In der Oberpfalz hat es im vergangenen Jahr deutlich mehr antisemitische Vorfälle gegeben als im Vorjahr. Die Zahl solcher Vorfälle ist von 36 im Jahr 2022 auf 54 im Jahr 2023 gestiegen. Das berichtet die Recherche- und Informationsstelle (Rias) Bayern. Auch im ganzen Freistaat wurden demnach sehr viel mehr antisemitische Vorfälle dokumentiert als zuvor: Im vergangenen Jahr waren es 733, im Jahr davor 424. Das ist ein Zuwachs von 73 Prozent.
Auch die Zahl der antisemitischen Straftaten ist in der Oberpfalz gestiegen. Das zeigen Zahlen des bayerischen Innenministeriums. Demnach wurden im vergangenen Jahr 36 solcher Straftaten gezählt. Zwei davon fallen unter die Kategorie "politisch motivierte Gewaltkriminalität", unter anderem sei in Amberg ein Opfer geschlagen worden. Die restlichen Straftaten verteilen sich auf verschiedene Orte – unter anderem auch auf Weiden, Sulzbach-Rosenberg, Schwarzenfeld oder Flossenbürg.
Straftaten in Bayern auf Höchstwert
Im Jahr 2022 waren es laut Ministerium 22 antisemitische Straftaten in der Oberpfalz, ein Jahr davor zählte man mit 33 fast ähnlich viele wie 2023. Die Tendenz ist aber klar: Die Zahl dieser Straftaten nimmt auch im Bezirk immer weiter zu. Zwischen 2019 und 2013 waren es laut Auflistung des Innenministeriums vier Mal weniger als zehn in einem Jahr. In Bayern liegt die Zahl der antisemitischen Straftaten mit 589 auf einem Höchstwert.
Auffallend sei laut Rias-Bericht, dass fast die Hälfte aller antisemitischen Vorfälle in Bayern nach dem Massaker der Hamas im Süden Israels am 7. Oktober 2023 bekannt wurden. 70 Prozent davon zeichneten sich auch durch israelbezogenen Antisemitismus aus.
Rias dokumentierte für 2023 7 Angriffe, 31 gezielte Sachbeschädigungen und 31 Bedrohungen – "Vorfallsarten, die eine besonders schwerwiegende Wirkung auf Betroffene haben können", wie es in dem Bericht heißt. Zudem wurden 23 Massenzuschriften sowie 641 Fälle verletzenden Verhaltens – darunter 260 Versammlungen – gezählt. Regionale Schwerpunkte seien die Metropolregionen München und Nürnberg gewesen.
"Einschneidendes Jahr"
"2023 war ein einschneidendes Jahr. Wir haben so viele antisemitische Vorfälle wie nie zuvor dokumentiert", wird Rias-Bayern-Leiterin Annette Seidel-Arpacı zitiert. "Neben dem Schock über die Massaker der Hamas, hat die antisemitische Agitation auf Bayerns Straßen und im Netz seit dem 7. Oktober viele Jüdinnen und Juden tief verunsichert." Der Kampf gegen Antisemitismus sei auch immer ein Kampf für demokratische Werte und eine offene Gesellschaft, wird Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland und des Landesverbandes israelitische Kultusgemeinden in Bayern, zitiert. "Jeder Antisemit ist auch ein Feind der Demokratie. Häufig vermisse ich diese Erkenntnis, wenn öffentlich der jüdische Staat Israel dämonisiert und verächtlich gemacht wird."
In mehr als der Hälfte aller Fälle war laut Rias ein bestimmter politisch-weltanschaulicher Hintergrund der Täter nicht eindeutig erkennbar. Oftmals habe es sich um Vorfälle gehandelt, bei denen außer etwa der "abschätzig intendierten Aussage 'Du Jude!' keine weiteren Informationen vorliegen". Bei den Vorfällen, bei denen ein bestimmter politischer Hintergrund festgestellt wurde, stehe an erster Stelle das verschwörungsideologische Milieu (137 Vorfälle, 19 Prozent aller Fälle), wie Rias weiter mitteilt. Die Recherche- und Informationsstelle weist darauf hin, dass von einem großen Dunkelfeld auszugehen ist.














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