06.03.2020 - 09:46 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Donum Vitae: "Wir gehen alle Wege mit"

Schreikind, Geldsorgen – wer denkt dabei an Donum Vitae? Und doch ist der Verein weit mehr als nur Anlaufstelle für Frauen, die mit ihrer Schwangerschaft hadern. „Wir gehen alle Wege mit“, sagt die Leiterin der Beratungsstelle Weiden.

Zwei neue Gesichter bei Donum Vitae: Andrea Lang (Zweite von rechts) und Elisabeth Schieder (rechts) stellen die neue Vorsitzende des Fördervereins, Andrea Gollwitzer, und die Bevollmächtigte für Tirschenreuth, Sandra Kellermann, vor (von links).
von Gabi EichlProfil

Wer bei Donum Vitae nur an die Beratung von Schwangeren in Konfliktsituationen denkt, kennt nur einen Bruchteil der Vereinsarbeit. Tatsächlich waren im vergangenen Jahr unter den über 900 Beratungskontakten in der Beratungsstelle Weiden gerade einmal 140 Gespräche, in denen es um einen Schwangerschaftskonflikt ging, wie die Leiterin Elisabeth Schieder bei der Vorstellung des Jahresberichts 2019 sagt. Fast doppelt so oft ging es in 270 Beratungsgesprächen nach der Geburt um die Finanzen der Alleinerziehenden oder Familien, um Kinderbetreuung, um das Elternsein an sich, aber auch um Trauerbewältigung nach einem Schwangerschaftsabbruch und nach Fehl- oder Totgeburt.

Wenn das Geld nicht reicht

Weitere große Themenfelder sind den Worten Schieders zufolge finanzielle Unterstützung allgemein, die Pränataldiagnostik, der unerfüllte Kinderwunsch und die Begleitung durch den Dschungel von Gesetzen und Fördermöglichkeiten. Wenn das Geld nicht reicht, kann zum Beispiel über die Landesstiftung Hilfe für Mutter und Kind gewährt werden; der Beratungsstelle stehen aber auch Mittel aus Hilfefonds wie den Sternstunden oder dem Adventslicht zur Verfügung.

Die Trauer nach einem Schwangerschaftsabbruch oder einer Fehlgeburt ist das eine, eine andere Sache ist es, sich während der Schwangerschaft von der Vorstellung verabschieden zu müssen, dass man ein gesundes Kind bekommen wird. Keine Frage, dass in solchen Fällen nur kompetente Beratung helfen kann. Zwei Beraterinnen des Teams haben sich für die Beratung der Pränataldiagnostik weitergebildet, Schieder selbst macht derzeit eine Trauerbegleitungsausbildung. Zwei weitere Beraterinnen sind vom Beratungsnetzwerk Kinderwunsch Deutschland zertifiziert. Grundsätzlich habe die Qualität der Beratung einen außerordentlich hohen Stellenwert, sagt Schieder; das Team unterziehe sich regelmäßig einer Qualitätssicherung.

Eine andere speziell qualifizierte Beraterin begleitet auf Wunsch durch das Prozedere einer vertraulichen oder anonymen Geburt. Alles große Themen, aber einmal im Monat treffen sich in der Beratungsstelle auch junge Mütter mit ihren Kindern nur zu einer Mutter-Kind-Gruppe, tauschen sich aus, machen Ausflüge oder Nähkurse.

Schulen auf der Warteliste

Damit es gar nicht zu Problemschwangerschaften kommt, gehen Beraterinnen in die Schulen; 1300 Schüler hat die sexualpädagogische Arbeit der Beratungsstelle im vergangenen Jahr erreicht. Speziell dieser Teil ist inzwischen so erfolgreich, dass längst nicht mehr alle Anfragen von Schulen erfüllt werden können, seit Jahren gibt es eine entsprechende Warteliste.

Unverändert ist laut Schieder die Situation auf dem Wohnungsmarkt: Es fehlten massiv Sozialwohnungen, bezahlbarer Wohnraum allgemein; die Kommunen müssten dringend die Mietobergrenzen überarbeiten, damit sozial schwache Familien nicht immer wieder an diesen scheiterten. Und ebenso fehlten Hebammen und Kinderbetreuungsplätze, auch das beklage man seit Jahren.

Zunehmend mehr Männer

In etwa 1300 Beratungsstunden im City-Center und in den Außenstellen im Landratsamt Tirschenreuth und im Kemnather Familienzentrum hatte das Team im vergangenen Jahr Kontakt mit 950 Ratsuchenden, darunter etwas mehr als 250 Männer, Tendenz steigend. Der Großteil der Klientel ist zwischen 18 und 35 Jahre alt. Die kostenlose Beratung erfolgt unabhängig von Konfession und Nationalität, verschwiegen und ergebnisoffen, wie Schieder mehrmals betont.

Die Profis der Beratungsstelle werden unterstützt von Ehrenamtlichen; in deren Reihen gibt es neue Gesichter. Die 28-jährige Sandra Kellermann ist neue Bevollmächtigte des Landkreises Tirschenreuth, die Flosserin Andrea Gollwitzer hat zusammen mit Stellvertreterin Karina Heinle den Vorsitz des Fördervereins übernommen. Die langjährige Bevollmächtigte für Weiden und den Landkreis Neustadt/WN, Andrea Lang, bescheinigt beiden großes Engagement für die Sache.

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