17.10.2018 - 18:18 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Danke für Hilfe in der Sturmnacht

Als Sturmtief "Fabienne" im September tobt, helfen zwei 18-Jährige einer dementen Seniorin in Not. Danach ist ihr Auto kaputt. Das alles erfährt der Sohn der Frau erst aus der Zeitung - und will die Retter seiner Mutter treffen.

Sie sind glücklich, dass in der Sturmnacht alles gut ausgeht: Karl-Heinz Winkler, seine Mutter Irmgard und die drei Helfer Ingrid Häupl, Luca Seifert und Fabian Sparrer (von links).
von Stephanie Hladik Kontakt Profil

Karl-Heinz Winkler treten jetzt noch Tränen in die Augen, wenn er daran denkt, was seiner Mutter Irmgard hätte alles passieren können. Er rechnet es den beiden jungen Männern Luca Seifert und Fabian Sparrer hoch an, dass sie den Mumm hatten ihre Hilfe anzubieten. "Das ist heutzutage nicht selbstverständlich", sagt Winkler. "Die Jungs haben schnell gemerkt, dass da was nicht rund läuft. Dafür möchte ich mich herzlich bei allen bedanken."

Die 78-Jährige hatte sich am Abend des 23. Septembers ein wenig zu weit vom Sindersberger-Altenheim entfernt und nicht mehr nach Hause gefunden (wir berichteten). Sie lief bis zum Josefshaus, wo sie stürzte. Es regnete. Sturmtief "Fabienne" war im Anmarsch. Ein Autofahrer hielt an und half Irmgard Winkler wieder auf die Beine. Im selben Moment bogen Luca Seifert und Fabian Sparrer mit ihren Autos um die Ecke und fragten, ob sie helfen können. Sie konnten.

Irrfahrt durch die Nacht

Mit der Seniorin im Auto fuhren die beiden Freunde nach Altenstadt und wieder zurück nach Weiden. Sie suchten die Anton-Wurzer-Straße. An sie hatte sich die demente Frau noch erinnert. Dort hatte sie früher gewohnt. Am Hammerweg fanden sie zwar die Straße, aber keiner kannte Irmgard Winkler. Zu allem Unglück krachte auch noch ein Baum auf Lucas Auto. Die jungen Männer suchten weiter. Dann trafen sie auf Ingrid Häupl, die das durchnässte Trio in ihre Wohnung bat und sich kümmerte. Ein kleiner Aufnäher in der Kleidung der Seniorin brachte schließlich den Hinweis auf das Altenheim.

Irmgard Winkler lächelt und blickt neugierig in die Runde, die an diesem Nachmittag im Wohnzimmer ihres Sohnes sitzt. Von ihrem aufregenden Ausflug in der Sturmnacht weiß sie nichts mehr. Die fortschreitende Demenz nimmt ihr die Erinnerung. Dennoch scheint sie zu spüren, dass hier gerade etwas Besonderes vor sich geht. Karl-Heinz Winkler und seine Frau Simone Sperl wollten den Helfern unbedingt persönlich danken. Gemeinsam stoßen sie mit einem Glas Sekt an und überreichen kleine Präsente an die drei Samariter.

"Unglaublich, dass unsere Irmi bis zum Josefshaus gelaufen ist. Wo sie da nur hin wollte, ist uns heute noch ein Rätsel", sagt die Schwiegertochter kopfschüttelnd. "Wir waren völlig ahnungslos", ergänzt ihr Mann. "Uns hatte bis dahin ja niemand informiert. Erst am Tag darauf rief das Altenheim an. Und was wirklich an dem Abend passiert war, haben wir dann aus der Zeitung erfahren", erzählt Karl-Heinz Winkler. Er und seine Frau finden es einfach großartig, wie die beiden jungen Männer, Frau Häupl und ebenso der unbekannte Autofahrer reagiert haben. "Ein Danke dafür ist nicht genug. Dass wir uns an den Reparaturkosten für Lucas Auto beteiligen ist das Mindeste."

"Würden wieder helfen"

Luca, Fabian und Ingrid Häupl winken fast gleichzeitig ab. "Wir haben das gern getan - und würden es jederzeit wieder tun", sind sie sich einig. Dass sie durch die Berichterstattung im "Neuen Tag" und im Onetz (www.onetz.de/2510126) so im Rampenlicht stehen, ist ihnen fast peinlich. Als sie die Seniorin aber dreieinhalb Wochen später in guter Verfassung vor sich sehen, sind auch sie froh, dass alles ein gutes Ende fand.

Auch im Freundeskreis oder in der Schule war die "Rettungsaktion" Gesprächsthema. "Schulkameraden, Lehrer und die Schuldirektorin haben uns auf den Zeitungsbericht angesprochen", sagt Luca. Und so landeten "die vorbildlichen Retter" auch auf der Startseite der FOS-Homepage. In der Redaktion gehen Dankemails und Spendenangebote für das beschädigte Auto ein. Viele erzählen von ähnlichen Erlebnissen mit ihren dementen Eltern und hätten sich ebenso aufmerksame Helfer gewünscht. Die Welle des Respekts schwappt auch durchs soziale Netz.

Luca Seifert freut sich mittlerweile über einen neuen, gebrauchten BMW. Sein alter war zu schwer beschädigt, die Reparaturkosten hätten im vierstelligen Bereich gelegen. "Es hat sich nicht mehr rentiert", sagt er und dankt seinerseits für die Hilfsangebote. Irmgard Winkler lächelt noch immer. Dass die "beiden hübschen jungen Männer" ihr geholfen haben, findet sie bemerkenswert und freut sich. Zehn Minuten später hat sie es wieder vergessen. Angemerkt

Kreuz und quer fliegen die Bäume in der Sturmnacht am 23. September 2018. Auch auf Luca Seiferts Auto kracht ein Baum.

Was am 23. September in der Sturmnacht passierte, lesen Sie hier

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