henkel möchte nicht missverstanden werden. Natürlich könnten die Leute vom Bocklweg abfahren und das nächste Lokal ansteuern. "Doch es bräuchte mehr Verpflegungsmöglichkeiten direkt an der Strecke", sagt er. Außerdem meint er, dass die Möglichkeit, einen Rundkurs zu fahren, bei den Leuten gut ankäme. Das Ehepaar Henkel hat's vor ein paar Jahren ausprobiert. "Wir sind bis Eslarn gefahren und von dort weiter über den bayerisch-böhmischen Freundschaftsradweg über Oberviechtach und Nabburg wieder nach Hause", erzählt er begeistert. Da die Strecke zu weit ist, um sie auf einmal zu fahren, haben die Henkels sogar zweimal übernachtet.

Der Albersriether könnte sich auch gut vorstellen, dass eines der Nostalgierennen auf dem Bocklradweg veranstaltet wird. Die Veranstaltungen, die es auf der ganzen Welt gibt, würden Tausende von Leuten anlocken. Er selbst habe auch noch ein Rennrad mit einem Reynoldsstahlrahmen im Keller stehen. Auch Aktionstage entlang Strecke mit verschiedenen Stationen wie Infoständen oder Zeltbetrieb mit Blasmusik würden ihm gefallen - vorausgesetzt, die Situation aufgrund des Coronavirus würde dies zulassen.

Botschafter für Bocklradweg

Auch wenn ihm noch jede Menge einfallen würde, um den ohnehin schon schönen Weg noch attraktiver zu machen, rührt der Wahl-Albersriether kräftig die Werbetrommel für den Bocklweg. "Immer wenn ich irgendwo im Urlaub bin, lege ich in den Hotels Prospekte aus", erzählt er. Dies hat er schon auf Rügen, in Italien oder Portugal gemacht. "Ich liebe den Bocklradweg, aber er ist nicht bekannt genug."

Die neue Homepage "Der Bockl", auf der ausdrücklich darauf hingewiesen wird, zu welchen Zielen links und rechts der Bahntrasse sich lohnenswerte Abstecher machen lassen, findet er sehr gelungen. "Die Gedenkstätte in Flossenbürg ist sehr interessant", sagt er. Auch der Schönwerth-Sagenweg im Zottbachtal sei sehenswert. Und für das Wandern mit Alpakas ließen sich nicht nur Kindern begeistern.

Mit seinem E-Bike kommt der fitte 78-Jährige überall hin. "So ist das Radeln viel entspannter, man sieht Sachen entlang der Strecke, die man sonst vielleicht nicht gesehen hätte", sagt er. Und wenn er mal nicht Rad fährt und von seiner Terrasse in Albersrieth den anderen Radlern zusieht, muss er immer wieder feststellen: "Alle Radfahrer haben glückliche Gesichter."

Altlandrat Simon Wittmann erinnert sich: Wie alles begann

Altlandrat Simon Wittmann ist immer noch ein begeisterter Radfahrer. Bild: Gabi Schönberger
Altlandrat Simon Wittmann ist immer noch ein begeisterter Radfahrer.

"Das ist eine Schnapsidee", bekam der damalige Landrat Simon Wittmann Mitte der 1990er immer wieder zu hören. Denn das Vorhaben, auf der ehemaligen Trasse des Eslarner Bockls einen Radweg zu bauen, kam nicht überall gut an. "Wir bauen doch keinen Radlweg, nur damit der Landrat darauf fahren kann", habe einst der Teilnehmer einer Bürgerversammlung in Waldthurn zu ihm gesagt. "Ich habe damals versprochen, niemals darauf zu fahren", erinnert sich Wittmann schmunzelnd. Der Markt Moosbach habe ihn übrigens später in einer Sitzung mit offiziellem Beschluss von dem Versprechen entbunden.

Um das Projekt zu verwirklichen, mussten alle Gemeinden entlang der Trasse mitwirken. Das erste Teilstück zwischen Vohenstrauß und Eslarn, das 1999 fertiggestellt wurde, sei noch mit Hilfe der Naturpark-Förderung gebaut worden. "Doch dann war dies nicht mehr möglich, weil der Radwegebau eigentlich nicht den Förderrichtlinien entsprach", erinnert sich Wittmann. Der frühere Landkreischef versuchte anderweitige Geldquellen anzuzapfen und liebäugelte dabei mit Mittel aus der EU, die für grenzüberschreitende Projekte gedacht sind.

Zusammen mit dem früheren Neustädter Bürgermeister Rupert Troppmann entstand die Vision eines Fernradwegs von Paris nach Pilsen. "Wir haben damals mit Engelszungen geredet", denkt Wittmann zurück. Nicht nur die Kommunen entlang des Wegs mussten sensibilisiert werden, sondern auch die tschechischen Nachbarn, die zunächst sogar nicht in die Gänge kamen. "Vier mal haben wir uns mit denen getroffen, bis aus Pilsen endlich die Zusage kam."

"Das war für uns eine Ochsentour, aber es hat Spaß gemacht", sagt der Altlandrat. "Und dafür hatten wir einen der ersten Bahntrassenwege überhaupt." Wittmann freut sich, dass der Bockradlweg bei Radlern, Skatern und Spaziergängern so gut ankommt. Man könne, wenn mal wolle, die Strecke von Prag nach Paris fahren, doch gerade auf tschechischer Seite sei einiges - zum Beispiel die Ausschilderung - noch verbesserungswürdig.

Von der Bahnstrecke zum Radweg

  • Die Königlich Bayerische Staatseisenbahn eröffnet im Oktober 1886 das erste Teilstück der Bahnstrecke von Neustadt über Floß nach Vohenstrauß
  • Ab August 1900 fährt der Zug bis Waidhaus
  • Im Oktober 1908 kommt das letzte Stück bis Eslarn hinzu
  • Die Bahnstrecke ist 56 Kilometer lang, der Zug fährt durchschnittlich 30 km/h und benötigt insgesamt 2 Stunden
  • Aus für den Personenverkehr bis Eslarn 1975, die Fahrgäste müssen in Floß aussteigen
  • Der Güterverkehr wird 1993 eingestellt
  • Abbau der Schienen 1995
  • 1999: Das erste Teilstück des Bocklradwegs zwischen Vohenstrauß und Eslarn entsteht auf 24 Kilometern Länge
  • 2003 Abschnitt von Neustadt/WN nach Floß
  • 2004 von Floß nach Albersrieth
  • 2005 von Albersrieth nach Vohenstrauß
  • Der Bocklradweg wird Teil des Ende 2008 eingeweihten Paneuropa-Radwegs von Prag nach Paris

Zur neuen Homepage des Bocklradwegs

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Zum Fortsetzen bitte

Sie sind bereits eingeloggt.

Um diesen Artikel lesen zu können, benötigen Sie ein OnetzPlus- oder E-Paper-Abo.