Der Unternehmer Christian Engel plant nördlich seiner Reitanlage für Western-Pferde bei Halmesricht (Weiden) ein großes Hotelprojekt. Das gewünschte Areal ist etwa doppelt so groß wie das Dorf Halmesricht selbst. Neben dem Hotel mit etwa 120 Betten könnten eine Tiny-House-Siedlung, Gastronomie, Glamping (Luxus-Camping) und weitere Freizeitangebote entstehen. Diese Pläne sind seit rund einem Jahr öffentlich bekannt. Mit Engels Planungen wäre, sagt die Stadtverwaltung, „das breite Spektrum aller Aufenthaltsformen, von kurzen Tagesausflügen bis zu längeren Übernachtungen“ abgedeckt.
So steht es auch wörtlich im Konzeptpapier der Planer vom Februar dieses Jahres, das Oberpfalz-Medien vorliegt. Es gibt einen detaillierteren Einblick. Auf 24 Hektar (das entspricht 35 Fußballfeldern) könnte die Anlage laut dem Papier des Architekturbüros die Lücke zwischen der Pferderanch, Halmesricht und Neunkirchen schließen. Im Norden würde sie von der Staatsstraße begrenzt, im Westen von der Straße zwischen Mallersricht und Neunkirchen. Eigentümer dieser Fläche sind übrigens: die Grundstücksentwicklung Denkwelt Halmesricht, die Brüder Christian und Lars Engel sowie die 2BE-Ranch GmbH & Co. KG.
Zonen A bis C
Unterteilt ist das Gelände im Konzept in die „Zonen“ A bis C. Die Zone A, im Westen des Geländes, ist für das Hotel in zwei Gebäuden sowie Gastronomie vorgesehen. Aufgrund der Hanglage sind die Zimmer des „Business- und Sporthotels“ im Obergeschoss angedacht, während das Untergeschoss „mit Blick nach draußen“ für Sport und Wellness geplant ist. Welche Hotelgäste als Zielgruppe das Projekt anziehen soll, bleibt unklar.
Die Zone B, östlich der Hotelgebäude, würde das autarke Energiekonzept der Anlage umsetzen, darunter eine Biogasanlage und ein Blockheizkraftwerk, ebenso womöglich eine Garnelenzucht aus Bioeiweiß. Außerdem: Freizeitangebote wie ein Niederseilgarten, eine Brauerei und Brennerei oder ein Zentrum für traditionelle chinesische Medizin. Darunter, in Zone C, könnte das Tiny-House- und Tent-Village entstehen, „für Kurzaufenthalte im Grünen mit Ferienhauscharakter“, dazu ein Wasserlauf mit Obstlehrpfad. Teile des Geländes sollen für die Öffentlichkeit zugänglich sein, andere Angebote nur für (Hotel-)Gäste.
Die bestehende „2BE-Ranch“ könnte in das Angebot integriert werden. Hier sind im Konzept „therapeutisches Reiten“ und „geführte Wanderritte“ genannt. Die Kaltluftschneise, die frische Luft nach Weiden fördert und für das Stadtklima wichtig ist, soll die Anlage laut Konzept „nicht beeinträchtigen“. Sie würde zwischen Ranch und der neuen Anlage hindurchführen.
"Erheblicher Untersuchungsumfang"
Klar ist seit der jüngsten Bauausschusssitzung: Die Regierung der Oberpfalz wirft ein prüfendes Auge auf das Projekt, aufgrund seiner schieren Größe. Die Fläche hat der Stadtrat im September 2024 beschlossen, in ein Sondergebiet umzuwandeln, um die Beplanung in dieser Form überhaupt möglich zu machen. Momentan gelten die Wiesen dort inklusive der Ranch noch als landwirtschaftliche Fläche. Nur mit diesem Etikett war der Bau der Pferderanch genehmigungsfähig.
Die Bezirksregierung in Regensburg rät dringend, dass die Stadt das Projekt von der Fortschreibung des Weidener Flächennutzungsplanes abkoppelt, also eigenständig betrachtet. Auch Oberbürgermeister Jens Meyer sieht die Pläne andernfalls „verzögert und gefährdet“. Grund sind laut Regierung „der erhebliche Untersuchungsumfang“ und „die umfangreiche Prüfung landesplanerischer Aspekte“, etwa ob die Anlage eigentlich fernab anderer Siedlungen entstehen darf. Fachbegriff: Anbindegebot. Zudem sei laut Regierung von einer „überörtlichen Raumbedeutsamkeit“ auszugehen. In Summe heißt das: noch mehr Bürokratie, jede Menge Gutachten und Stellungnahmen, ein enormer Aufwand.
Wer ist am Zug?
Seit dem Stadtratsbeschluss im Herbst soll nicht viel passiert sein. Das liege jedoch nicht an der Stadt, sagte Baudezernent Alkmar Zenger in der Sitzung des Bauausschusses Anfang Mai. Im Gegenteil: „Der Investor muss die Planung konkretisieren. ‚Freizeit und Erholung‘ ist zu allgemein formuliert.“ Eine Befreiung vom Anbindegebot könne die Regierung nur erteilen, wenn klar sei, was gebaut werden solle, etwa welche Art Hotel für welche Kunden. „Ein paar Varianten vorgeben, und die Behörde sucht sich dann eine aus, das geht nicht“, sagt Zenger gegenüber Oberpfalz-Medien. Am Zug sei deshalb der Bauherr. Das Konzeptpapier reiche nicht aus.
In diesem heißt es allerdings: Erst nach der Einleitung der Untersuchungen sei es sinnvoll, „eine detaillierte Planung zu entwickeln“. Stadt und Bauherr scheinen sich also uneinig zu sein, was die Reihenfolge betrifft, wer den nächsten Schritt machen soll.
In einer ähnlichen Konstellation scheiterte vor drei Jahren die „Denkwelt Halmesricht“ – auf derselben Fläche. Damals machten sich die beiden Seiten am Ende Vorwürfe, es sei jeweils zu wenig passiert. Dass Christian Engel das KI-Großprojekt 2022 beerdigte, auch weil die bürokratischen Hürden so hoch gewesen seien und alles so lange dauerte? Das spricht nicht zwingend dafür, dass das Hotelprojekt nun reibungslos läuft und zum Abschluss kommt.
Andererseits: Die Mitglieder des Weidener Bauausschusses stehen mit klarer Mehrheit hinter den Plänen. Sie drängen darauf, Christian Engel sein „Sondergebiet Freizeit und Erholung“ zu ermöglichen. Auf schriftliche Anfrage von Oberpfalz-Medien antwortete Engel knapp, er sei mit dem bisherigen Verlauf der Planung "sehr zufrieden".
























Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.
Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.