02.09.2021 - 11:28 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Diese Möglichkeiten gibt es bei Namensänderungen

Komplizierte Schreibweise, Verwechslungsgefahr oder Hänseleien: Die Gründe für Namensänderungen können ganz unterschiedlich sein. Die Hürden sind hoch, erklärt die Stadt Weiden. Manchmal muss ein Gericht entscheiden.

Sammelnamen wie Müller, Meyer oder Schmidt können geändert werden, wenn eine zu große Verwechslungsgefahr besteht.
von Katrin Pasieka-Zapf Kontakt Profil

Schon bei der Anmeldung zur standesamtlichen Trauung müssen Paare sich entscheiden: Wie wollen wir in Zukunft heißen? Seinen oder ihren Namen? Doppelname? Oder behält doch jeder seinen? Aber es gibt auch andere Gründe, warum Menschen ihren Nach- oder Vornamen ändern wollen. Manche Fälle landen sogar vor Gericht.

"Grundsätzlich wird zwischen der zivilrechtlichen und der öffentlich-rechtlichen Namensänderung unterschieden", erklärt Norbert Schmieglitz, Pressesprecher der Stadt Weiden, auf Nachfrage. Ändert sich der Familienname durch Heirat, Adoption oder Scheidung spricht man von einer zivilrechtlichen Änderung. Dafür sind die Standesämter zuständig. Auch eine "Namenserteilung durch Elternteil" können Standesämter vor Ort durchführen. Dieser Fall liegt vor, wenn die Eltern eines Kindes nicht verheiratet sind. Das Kind trägt normalerweise den Nachnamen der Mutter. Auf Antrag kann es aber auch den Namen des Vaters erhalten – wenn eine Vaterschaftsanerkennung vorliegt.

Gute Gründe erforderlich

Gibt es einen anderen Grund, warum Vor- oder Nachname geändert werden sollen, spricht man von der öffentlich-rechtlichen Namensänderung. Entscheidend ist: Es muss ein wichtiger Grund sein. "Das ist zum einen die Unzumutbarkeit der Namensführung wegen gesundheitlicher, psychischer Beschwerden", so der Pressesprecher. Eine seelische Belastung ist durch traumatische Erlebnisse in der Kindheit möglich. Besteht eine häufige Verwechslungsgefahr, lassen sich sogenannte Sammelnamen wie Maier, Müller oder Schmidt ebenfalls abändern. Sind Namen anstößig, klingen sie lächerlich, geben sie Anlass zu Wortspielen, sind sie schwierig zu schreiben oder zu sprechen, können auch sie geändert werden. Dennoch: Ob ein wichtiger Grund vorliegt, wird im Einzelfall entschieden. Für diese Form der Namens­änderung ist das Landratsamt oder die kreisfreie Stadt zuständig.

Keine einheitliche Gebühr

Nach dem Antrag folgt ein Beratungsgespräch. Dabei werden die Erfolgsaussichten besprochen und mitgeteilt, welche Unterlagen noch benötigt werden. Die Kosten liegen für die Änderung eines Familiennamens zwischen 50 bis 1500 Euro, die Änderung eines Vornamens kann zwischen 25 bis 500 Euro teuer werden. Die Gebühr wird anhand des Verwaltungsaufwands, Einkommenssituation und der Bedeutung für den Antragsteller festgelegt. Wird ein Antrag abgelehnt, entstehen ebenfalls Gebühren.

Wie viele Namen in den vergangenen Jahren bei der Stadt Weiden geändert wurden, ist nicht bekannt. "In aller Regel handelt es sich um eine geringe einstellige Anzahl pro Jahr." Menschen aus allen Bevölkerungs- und Altersschichten stellten einen Antrag. Wie alt diese waren, ist nicht bekannt.

Verwaltungsgericht entscheidet

Wird ein Antrag abgelehnt, können Antragsteller auch vor ein Verwaltungsgericht ziehen. Das erlebte die Stadt Weiden in zwei verschiedenen Fällen. Einmal wollte eine Frau ihren Nachnamen in den ausländisch klingenden Familiennamen ihrer Mutter ändern lassen. Dieser enthielt allerdings ein diakritisches Zeichen, das in der deutschen Sprache nicht bekannt ist. Konkret ging es um den Buchstaben "Š". Als Grund nannte sie die psychischen Belastungen aus dem Verhältnis zu ihrem Vater. Dieser soll ihr und der Mutter gegenüber handgreiflich geworden sein. Die Namensänderung würde ihr helfen, sich psychisch zu stabilisieren. Das Gericht lehnte die Klage ab, auch, weil der neue Name zu Problemen bei Aussprache und Schreibweise führen würde.

In einem zweiten Fall sollte die Korrektur des Vornamens nach Bundesvertriebenengesetz vorgenommen werden. Damals war der Name auf die deutschsprachige Form angeglichen worden. Die Klägerin hatte aber mit der deutschen Aussprache Probleme, wurde deshalb oft ausgelacht. Diese Klage lehnte das Gericht ebenfalls ab.

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Pressath
Hintergrund:

Kuriose Namensführung weltweit

  • Dänemark: Paare, die nicht verheiratet sind, seit zwei Jahren zusammenleben oder ein gemeinsames Kind haben, dürfen einen gemeinsamen Namen wählen. Nachnamen die von mehr als 2000 Personen getragen werden, können von jedem angenommen werden, ebenso die Nachnamen der Eltern, Großeltern, Urgroßeltern und Ururgroßeltern.
  • Island: Familiennamen gibt es nicht, nach der Heirat behält jeder seinen Namen. Der Nachname entsteht aus dem Vornamen des Vaters (selten aus dem der Mutter) und der Endung „-son“ für Söhne und „-dottir“ für Töchter.
  • Tunesien: Ehegatten behalten ihren Geburtsnamen, für gewöhnlich fügt die Ehefrau ihrem Namen, den Familiennamen des Ehemanns plus den Zusatz „épouse“ (verheiratete) an. Verwitwete Frauen behalten ihren Mädchennamen mit dem Zusatz „veuve“ (verwitwete) plus den Nachname des Ehemanns.
  • Seychellen: Der Geburtsname des Mannes wird zum Familienname, bei Frauen wird immer ein Doppelname aus seinem und ihrem Namen gebildet.

Quelle: Sammlung des ausländischen Namensrechts, Bundesinnenministerium

 

 

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