19.10.2018 - 08:33 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Drogen aus dem Darknet

Die Verlockung ist groß. Über das Darknet geht es einfach, sich mit Drogen einzudecken. So billig sind sie nicht einmal in Tschechien. Bezahlt wird mit Bitcoins, die ebenfalls im "verborgenen Teil" des Internets zu haben sind.

Mit einer neuen Problematik muss sich das Gericht beschäftigen. Crystal kommt neuerdings nicht aus Eger, sondern aus dem Darknet.
von Autor RNSProfil

Ein 38-Jähriger aus Weiden konnte der Versuchung nicht widerstehen und orderte aus den USA 50 Gramm Crystal: das Gramm zu acht Euro. Auf dem Asia-Markt bei Eger muss man dafür 25 bis 30 Euro bezahlen. Der Zoll am Flughafen Köln entdeckte jedoch das verdächtige Päckchen.

Unter Kinderspielzeug waren 58 Gramm Methamphetamin versteckt - acht Gramm waren großzügige Zugabe des amerikanischen Versenders. Unter Beobachtung von Polizei und Zoll wurden die Drogen an den Weidener ausgeliefert. Dann wurde der Mann festgenommen.

Am Donnerstag vor dem Schöffengericht unter Vorsitz von Richter Hubert Windisch gestand der gelernte Schlosser die Tat. "Weil es so billig war", habe er sich für seinen eigenen Verbrauch einen Vorrat zulegen wollen. Aufgewachsen im Umkreis von Grafenwöhr konsumiere er seit seinem 16. Lebensjahr regelmäßig. Damals sei die "erste Rauschgift-Welle" aus der Tschechei zu uns gekommen. Er habe die Droge aber immer nur zur Leistungssteigerung gebraucht und hauptsächlich während der Arbeit konsumiert. "Man leistet einfach mehr", berichtete der Mann.

Dass er geständig war und sozial eingeordnet gelebt hatte, hielt Staatsanwältin Carina Särve dem Angeklagten zugute. Wegen der großen Menge und wegen sechs Einträgen im Bundeszentralregister - alle wegen Drogendelikten - forderte sie aber drei Jahre Freiheitsstrafe in Verbindung mit einer Unterbringung in einer geschlossener Therapieeinrichtung zum Drogenentzug.

Rechtsanwältin Claudia Schenk plädierte auf zwei Jahre, die sie zur Bewährung ausgesetzt haben wollte. Als Auflage sollte ihrem Mandanten eine ambulanten Therapie angeordnet werden. Da der Ledige seit seiner Entlassung aus der fünfmonatigen U-Haft nicht arbeiten kann, weil er auf einen Therapieplatz und den Ausgang des Gerichtsverfahrens warte, sei er seit zwei Monaten arbeitslos. Wenn man ihn in der "Geschlossenen" unterbringe, lebe er noch weitere Zeit auf Staatskosten, befürchtete die Verteidigerin.

Richter Windisch und die beiden Schöffen verurteilten den Angeklagten zu zweieinhalb Jahren. Die normalerweise nicht unter 18 Monate dauernde Therapie im Bezirksklinikum kann er, da er therapiewillig und einsichtig ist, unter Umständen in einem Jahr schaffen, meinte Landgerichtsarzt Dr. Bruno Rieder.

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