21.01.2020 - 08:56 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Drogensüchtiger verurteilt: Meth in der Pizzaschachtel

Wegen Einfuhr von Rauschgift und Handeltreibens damit verurteilte die Erste Große Strafkammer unter Vorsitz von Landgerichtspräsident Gerhard Heindl einen 47-Jährigen zu drei Jahren Freiheitsstrafe.

Symbolbild.
von Autor RNSProfil

Gleichzeitig gab das Gericht dem laut Dr. Bruno Rieder schwerst Abhängigem die Chance auf eine Drogentherapie. In einer geschlossenen Anstalt dauert so eine Maßnahme meist 18 Monate und der Patient kann danach auf Bewährung entlassen werden.

Ende Mai vergangenen Jahres ertappten die Schleierfahnder der Polizeiinspektion Waldsassen den Arbeitslosen als Beifahrer eines aus Tschechien kommenden VW Golf. Auf die Frage, ob man denn Betäubungsmittel dabei habe, verneinte der Mann zuerst, war aber dann schnell geständig. Er deutete auf eine Pizzaschachtel im Fußraum des Autos, in der die Beamten dann mehr als 47 Gramm Methamphetamin, in vier Druckverschlusstütchen verpackt, fanden. Der Fahrer des Wagens habe nichts von seinem Schmuggelgut gewusst, gab der Mittelfranke an. Drogenwischtests verliefen bei beiden Insassen positiv.

Am Montag vor dem Weidener Landgericht verlas Rechtsanwalt Georg Karl namens seines Mandanten eine Erklärung. Dieser sei mit 14 erstmals mit Cannabis in Kontakt gekommen. Bis vor zwei Jahren sei er noch beruflich tätig gewesen. Seine Frau habe sich damals wegen des hohen Drogenkonsums von ihm getrennt. Seither arbeite er nur noch als Barkeeper. Ein kleinerer Teil als ihm Staatsanwältin Sandra Dechant vorgeworfen hatte, hätte dem Weiterverkauf gedient. Die Personen, die in seinem Einzimmerappartment bei der Wohnungsdurchsuchung angetroffen worden waren, habe er, bis auf Einen, nicht gekannt. Die Polizei hatte, weil eine Frau einen größeren Geldbetrag bei sich gehabt hatte, vermutet, dass es sich um Drogenabnehmer gehandelt habe, die auf die Lieferung warteten. Die Beamten, denen der Aufgriff gelungen war, berichteten als Zeugen davon. Schnell sei der 47-Jährige kooperativ gewesen. Ein Polizist berichtete von der Wohnungsdurchsuchung, bei der zwei Schlagringe, eine Axt unter dem Bett und zahlreiche Drogenutensilien gefunden worden waren.

Die Kooperation und sein Geständnis hielt Staatsanwältin Dechant dem Angeklagten zugute. Erschwerend wirkten sich aber seine Vorstrafen aus. Bereits in jungen Jahren hatte er seine Lehrstelle wegen eines längeren Aufenthalts in der Justizvollzugsanstalt verloren. In den letzten Jahren waren noch Geldstrafen wegen Waffenbesitzes, Rauschgifterwerbs, Trunkenheit im Verkehr und Fahrens ohne Führerschein hinzu gekommen. Die Anklagevertreterin plädierte auf vier Jahre. Die beiden Verteidiger, die Rechtsanwälte Georg Karl und Stephan Gesierich, wiesen auf die bisherigen Folgen des Drogenkonsums ihres Mandanten hin. Sein Haus, seine Frau und sämtliche Zähne habe er dadurch verloren. Er sei so stark abhängig, dass er sogar nur noch intravenös konsumiere. Karl und Gesierich hielten zwei Jahre und zehn Monate für ausreichend. Heindl, Richterin Franziska Stegmair und die beiden Schöffen urteilten daraufhin: drei Jahre plus Unterbringung zur Drogentherapie.

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